ZUG: Urs Bertschi: «Die Stadt Zug soll qualitativ wachsen»

Urs Bertschi (59) sitzt seit 2001 im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug. Er präsidiert die Bau- und Planungskommission und kandidiert für den Zuger Stadtrat.

Interview Freddy Trütsch
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Urs Bertschi (SP, Zug) kandidiert als Stadtrat. (Bild: PD)

Urs Bertschi (SP, Zug) kandidiert als Stadtrat. (Bild: PD)

Urs Bertschi, vorausgesetzt, Sie werden gewählt: Welche drei Ziele haben Sie sich für die neue Legislatur gesetzt?

Urs Bertschi: Erstens: Zahlbarer Wohnraum ist der Schlüssel zu einer durchmischten Gesellschaft und zu einer vielfältigen und lebendigen Stadt. Ich will die Anliegen der Volksinitiative «Wohnen in Zug für alle», die Förderung und Schaffung von zahlbarem Wohnraum, gezielt angehen. Zweitens: Unsere Stadt wächst. Die hohe Bautätigkeit in einzelnen Quartieren lässt die Schulhäuser aus den Nähten platzen. Vorab in Zug West verlangen die aktuellen und prognostizierten Schülerzahlen zusätzlichen Schulraum. Günstige Schulprovisorien dürfen nicht zur Dauerlösung werden. Ich setze mich ein für modernen Schulraum, der den neuen Unterrichtsformen entspricht und den Bedürfnissen unserer Kinder gerecht wird. Drittens: Die geplante Zentralisierung der Stadtverwaltung im L & G-Gebäude ist samt adäquaten baulichen Anpassungen umzusetzen und finanziell abzusichern.

Ein bürgerliches Komitee setzt sich für einen bürgerlich dominierten Stadtrat ein. Braucht es aus Ihrer Sicht diesen Wechsel?

Bertschi: Mit einem rein bürgerlich angedachten Stadtrat schlägt BS14 für unsere Stadt den falschen Weg ein. Gemessen an den politischen Verhältnissen und den in unserer Stadt zu lösenden Problemen zeugt diese Strategie von einem sonderbaren Demokratieverständnis und auch von einer gewissen Arroganz. Die Wählenden werden die Weichen richtig stellen. Dank dem Majorz werden sie die fähigsten Köpfe wählen, unabhängig vom Parteibuch und zum Wohle unserer Stadt. BS14 braucht es dazu nicht!

Die Stadt Zug steckt finanziell in einem strukturellen Defizit. Sind Sie dafür, dass aus diesem Grund die Steuern erhöht werden?

Bertschi: Ich gehe davon aus, dass das kantonale ZFA-Paket der Stadt eine jährliche Entlastung von 8 bis 9 Millionen Franken bringen wird. Zudem greifen die eingeleiteten Sparmassnahmen. Damit wird die Stadt zumindest eine schwarze Null schreiben können. Zusätzliche Sparrunden gingen zu Lasten der Qualität von Dienstleistungen, Bildung, Kultur und Sozialem, was ich nicht gutheisse. Zudem lehne ich den Verkauf von städtischen Liegenschaften zur kurzfristigen und einmaligen Mittelbeschaffung ab. Dies ist nicht nachhaltig. Daher sind dringende Investitionen notfalls über massvolle Steuerkorrekturen zu finanzieren.

Im Frühling 2015 stimmen die Zuger über den Bau des Stadttunnels ab. Sind Sie für oder gegen dieses Projekt?

Bertschi: Der Stadttunnel ist eine Investition in die Zukunft unserer Stadt. Der städtischen Kostenbeteiligung sind jedoch klare Grenzen zu setzen: Sie darf nicht zum Abbau im Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich führen. Dieses Mehrgenerationenprojekt wird uns aber durch die Verkehrsberuhigung und die flankierenden Massnahmen im sogenannten Zentrumplus neues Potenzial zur Gestaltung des städtischen Lebensraums und der Aufenthaltsqualität eröffnen. Zug wird, wie die übrigen Zentren auch, weiter wachsen. Wenn schon, dann soll unsere Stadt vor allem qualitativ und im Zentrum wachsen. Der Stadttunnel wird dazu beitragen. Und dass dieser auch noch den Verkehr flüssiger macht, ist ein schöner Nebeneffekt.

Persönlich

Urs Bertschi (59) ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Er ist Rechtsanwalt. Seit 2001 sitzt er im Grossen Gemeinderat, ist Präsident der Bau- und Planungskommission und ist Co-Präsident des Mieterinnen- und Mieterverbands Kanton Zug. Urs Bertschi hat bereits vor vier Jahren für den Stadtrat kandidiert.