ZUG: «Und noch ein Stück – das ist der Mood dieser Band»

Wild und cool, ganz in Weiss, ohne Blumenstrauss. Der Schweizer Balkan Brass hat ein Heimspiel – das jüngste Bandmitglied freut sich darauf.

Susanne Holz
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Seit drei Jahren Mitglied von Blehmuzik: der 26-jährige Maurus Twerenbold. (Bild Werner Schelbert)

Seit drei Jahren Mitglied von Blehmuzik: der 26-jährige Maurus Twerenbold. (Bild Werner Schelbert)

 

Drei Jahre ist es her, dass Maurus Twerenbold seine Posaune nahm, nach St. Gallen fuhr, sie dort in einem kleinen Theater wieder auspackte und spontan einsprang: bei der Blehmuzik. «Es war ein super Konzert», erinnert sich der 26-Jährige, heute das jüngste Bandmitglied bei Blehmuzik. «Die Atmosphäre im Theater war intim, und nach dem Auftritt haben wir in der Bar nebenan weitergespielt – das ist der Mood dieser Band: einfach weitermachen.»

Maurus Twerenbold war begeistert und blieb dabei: bei der Schweizer Balkan-Brass-Band, die 1997 gegründet wurde und mit ihrer speziellen Musik allein auf weiter Flur stand. Die meisten ihrer derzeit zwölf Mitglieder sind Zuger oder Ex-Zuger, so wie der junge Posaunist auch.

Durchdringende Lebensfreude

Balkan Brass – das ist der Sound der Roma. Die Blehmuzik selbst beschreibt ihn so: «Todtraurigkeit und euphorische Raserei liegen hier nur wenige Akkorde auseinander.» Oder so: «Eine durchdringende Lebensfreude-trotz-allem». Mit «Bleh Muzika» werden die Roma-Bands vom Balkan bezeichnet.

Die Blehmuzik aus der Innerschweiz hat es sich – in ihren Worten – zur Aufgabe gemacht, den Sound der Roma «auf dem Nährboden der grossen Schweizer Blasmusiktradition» gedeihen zu lassen. Und sie hat viel Erfolg damit. Vom Basler Bischof Felix Gmür bis zum Zuger Stadtpräsidenten Dolfi Müller, von Andreas Thiel bis zur gerade mal Achtjährigen hagelt es Komplimente für die wilden Töne der Blechbläser. Diese reichen von «herzergreifend» bis zu «schuderhaft schön».

Der Blehmuzik jüngster Posaunist formuliert es folgendermassen: «Die Musik hat Mood, osteuropäischen Mood – sie führt in eine andere Welt, ist völlig was anderes. Das Publikum wird von ihrer Lebensfreude mitgerissen, es bewegt sich.»

Der 26-Jährige hat an der Musikhochschule Luzern Jazzposaune und Komposition studiert. Und diesen Sommer seinen Master gemacht. Seit August ist er in der Hauptsache freischaffend, ein kleines Pensum an der Musikschule in Küssnacht verleiht eine gewisse finanzielle Sicherheit. Mit zwei anderen Musikern hat der Zuger eine Wohngemeinschaft in Luzern gegründet: «So ist die Miete nicht zu hoch, und die Kosten für den Lebensunterhalt halten sich in Grenzen.» Mit Jazz lasse sich nicht leicht Geld verdienen. Ein Jazz-Orchester zahle keinen Monatslohn für seine Mitglieder.

Auftritte mit Profi-Bigbands

Der lässige Posaunist mit der sportlichen Figur und den blauen Augen tritt regelmässig mit diversen Profi-Bigbands auf: so mit dem David Regan Orchestra, dem Zurich Jazz Orchestra, dem Lucerne Jazz Orchestra oder dem Swiss Jazz Orchestra. Zudem hat er gerade seine erste eigene Formation gegründet, für die er auch komponiert: das Maurus Twerenbold Non Harmonic Quartet, bestehend aus Posaune, Tenorsax/Bassklarinette, Kontrabass und Schlagzeug. Im Frühling gibt es eine CD und im Burgbachkeller beim Viel Jazz Festival einen Auftritt.

Für den sympathischen Zuger ist es kein Problem, stilübergreifend zu spielen. Neben Balkan Brass und Jazz stehen auch noch Funk und Pop auf der Agenda. Am Jazz gefällt Twerenbold, «nicht eingeengt zu sein». Es sei sehr schwierig, Jazz einzugrenzen: «Das ist das Interessante daran.»

Kopf und Ohr entlüften

Komponiert Maurus Twerenbold, legt er immer mal wieder eine Pause ein und geht eine Runde joggen. Hat er sich den ganzen Tag mit Jazz beschäftigt, hört er abends Rock oder Pop: «Um Kopf und Ohr zu entlüften.» Schön am Musikerdasein findet er: «Es ist kein neutraler Beruf – man ist getragen von Gefühlen, Momenten und Stimmungen. Und man leistet vollen Körpereinsatz.» Zu komponieren könne manchmal harzig sein, ein anderes Mal aber auch sehr leicht fallen.

Für das Konzert der Blehmuzik diesen Donnerstag hat Maurus Twerenbold das Stück «Dönerbox» zu Papier gebracht: «Es gibt da diesen Balkan-Groove, genannt Döner-Groove», erklärt der Posaunist fröhlich, «in etwa auf diesen habe ich die Melodie draufgesetzt.» Und die Köche des Schweizer Balkan Brass wünschen guten Appetit.

Hinweis

Die Blehmuzik spielt heute, 30. Oktober, «chez Nussbaumer», an der Pilatusstrasse 2 in Zug, ab 20 Uhr. Es gibt viele neue, eigens komponierte Stücke zu hören – von den Zuger Komponisten Sebastian Arnold, Pascal Bruggisser, Mathias Landtwing und Tobias Rütti. Morgen Freitag, 31. Oktober, gleicher Ort und ab 19 Uhr, wird gewurstet (in Tat und Wahrheit), gefeiert und getanzt. Gäste der Blehmuzik sind an diesem Abend die bulgarischen Brüder Alexander und Konstantin Wladigeroff aus Wien.