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ZUG: Türkische Ärzte buhlen um Patienten

Dass Schweizer ins Ausland fahren, um sich ihre Zähne zu richten, ist bekannt. Nun aber kommen Mediziner aus Istanbul hierher – und werben mit neuen Angeboten.
Wolfgang Holz
Auf diesem Feld am Rand des Herrenwalds hat der Konvoi der Fahrenden aus Frankreich im vergangenen September Halt gemacht. (Bild Werner Schelbert)

Auf diesem Feld am Rand des Herrenwalds hat der Konvoi der Fahrenden aus Frankreich im vergangenen September Halt gemacht. (Bild Werner Schelbert)

Wolfgang Holz

«Die zahnärztliche Versorgung ist in der Schweiz im Vergleich zum Ausland teuer geworden. Für Patienten, die die überhöhten Preise und die üblichen langen Wartezeiten nicht mehr hinnehmen möchten, gibt es eine kluge Wahl: Einsparungen von 50 bis 70 Prozent sind bei der Zahnbehandlung in der Türkei möglich.» So verlockend wirbt die Online-Agentur Swiss Lasik im Internet für Medizinalreisen. Doch nicht nur dort – sondern direkt vor der Haustür in Zug – stellen sich neuerdings türkische Ärzte vor. Sie informieren Patienten nicht nur darüber, was sie in Zahnkliniken in Istanbul, Antalya und Izmir erwartet. Auch Schönheits- und Eigenhaarbehandlungen sowie «Augenlaser-Kurzchecks» stehen auf dem Programm der Info-Veranstaltungen, die am 30. April und 1. Mai in Zug über die Bühne gehen. Und zwar schon zum zweiten Mal. «Zuger können dabei unsere Ärzte kennen lernen, die sie auch gleichzeitig beraten, was an Behandlungen in der Türkei möglich ist», erklärt eine Dame von Medical Travel in Bern am Telefon. Das Geschäft laufe gut.

Ist das denn legal?

Die Frage ist, ob solche Werbeveranstaltungen von türkischen Ärzten in Zug überhaupt legal sind. Denn Ärzte aus dem Ausland dürfen ohne kantonale Bewilligung der Gesundheitsdirektion hier nicht praktizieren, stellt Peter Gerritsen, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zug, klar. Zwar beteuert der Veranstalter Medical Travel auf Nachfrage, dass bei solchen Anlässen «keine Untersuchungen» stattfinden. Doch Gerritsen weisst daraufhin: «Sobald Ärzte in einer Eins-zu-eins-Situation Patienten sprechstundenartig beraten, ist das nicht zulässig ohne Approbation.» Das Verteilen von Werbeprospekten an Interessierte sei dagegen legal.

«Ein Graubereich»

Ein Arzt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist überzeugt, dass es sich bei diesen Veranstaltungen türkischer Mediziner überhaupt nicht um Informationen, sondern um klare Patientendiagnosen handelt. Gerritsen: «Das ist wohl ein Graubereich, in dem sich dies abspielt.»

Wie Kantonsarzt Rudolf Hauri versichert, würden die türkischen Ärzte keine Patientenuntersuchungen bei ihren Informationsveranstaltungen vornehmen. «Das geht aus der Aktenlage hervor, das ist so gegenüber den Veranstaltern kommuniziert worden, und dies können wir auch aufgrund unserer Informationen aus anderen Kantonen so bestätigen.»

«Politisch gewollt»

Was die Werbeveranstaltungen türkischer Ärzte betrifft, sieht Hauri darin nichts Verwerfliches. «Die Globalisierung und Öffnung des Marktes auch im Gesundheitswesen ist politisch so gewollt. Als Folge davon können auch ausländische Anbieter bei uns in Erscheinung treten.» Anwerbungen unterstehen laut Hauri keiner Bewilligungspflicht. «Das machen auch Ärzte und Kliniken aus anderen Kantonen. Bewilligungspflichtig sind ärztliche Tätigkeiten wie Diagnosestellung, Behandlung und Begutachtung, sofern sie hier erbracht werden.»

Bleibt die Frage, was von solchen Behandlungen in türkischen Kliniken überhaupt zu halten ist. Peter Gerritsen räumt ein, dass es in Istanbul sicher gut ausgebildete und absolut professionelle Ärzte gibt. Gleichwohl warnt der Zuger Internist vor dem «Medizinaltourismus» Richtung Bosporus. «Der Patient geht das Risiko ein, dass die medizinische Qualität einer Behandlung wie in der Schweiz letztendlich nicht garantiert ist.»

Und Kantonsarzt Rudolf Hauri weist daraufhin, «dass wir im Kanton Zug über eine hohe Qualität der medizinischen Behandlungen verfügen. Es ist aber jeder Person freigestellt, sich im Ausland behandeln zu lassen.» Dabei gelte es allerdings unbedingt im Voraus zu klären, ob die Krankenversicherung überhaupt die Kosten übernimmt oder sich beteiligt. «Augenlaser-, Zahn- und Schönheitsbehandlungen gehören grundsätzlich nicht zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen, man muss sie also selbst bezahlen.»

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