Zug Tourismus sucht neue Führungskräfte

Geschäftsführerin Patrizia Hofstetter nimmt Stellung zu ihrem überraschenden Rücktritt. Zugleich demissioniert der Präsident.

Laura Sibold
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Geschäftsführerin Patrizia Hofstetter verlässt Zug Tourismus per Ende März.

Geschäftsführerin Patrizia Hofstetter verlässt Zug Tourismus per Ende März.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 16. Mai 2019)

Der Verein Zug Tourismus hat durchzogene Zeiten hinter sich: Wegen Meinungsverschiedenheiten und fehlenden finanziellen und personellen Ressourcen trat vor rund 1,5 Jahren der damalige Geschäftsführer Nicolas Ludin zurück. Er reichte sieben Monate nach Dienstantritt bereits die Kündigung ein.

Nun wiederholt sich die Geschichte: Nach nur einem Jahr als Geschäftsführerin nimmt Patrizia Hofstetter den Hut. Die 29-Jährige wird Zug Tourismus Ende März verlassen. Die gebürtige Bündnerin, die derzeit in Baar wohnt, betont in einer Mitteilung von Zug Tourismus, dass sie ihren Lebensmittelpunkt wieder Richtung Ostschweiz verschieben und sich beruflich neu orientieren wolle. Kann dies vor dem Hintergrund der Turbulenzen im Verein der einzige Demissionsgrund sein? Hofstetter räumt auf Nachfrage ein: «Ich habe die Geschäftsleitung in einer sehr herausfordernden Zeit übernommen.»

Ein interner Ausschuss sucht Nachfolger

Unter Hofstetters Ägide fielen die Reorganisation von Zug Tourismus und eine strategische Neuausrichtung. Denn schliessende Hotels, gekürzte Kantonsbeiträge und hohe Personalkosten drückten aufs Budget. Die Finanzen habe man mittlerweile wieder stabilisieren können, sagt Patrizia Hofstetter. «Dadurch können wir dieses Jahr Projekte anpacken, die wir 2018 wegen Defiziten noch aufschieben mussten.» Das betrifft etwa die Modernisierung der Website, womit Ende 2019 gestartet wurde. Zudem habe man weitere Projekte in den Startlöchern, Genaueres will Hofstetter aber noch nicht verraten.

Auch Heini Schmid, Präsident des Vereins Zug Tourismus, betont, dass man im vergangenen Jahr den Betrieb habe stabilisieren können: «Wir haben die Handbremse angezogen, indem wir angedachte Projekte vertagt und die Personalkosten reduziert haben. Die Leistungsfähigkeit von Zug Tourismus hat dadurch aber gelitten – langfristig braucht es daher ein Umdenken.» Dieses «Umdenken» wird aber ohne Präsident Heini Schmid vonstattengehen: Denn auch der Zuger hat entschieden, das Präsidium anlässlich der Generalversammlung vom 12. Mai abzugeben. Schmid versichert, dass für seinen Rücktritt nicht die herausfordernde Situation von Zug Tourismus ausschlaggebend gewesen sei. Seine Demission habe schon länger festgestanden.

«Es ist Zeit für einen Generationenwechsel, für neue Leute mit frischen Ideen», so Schmid, der Zug Tourismus über 20 Jahre präsidiert hat.

Der Vorstand des Vereins hat mittlerweile einen internen Ausschuss unter der Leitung von Gabriela Ingold mit Nachfolge-Suche für das Präsidium und die Geschäftsführung beauftragt. «Der Ausschuss hat seine Tätigkeit aufgenommen und wir führen auf verschiedenen Ebenen Gespräche. Ziel ist es, dass die zwei wichtigen Vakanzen aufeinander abgestimmt besetzt werden», erklärt Ingold. Um diesbezüglich nicht unter Zeitdruck zu stehen, sei eine Interimslösung im Bereich der Geschäftsführung denkbar.

Der Verein wünscht sich «Verbündete»

Bezüglich konkreter Schwierigkeiten und der neuen Strategie hält man sich bei Zug Tourismus derzeit noch bedeckt. Die bestehende Strategie werde modifiziert, «sobald die neuen Führungspersonen an Bord sind», sagt Gabriela Ingold dazu. Hauptziel solle es bleiben, den Kanton Zug als attraktiven Wohn-, Erholungs- und Lebensraum zu vermarkten.

Vom einstigen Bestreben, Zug bis 2025 zu einer «klassischen Tourismusdestination im Voralpengebiet» zu machen, nahm Zug Tourismus bereits vor einem Jahr Abstand. Bei ihrem Amtsantritt betonte Geschäftsführerin Patrizia Hofstetter, dass man die Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern – also den Hotels und Anbietern von touristischen Aktionen – wieder intensivieren wolle. Dieser Meinung ist auch Präsident Heini Schmid: «Zug Tourismus alleine wird ein gutes koordiniertes Standortmarketing derzeit nicht meistern können. Es braucht Verbündete, wie die Hotels, den Kanton, die Gemeinden und kulturelle Anbieter, um den Markenauftritt des Kantons Zug zu verbessern.»