ZUG: Träume sind hier durchaus erlaubt

An einer Informationsveranstaltung zur geplanten Richtplananpassung werden provokative Ideen geäussert. Wichtig ist den Planern, dass letztlich möglichst viele hinter dem Generationenprojekt stehen.

Marco Morosoli
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Wie soll sich der Kanton Zug kulturell und wirtschaftlich entwickeln? Es galt bereits, die planerischen Leitplanken zu setzen. (Bild: Andreas Busslinger)

Wie soll sich der Kanton Zug kulturell und wirtschaftlich entwickeln? Es galt bereits, die planerischen Leitplanken zu setzen. (Bild: Andreas Busslinger)

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Wir wissen nicht, was der morgige Tag uns bringen wird. Noch schwieriger ist es in Zeiträumen zu denken, die zwei Dekaden umfassen. Doch genau vor dieser Herausforderung steht derzeit der Kanton Zug. Es gilt die planerischen Leitplanken zu setzen, wie sich Zug bis 2040 landschaftlich, wirtschaftlich wie auch kulturell entfalten soll. Basis für diesen Blick nach vorne bildet das Dokument «Grundzüge der räumlichen Entwicklung», das derzeit zur Mitwirkung frei ist (siehe Box).

Unsere Zeitung hat sich schon verschiedentlich mit den angedachten Richtplananpassungen beschäftigt. Am Mittwochabend hat sich nun gezeigt, dass das Thema auch die Bevölkerung durchaus interessiert. Über 100 Personen sind gekommen und haben sich in der Aula der Pädagogischen Hochschule Zug angehört, wie Experten diese umfassende Auslegeordnung der Zuger Baudirektion bewerten.

Rahel Marti, stellvertretende Chefredaktorin der Baufach­zeitschrift «Hochparterre», sagt ohne Firlefanz: «Was ich gelesen habe, überzeugt mich.» Die zuständigen Stellen seien bestrebt, die Zügel in den Händen zu halten. Sie lobt auch den «engagierten Tonfall» und die «klare Sprache». Der Verkehrsplaner Martin Buck wagt dann einen Blick auf die neue Gesamtverkehrskonzeption, die ebenfalls Bestandteil des Generationenprojektes ist, und sagt: «Wir haben die Zutaten für ein köstliches Mahl, jetzt muss dieses aber ohne Rezept gekocht werden.»

Eine der bekannten Zutaten ist dabei, dass Zug wohl weiter wachsen will, dieses Mehr an Bewohnern soll jedoch nicht durch die Ausscheidung von zusätzlichen Bauzonen erreicht werden. Vielmehr ist Verdichten angesagt. Und genau dieses Wort sei heute, so weiss die Fachjournalistin Rahel Marti aus Erfahrung, für viele ein «Schreckensgespenst». Sie empfiehlt deshalb, von einem solchen Projekt Betroffene früh ins Boot zu holen.

Die Quartierplanung als Schlüssel zum Erfolg

Diesen Ansatz verfolgt auch der Baarer Kantonsrat Heini Schmid (CVP). Er ist Präsident der Raumplanungs- und Umweltkommission des Kantonsrats und sagt in seinem Referat, es sei heute nicht mehr zeitgemäss zu glauben, dass Quartiere für ein Vorhaben zu gewinnen seien, wenn ein Architekturwettbewerb und ein paar Informationsveranstaltungen abgehalten würden. Er propagiert den umgekehrten Weg: «Es braucht eine Planung von unten nach oben und nicht umgekehrt.» Dies deshalb, weil «die Quartierbevölkerung Trägerin der Entwicklung sein müsse. Schmid will sich denn auch in der politischen Beratung der Richtplananpassung dafür stark machen, dass vor der Ausarbeitung eines Bebauungsplans ein Quartierplan erarbeitet werden müsse. Auch in Bezug auf die Mobilität äussert Schmid eine Idee, die noch für heisse Diskussionen sorgen dürfte: «Wir könnten zum Beispiel ankündigen: ‹Wer auf den Zugerberg fahren will, kann dies ab 2025 nur noch emissionsfrei tun›.» Dabei folgt er dem Leitspruch des Zuger Baudirektors Urs Hürlimann, der ja zu Beginn der Veranstaltung gesagt hat: «Träumen wir einen Abend miteinander.» Bei einem solchen Planungsinstrument soll es ja keine Denkverbote geben, weil das Papier nicht in Stein gemeisselt, sondern ein laufender Prozess ist.

In der nachfolgenden Publikumsdiskussion haben dann einige Frager ihren Fokus auf aktuelle Probleme und nicht auf den anzupassenden Richtplan gelegt. Aber es sind durchaus auch Vorschläge gekommen. So hat der Baarer Ernst Niederberger angeregt, dass die Verbindungskurve zwischen Steinhausen und Cham – die es noch bis in die 1970er-Jahre gegeben hat – wieder gebaut werden soll: «Es braucht dafür nur eine Brücke und rund 500 Meter Gleis.» Urs Hürlimann hat ihm versprochen, diesen Einwurf aufzunehmen. Er hofft auch, dass bis zum Eingabeschluss am 28. Februar noch weitere Vorschläge aus der Bevölkerung zusammenkommen. Mit dem Ergebnis des Abends ist Hürlimann zufrieden: «Nicht die Baudirektion soll etwas gestalten, sondern die Bevölkerung.»