ZUG: «Umzug bedeutet den sicheren Tod»

Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug zieht nach Rotkreuz. Dies plant zumindest die Hochschule. Ein Verein wehrt sich vehement.

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Markus Granziol will das IFZ in der Stadt behalten. (Bild Stefan Kaiser)

Markus Granziol will das IFZ in der Stadt behalten. (Bild Stefan Kaiser)

Charly Keiser

Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) soll bekanntlich nach Rotkreuz umziehen in den dortigen Campus, der für die neue Informatikabteilung der Hochschule Luzern gebaut wird. In der Stadt Zug wie auch im Institut selber hält man gar nichts von den Umzugsplänen. Auch der Verein IFZ – quasi der Geburtshelfer (siehe Box) des Instituts – steht dem neuen Standort Rotkreuz überaus kritisch gegenüber. Vereinspräsident Markus Granziol ist regelrecht empört – zumal sein Gremium bei der Standortfrage völlig übergangen wurde. Granziol fordert darum die Regierung auf, noch einmal über die Bücher zu gehen. Vom Kantonsrat verlangt Granziol zudem, die beantragte Richtplanänderung für den Hochschulstandort in Rotkreuz so lange zu sistieren, bis der Umzugsentscheid des IFZ rückgängig gemacht wird.

Markus Granziol, es macht doch absolut Sinn, dass die Hochschule Luzern die Studiengänge Informatik und Finanzen an einem Ort zusammenführt. Warum denn Ihr vehementer Widerstand gegen den Umzug nach Rotkreuz?

Markus Granziol: Ich habe zwei wichtige Grundargumente.

Und welche sind das?

Granziol: Die Hochschulpolitik für Zug sollte auf der vorhandenen Stärke aufbauen. Und der einzige Bereich der Hochschule Luzern Wirtschaft, der überregional und sogar schweizweit eine führende Bedeutung hat, ist das IFZ. Denn dieses strahlt nach Zürich aus und ist dort bestens bekannt. Das Institut ist eine grossartige Sache – vor allem beim berufsbegleitenden Angebot. So kommen jährlich rund 3000 Leute nach Zug an Tagungen, Seminare, Kurse und Konferenzen. Das IFZ ist zu einem diesbezüglichen Tagungsort und Zentrum geworden. All das wird mit einem Wegzug nach Rotkreuz gefährdet. Darum noch einmal mein Grundsatz: Ich kann nicht verstehen, warum man nicht auf der vorhandenen Stärke aufbaut. Dies im Übrigen vor allem auch aus Sicht der Kunden.

Und Ihr zweites Argument?

Granziol: Wer die Analysen und Berichte der Raumplanung studiert, sieht, dass das Siemensareal mit Abstand am besten abgeschnitten hat. Dabei geht es nicht um den Markt, sondern um die reine Raumplanung. Der zuständige Mann für die Immobilien bei Siemens ist übrigens bei uns im Vorstand. Unser Verein wurde allerdings von der Hochschule in dieser Sache nie angefragt.

Aber es gab von Siemens ja gar keine Offerte an die Adresse der Hochschule.

Granziol: Das ist nicht der Punkt. Denn wenn die Hochschule vor einem Jahr gesagt hätte, sie plane auch das IFZ an den Standort der Informatikabteilung, und damit möglicherweise nach Rotkreuz zu verlegen, dann hätten wir reagieren können.

Aber jetzt ist es doch zu spät.

Granziol: Überhaupt nicht. Denn heute gibt es ein Angebot für das IFZ auf dem Siemensareal.

Was für eines denn?

Granziol: Was immer das Institut braucht, ob 4000 oder 5000 Quadratmeter, das IFZ bekommt es im neuen Siemensgebäude, das auf dem grossen Parkplatz direkt beim Zuger Bahnhof gebaut wird. Und dies, im Vergleich zu Rotkreuz, zu konkurrenzfähigen Preisen. Damit ist das Argument, dass man mit dem Umzug nach Rotkreuz Kosten spart, vom Tisch. Man könnte, wenn man möchte, auch das IFZ und die Informatik auf dem Siemensareal ansiedeln, aber das streben wir nicht an. Vielmehr wollten und können wir nun eine Alternative für das IFZ in Zug bieten, die kostenmässig mit Rotkreuz absolut mithalten kann.

Nochmals: Was ist denn an Rotkreuz so schlecht?

Granziol: Das IFZ hat mit seinem Weiterausbildungsprogramm eine grosse Ausstrahlung und ist auf dem Finanzplatz Zürich hoch geschätzt. Das IFZ hat sich in Zug als Seminar-, Tagungs- und Konferenzzentrum einen Namen gemacht, der mit dem grossen Konkurrenzangebot in Zürich erfolgreich konkurrenzieren kann. Aber die Konkurrenz hat die letzten Jahre stark zugelegt. Die kurze ÖV-Verbindung zum Zürcher Hauptbahnhof, mit stündlich einigen Zügen, und das attraktive Zuger-Stadtumfeld spielen da eine sehr wichtige Rolle. Damit spielen wir heute in der ersten Liga. Wir haben 2300 Teilnehmer von Weiterbildungsveranstaltungen angeschrieben, und rund 40 Prozent haben gesagt, dass sie nicht an den Standort Rotkreuz gekommen wären. Auch viele externe Dozenten haben sich sehr negativ betreffend Rotkreuz geäussert. Mit viel weniger Teilnehmern aus der Finanzbranche in Zürich würde das Renommee des IFZ stark leiden. Bei den Finanzleuten löst deshalb der Entscheid, das IFZ nach Rotkreuz zu versetzen, nur Kopfschütteln aus. Externe Dozenten werden absagen, das Kursangebot wird wohl schnell aus Kostengründen reduziert werden müssen, und die Konkurrenz in Zürich wird das Geschäft gerne übernehmen. Der Kanton Zug wird das heute unter den Fachhochschulen gesamtschweizerisch führende IFZ unnötig verlieren. Ein Finanzcampus Rotkreuz kann in der Weiterbildung wohl bestenfalls in der 2. oder 3. Liga mitspielen zu viel fehlt dort.

Ihr Verein könnte ja einfach ein neues Institut auf dem Siemensareal in Zug lancieren.

Granziol: Leider ist das unrealistisch. Denn das Angebot für Aus- und Weiterbildung in der Finanzbranche ist gross, die Konkurrenz zahlreich. Ich bin mir leider sehr sicher: Unsere Schulleitung, die Dozenten und unsere guten Leute werden aus Zürich Angebote erhalten; und das IFZ in Rotkreuz wird einem langsamen und sicheren Tod entgegensteuern. Denn schon heute rechnet die Hochschule mit 20 Prozent Einbusse und begründet den Umzug mit den niedrigeren Kosten. Und genau das können wir mit unserem jetzigen Angebot entkräften.