ZUG: «Trinken wir noch eins?»

Am Samstag wurde Jérôme I. Marcolin im Kirchgemeindesaal St. Johannes in der Herti in Amt und Würden gesetzt – und von zahlreicher Prominenz auf die Schippe genommen.

Charly Keiser
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Prinz Jérôme I. heizt die Stimmung an der Letzubuzäli-Inthronisation mit einem Konfettiregen an. (Bild: Charly Keiser (Zug, 28. Januar 2017))

Prinz Jérôme I. heizt die Stimmung an der Letzubuzäli-Inthronisation mit einem Konfettiregen an. (Bild: Charly Keiser (Zug, 28. Januar 2017))

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Durch die Fasnacht gerockt, geswingt und gerollt ist die Zuger Narrenzunft der Letzibuzäli im letzten Jahr dank Prinz Rudy I. Wieser, der mit seinen Prinzessinnen Trix und Vreni am Samstag die letzten Minuten als amtierender Letzibuzäliprinz erleben durfte.

Und an der Inthronisation des diesjährigen Fasnachtsoberhaupts am Samstag im Pfarreisaal St. Johannes in der Herti, gab Rudy I. noch einmal mächtig Gas. Dies nach seiner Rede, in der er von der Fasnacht als Oberhaupt der Letzibuzäli schwärmte und versprach, auch weiterhin aktiv mit den Lebuzen die fünfte Jahreszeit zu feiern. «Es war kurz gesagt ein wunderschönes Jahr», sagte er. «Ich habe die Fasnacht singend begonnen und will sie auch singend beenden.» Er habe heute einen Song beziehungsweise einen Text geschrieben, ergänzte Rudy I. und stimmte, unterstützt von seinem Sohn Ives-Orell am Bass, sein Abschiedslied an: «Schön isch es gsi, es isch jetzt verbii. Mir mached jetzt Platz uf em Thron für de Prinz Jérôme. Es isch verbie – schön ischs gsi – mir blibed au künftig no debi, blibed au künftig no debi ...»

«Ich hatte Durst und so ist es halt passiert»

Doch dann war die Reihe an Zeremonius Jürg Messmer, der, wie er betonte, «freie Hand in der rollenden Planung» erhalten hat. Er interviewte Jérôme I. und kitzelte heraus, wie er zu seiner Frau und zur Guggemusig Figorowa gekommen ist. «Löschen bei der Swisspor statt Apéro beim Kollegen von der Gugge und ein Buebetrickli von Figorowamitglied Rainer Leemann hätten ihn zur Gugge gebracht, erzählt Jérôme. «Rainer sagte zu mir: Wenn du dieses Glas austrinkst, bist du ein Figorowa. Ich hatte Durst und so ist es halt passiert», ulkte Jérôme.

Der 1. Löschzug sei der einzige Zug der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Zug, der keine Frauen aufnehme, löcherte Messmer Jérôme I., der dem 1. Löschzug als Präsident vorsteht. Kein Problem, wie Jérôme betonte: «Es gibt Orte, wo Männer oder Frauen unter sich bleiben sollen.» Eine These, die Prinzessin Manuela kurz darauf untermauerte. Sie sei im Vollmondklub, erklärte sie dem staunenden Fasnachtsvolk. «Da treffen sich sieben Frauen jeweils bei Vollmond, und Männer sind da unerwünscht.»

«Richtige Männer trinken Bier»

«Mein Lieblingsgetränk ist Champagner.» Diese Ausage von Jérôme provozierte bei Zeremonienmeister Messmer weitere Fragen: «Richtige Männer trinken doch Bier», frotzelte er. «Adrian Gloor, Dirigent der Gugge, und ich wollten etwas mit Stil. «Darum haben wir die Zuger Champagnerfasnacht gegründet», erklärte Jérôme I. und fügte an: «Leider sind wir bislang die einzigen beiden Mitglieder.»

Wer gut zugehört habe, wisse jetzt, dass die drei würdig seien, das Amt zu übernehmen», lobte Messmer. «We make the Zuger Fasnacht great again», sei nicht nur ein ulkiges Fasnachtsmotto, betonte Jérôme I. Vielmehr gehe es darum, dass die drei Guggenmusiken der Stadt, die Chesslete und die Letzibuzäli zusammenarbeiten müssten, damit die Fasi in Zug prosperiere. «Ich wünsche allen eine gute Fasnacht und einen guten Start ins neue Jahr», sagte Jérôme I. Und damit meine er das neue chinesische Jahr, das im Zeichen des Güggels sei. Er zählte die Vorzüge der Güggel auf, bevor die Huldigungen begannen.

Der Start der Amtszeit mit der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Zug war spektakulär. Sie brachte Jérôme dazu, Konfetti regnen zu lassen und mahnte ihren Präsidenten, dass er ob der Fasnacht die Feuerwehr nicht vergessen solle. Mit Urs Raschle und André Wicki gaben sich auch zwei Stadträte die Ehre. Die Stimmung an der Inthronisation sei «100 Mal besser als zuvor beim Spiel des EVZ in der Bossard-Arena», hiess es. «Was bringt Jérôme I. aus der Ruhe?», fragte Raschle rhetorisch und gab die Antwort gleich selbst: «Nichts. Die Welt könnte untergehen. Er würde sagen: Trinken wir noch eins? Und mit mir trinkt er meistens Hopfen. Das sind keine Facts and Figures, das ist eine Drohung.»