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ZUG: Tolle Aussicht – bis Mitternacht

Zuoberst auf dem Park Tower ist das Panorama spektakulär. Geniessen darf man es aber nur bis Mitternacht. Das hat jetzt ein Schiedsgericht entschieden.
Blick vom Park Tower in Richtung Baar. (Archivbild Stefan Kaiser)

Blick vom Park Tower in Richtung Baar. (Archivbild Stefan Kaiser)

Samantha Taylor

Im obersten Geschoss des 81 Meter hohen Park Towers in Zug befindet sich ein öffentlich zugänglicher Raum, der der Stadt Zug gehört. Zu welchen Tages- und vor allem Nachtzeiten dieser Raum genutzt werden darf, darüber stritten sich der Zuger Stadtrat und die Bauherrin, das Konsortium Park Tower. Kurz zusammengefasst: Die Stadt wollte mehr, die Bauherrin weniger. Einig wurde man sich über das Betriebskonzept des 88 Quadratmeter grossen Raumes nicht, sodass im Frühling 2014 ein Schiedsgericht ranmusste. Nun liegt der Entscheid dieses Gremiums vor viel später als erwartet. Er ist jedoch abschliessend und kann nicht angefochten werden.

Eine Disco ist tabu

Das Schiedsgericht hat entschieden, dass der Raum von Montag bis Donnerstag jeweils von 8 bis 22 Uhr und am Freitag bis 24 Uhr genutzt werden kann. Am Samstag steht er bis Mitternacht für Anlässe zur Verfügung und an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Das Schiedsgericht kam dabei der Stadt insofern entgegen, als dass in dem Raum am Freitag und am Samstag bis Mitternacht Veranstaltungen durchgeführt werden können. «Für uns war auch wichtig, dass an Sonn- und Feiertagen Anlässe organisiert werden können», sagt der städtische Finanzchef Karl Kobelt. Das Schiedsgericht seinerseits begründet den Entscheid damit, dass gerade an Wochenenden ein gesteigertes Bedürfnis für gesellschaftliche und kulturelle Anlässe vorhanden sei. Gleichzeitig sei aber auch der Wunsch der Bewohner nach Ruhe zu berücksichtigen. Darum seien «Tanz- und Discoanlässe» verboten. Insgesamt sind pro Tag höchstens fünf Anlässe erlaubt.

Urteil ist «ein Kompromiss»

«Ein solcher Entscheid ist am Ende immer ein Kompromiss. Man muss gewisse Abstriche machen», bilanziert Kobelt. Solche Abstriche sieht die Stadt bei den Feiern bis spät in die Nacht. «Wir hätten uns gewünscht, dass wir pro Jahr rund zwölf Anlässe bewilligen können, die bis 2 Uhr dauern», sagt Kobelt.

Neben den Öffnungszeiten hat das Schiedsgericht auch über den Kostenschlüssel für den Ausbau des Raumes befunden. Die Stadt wird nun die Kosten für die zusätzlichen Lüftungsgeräte sowie für den Ausbau der Akustik im Raum, der für maximal 50 Personen konzipiert ist, übernehmen. Das Konsortium wiederum kommt für den Ausbau des Vorraumes sowie für eine Lärmschutzwand zur benachbarten Wohnung auf. Wie viel Geld die Stadt dafür in die Hand nehmen muss, ist noch nicht klar. «Unsere Fachleute sind daran, den weiteren Ausbau zu planen. Wenn dies abgeschlossen ist, wird mit dem Ausbau begonnen», sagt Karl Kobelt.

Der Raum wird mit einer kleinen Küche, Tischen und Stühlen und der nötigen Technik ausgestattet. Die höchsten Kosten würden durch die Akustik und die Lüftung verursacht. Die Stadt rechnete ursprünglich mit einem Kostendach von 200 000 Franken.

Erste Anlässe Ende 2015

Wann in luftiger Höhe die ersten Anlässe stattfinden können, ist noch nicht klar. Das hänge von den Kosten ab. «Wenn wir nicht ins Parlament müssen, dann hoffen wir, dass wir den Raum Ende 2015 einweihen können.» Wenn das Stadtparlament aber noch über einen Kredit befinden müsse, dann werde es wohl Mitte 2016.

Unter den Fraktionen des Grossen Gemeinderates löst das Urteil unterschiedliche Reaktionen aus. Einig ist man sich von rechts bis links einzig darin, dass die Lösung in Bezug auf die Öffnungszeiten «in Ordnung» ist. «Das Urteil ist eher zu Gunsten der Stadt ausgefallen», ist FDP-Fraktionschef Stefan Moos überzeugt. Zufrieden mit dem Ergebnis zeigt sich die Fraktion Alternative-CSP. «Ich habe ein ‹schlimmeres› Urteil erwartet. Sprich, dass die Öffnungszeiten mehr eingeschränkt werden», sagt Astrid Estermann. «Schön wäre gewesen, man könnte den Raum im Park Tower, wie einige der anderen Anlagen auch, täglich bis Mitternacht nutzen», so die grüne Gemeinderätin weiter.

Partyraum als Staatsaufgabe?

Urs Bertschi, SP-Fraktionschef, hätte am Wochenende eine grosszügigere Lösung begrüsst. «Öffnungszeiten bis 1 Uhr wären vertretbar gewesen. Aber im Grossen und Ganzen bin ich zufrieden.» Und mit dem «Kompromiss leben» kann SVP-Gemeinderat Philip C. Brunner. «Wir haben nicht das Maximum erreicht, müssen uns aber auch nicht mit dem Minimum zufrieden- geben. Es ist eben ein Kompromiss.»

Weniger gelassen nimmt man das Urteil bei der CVP und Teilen der SVP. Zwar habe er das Ergebnis so erwartet, und ihm sei klar gewesen, dass es auch in Bezug auf die Kosten – einen Kompromiss geben werde, sagt CVP-Fraktionschef Hugo Halter. Aber: «Die ganze Sache hat es bestätigt: Wir erhalten einen Raum, der viel kostet, wenig Nutzen bringt und in Zukunft für viel Ärger sorgen wird. Und das in Zeiten des Sparens.» Ausserdem sei es nicht Staatsaufgabe, einen solchen Partyraum zu betreiben. «Er fällt in die Kategorie: nice to have. Wir hätten ihn besser verkauft.»

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