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ZUG: Unter Tage im Abwasserkanal bei der Riedmatt

Eine Besichtigung des begehbaren Abwasserkanals neben dem Schulhaus verdeutlicht eine erstaunliche Weitsicht der Planer. Unappetitlich ist einzig manche Erzählung.
Raphael Biermayr
Rund 500 Meter Kanal werden derzeit saniert. (Bilder: Werner Schelbert (Zug, 13. März 2018))

Rund 500 Meter Kanal werden derzeit saniert. (Bilder: Werner Schelbert (Zug, 13. März 2018))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Ein Weggli taucht aus dem trüben Wasser auf und dreht an der Oberfläche. Wer es warum die Toilette hinuntergespült hat, wird man nie erfahren. Es hätte auch ein Bodenlumpen sein können. «Man glaubt nicht, was die Leute alles ins Abwasser geben – und vor allem fragt man sich, wie sie das schaffen», sagt Edy Zihler, der Bauführer der für den Bau verantwortlichen Surseer Firma. Bei starkem Regen kann es richtig unappetitlich werden. Dann sehe man ertrunkene Ratten an der Wasseroberfläche kreisen, «aufgebläht und gross wie Fussbälle», sagt David Wigger. Er ist ein Mann mit einem langen Berufstitel: Leiter Projekte Bau des Gewässerschutzverbands der Region Zugersee-Küssnachtersee-Ägerisee (GVRZ). Während er seine Beobachtungen schildert, blickt Wigger auf das Abwasser, der Gemeinden Zug, Baar, Menzingen sowie Unter- und Oberägeri. Dieses wird an der Stelle bei der Riedmatt Tag für Tag durchgeführt. 800 Liter in der Sekunde sind es gestern Vormittag gewesen, obwohl es nicht regnete.

Vorausschauende Planung

Das Abwasser, das in der Regel ein vor den Verursachern verborgenes Schattendasein führt, ist hier sichtbar, bevor es in die Ersatzleitung gepumpt wird. Jene ist nötig, weil bis zum Herbst für 2,2 Millionen Franken fast 500 Meter der Ringleitung saniert werden. Die Verantwortlichen haben zur Besichtigung des vorübergehend stillgelegten Kanals eingeladen. Es ist eine Chance, die sich an dieser Stelle wohl nur einmal im Leben bietet. Vor über 40 Jahren wurde dieser Kanal im erwartungsgemäss nassen Boden der Riedmatt – der Begriff Ried bezeichnet einen feuchten Untergrund – verlegt. Mit ungleich einfacheren Mitteln als heute, da sich eine Tunnelbohrmaschine durch den Stadtzuger Boden bewegt.

Es waren Visionäre am Werk, sagt der GVRZ-Geschäftsführer Bernd Kobler anerkennend. 1977 wohnten deutlich weniger Menschen in den erwähnten Gemeinden und die Zahl der Büroflächen lag tiefer. Kobler wird in seinem Urteil von Klemens Bannwarth bestärkt. Der Bauingenieur der ausführenden Winterthurer Firma ist nachgerade fasziniert von Abwasserschächten. Dieser sei von «hoher Qualität», weiss der Fachmann.

Es hat Platz für mehr Abwasser

Der Kanal ist geräumig genug, um die Erfordernisse in der Regel zu bewältigen. Kommt dazu, dass der Wasserverbrauch pro Kopf gemäss Kobler rückläufig ist und heute vermehrt Regen- und Abwasser getrennt abgeführt werden: Erstgenanntes in die Gewässer, Letztgenanntes in die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Friesencham. Die ARA sei gegenwärtig auf 200 000 Personen ausgelegt, sagt Bernd Kobler. Etwas mehr als 12 Kilometer der fast 80 Kilometer langen Ringleitung um den Zugersee sind begehbar. Der Abschnitt in der Riedmatt ist erstaunlich gross: Ein durchschnittlich langer Mensch kann sich problemlos aufrecht bewegen – mitsamt Helm auf dem Kopf. Per Hochdruck wird die angefressene Schicht an den Kanalrändern entfernt, zusätzliche Armierungseisen zur Stabilisation eingesetzt und nach der Reinigung eine neue Schicht Spezialmörtel aufgespritzt.

Tunnelbauer sind für diese Arbeit verantwortlich. Düsterkeit, Stickigkeit und die eintönige Umgebung unter Tage sind für sie keine Herausforderung. Der Gestank bewegt sich in einem erträglichen Mass. «Hier könnte man sogar essen, so sauber ist es», sagt David Wigger in einem sanierten Abschnitt. Wem’s gefällt...

Bernd Kobler vom Gewässerschutzverband überprüft die Arbeiten am vorübergehend stillgelegten Abwasserkanal. (Bild: Werner Schelbert)

Bernd Kobler vom Gewässerschutzverband überprüft die Arbeiten am vorübergehend stillgelegten Abwasserkanal. (Bild: Werner Schelbert)

Edy Zihler führt in das Pumpwerk für die Ersatzleitungen. (Bild: Werner Schelbert)

Edy Zihler führt in das Pumpwerk für die Ersatzleitungen. (Bild: Werner Schelbert)

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