ZUG: Und schon wieder erhält der Stadtrat Prügel

Zuger Stadträte haben es derzeit schwer. Von allen Seiten geraten sie für ihr tägliches Tun unter Beschuss. Wenig erstaunlich: Die Würdenträger aus dem Stadthaus zieren auch in diesem Jahr das Titelblatt des Zuger Fasnachtsblattes «Das Feuerhorn».

Marco Morosoli
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Das Feuerhorn nimmt dieses Jahr einmal mehr die Zuger Stadträte auf die Schippe. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Das Feuerhorn nimmt dieses Jahr einmal mehr die Zuger Stadträte auf die Schippe. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Vor einem Jahr war es das Wegschauen im Fall Ivo Romer, welches den Exekutivmitgliedern den prominenten Auftritt verschaffte. Heuer ist es der noch von eben diesem Romer geförderte Kauf der L&G-Liegenschaft beim Zuger Bahnhof. Dazu ist zu lesen: «D Stadt hed gar kei Gäld im Topf und chauft gliich de alti LG-Schopf.» Das (städtische) Volk – dieses hat ja laut einer grossen Volkspartei immer Recht – hat den Kauf zwar längst abgesegnet. Der FDP-Zampano Andreas Kleeb und zahlreiche Mitstreiter wollen dieses Millionengeschäft nun wieder rückgängig machen. Ihr Mittel dazu: eine Initiative. Unterschriften dazu werden bereits gesammelt. Und das Volk ist wohl wieder die letzte Instanz.

Die Sache mit dem EVZ-Altersheim

Ein böser Schelm, der jetzt nicht denkt: Im nächsten Jahr wird dem Stadtrat vom Enthüllungsblatt «Feuerhorn» wieder die Ehre auf der Einstiegsseite zuteil werden, es sei denn, der EV Zug verabschiedet sich – weil er ständig von der nächsten Saison plaudert – noch in diesem Jahr aus der obersten Spielklasse. Auch der wichtigste Zuger Sportverein bekommt im aktuellen «Feuerhorn» das Fett weg. Vor etwas mehr als 30 Jahren, so wird berichtet, hätten findige Köpfe zwischen Zug und Baar eine spezielle Flugpiste für die Eiskünstler errichten wollen. Dies, um potenzielle Söldner schneller ein- respektive wieder ausfliegen zu können. Der Grund: Der Klub hatte zeitweise mehr Ausländer unter Vertrag als Punkte auf dem Konto – mit dramatischen Folgen. Der EVZ fand sich in der 1. Liga wieder.

«Hall of Shame»

In diesem Zusammenhang taucht jetzt eine andere Idee auf, um dem aktuellen Personal auf dem Eis auf die Kufen zu helfen: ein EVZ-Altersheim. Dies als Ergänzung zur Hockey Academy für junge Talente, die im Sommer startet. Der Vorteil eines solchen «Alterssitzes» für spielerisches Personal ab einem Alter von 34 Jahren: Ist ein Spieler verletzt, kann schnell einer nachrücken. Die Voraussetzungen für eine Aufnahme listet «Das Feuerhorn» gleich auf: Sie können physisch und tempomässig nicht mehr mithalten. Der Projektname «Hall of Shame» sagt alles (auf Deutsch: «Halle der Schande»).

Schnapsidee

Nicht gut weg kommt im Fasnachtsblatt auch Hubert Schuler. Er ist amtierender Präsident des Zuger Kantonsrats. Der «Primus inter Pares» hat es doch tatsächlich gewagt, seinen Mitparlamentariern die Null-Promille-Regel aufzudrücken. Der «Seitenwagen» zum Kaffee – natürlich Zuger Kirsch – beim gemeinsamen Mahl am Sitzungstag strich Schuler kurzerhand. «Das Feuerhorn» kommentiert trocken: «Das waren noch Zeiten, als Männer namens Etter auf der politischen Bühne standen – bis hinauf in den Bundesrat!»

Der Papst und seine Schäfchen

Breiten Raum erhält in der diesjährigen Fasnachtspost des Styger Rettungskorps auch die Reise der Zuger Regierung mitsamt einem grossen Hofstaat zum Papst. Aber auch einige Schäfchen von eben diesem Würdenträger werden gross ins Blatt gerückt. Nichts für schwache Nerven ist die Karikatur mit dem unzweifelhaften Titel «Der Inquisitor» und der Unterzeile: «Sorgt im Kirchenrat für Frühlingsputz: Der heilige Franziskus Hotz». Im Hintergrund ist der gewesene Obmann auf dem Scheiterhaufen zu sehen.

Immer wieder diese Bausünden

Obwohl nur einmal im Jahr erscheinend, ist «Das Feuerhorn» sehr aktuell. So hat auch noch der Umstand Platz gefunden, dass unsere Luftwaffe nur zu Bürozeiten die Schweizer Souveränität verteidigt. Es finden sich auch zwei Stelleninserate für einen Stadtschreiber und einen Generalsekretär für die Direktion des Innern. Es sei hier jeweils nur eine Bedingung für den Stadtschreiberposten respektive die andere freie Stelle genannt. «Sie wissen, was eine Bauordnung ist» (Stadtschreiber). Oder aber: «Sie denken politisch unabhängig – und dies alternativ gründlich» (Generalsekretär).

Den Abschluss der lesenswerten Postille bildet Zugs Baudirektor Heinz Tännler. Er wolle im Stadttunnel zusätzlich zur Busspur noch eine Lauffläche für Rollatoren freihalten. So könne der gewiefte Baumanager bei der Eröffnung im Jahre 2050 wenigstens noch live mit dabei sein.

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