ZUG: Uta Schabbel: «Ich brenne für diese Sache»

Uta Schabbel arbeitet als Architektin in Zug. Ein bedeutendes Projekt konnte sie im vergangenen Jahr abschliessen. Doch auch die fertigen Gebäude lassen sie nicht los.

Andrea Muff
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Uta Schabbel vor dem Werkstattgebäude auf dem Papieri-Areal in Cham. (Bild: Stefan Kaiser (19. Dezember 2016))

Uta Schabbel vor dem Werkstattgebäude auf dem Papieri-Areal in Cham. (Bild: Stefan Kaiser (19. Dezember 2016))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Weisse Kartonmodelle von Überbau­ungen und Häusern stehen im Sitzungszimmer des Architekturbüros von Albi Nussbaumer in Zug. Zum Team der Architekten, Innenarchitekten und Hochbauzeichner gehört auch Uta Schabbel (41), die im besagten Zimmer Platz nimmt. Sie ist Architektin und hat in Erfurt, Deutschland, studiert. «Ich wurde bereits durch mein Elternhaus geprägt, das heisst, mein Vater hatte ein eigenes Architekturbüro», erzählt Uta Schabbel freimütig. «Ich war als Kind oft in seinem Büro und zeichnete gerne.» Das Interesse an der Architektur sei also immer da gewesen. «Doch eigentlich wollte ich Fotografin werden, entschied mich dann eher auf Umwegen für ein Studium der Architektur.»

Unmittelbar nach dem Studium habe es sie in die Schweiz gezogen, erzählt die 41-Jährige. «Die Architektur der Schweiz, vor allem die Präzision, der Umgang mit Holz und Beton haben mich sehr fasziniert.» Zuerst verdiente sie ihre Sporen in Anstellungen in Zug und Zürich. Inzwischen hat die Architektin eine Familie gegründet, ist Mutter eines fünfjährigen Mädchens, verheiratet und wohnt seit bald drei Jahren in Oberwil. Uta Schabbel ist inzwischen angekommen, denn vor 16 Jahren schlug sie zum ersten Mal die Zelte in der Schweiz auf. «Und seit fünf Jahren arbeite ich im Team von Albi Nussbaumer», rechnet sie nach und ist erstaunt, wie schnell die Zeit vergeht.

Papieri-Abstimmung mit Spannung verfolgt

Ihre Interessen stecken vor allem in städtebaulichen Konzepten: «Ich mag grosse Projekte.» Zusammen mit dem Zürcher Büro Boltshauser Architekten entwickelte unter anderen Uta Schabbel 2014 die Testplanung und damit das städtebauliche Konzept des Papieri-Areals in Cham. Dieses bildete die Basis für den Bebauungsplan, der von der Firma Ernst Basler + Partner in Zürich erstellt worden ist. Der Bebauungsplan Papieri kam dieses Jahr an die Urne (siehe Box). «Ich habe die Abstimmung natürlich mit Spannung verfolgt», sagt Schabbel. Stets ist sie mit Enthusiasmus bei der Sache. Auch privat sei der Urnengang ein Thema gewesen: «Ich stecke viel Zeit und Herz in meine Projekte – da mache ich schon ein bisschen Werbung dafür.»

So bleiben die Gebäude und Konzepte, die Uta Schabbel selbst erstellt oder bei denen sie mitgeholfen hat, in ihrem Gedächtnis verankert. «Es ist spannend, zu sehen, wie die Gebäude nach der Fertigstellung genutzt werden», erklärt die Architektin. Ihr Beruf sei kein gewöhnlicher: 8-Stunden-Tage und eine sich wiederholende Alltäglichkeit gebe es eigentlich nie. «Jeder Tag ist anders.» Für die Entwicklung und den Entwurf sei sie meist im Büro. «Man baut viele Modelle und zeichnet oft», übrigens heute am Computer, wie Schabbel erklärt. Das sei natürlich praktisch. «Ich habe noch gelernt, von Hand zu zeichnen, der Stil ist dann individueller als am Computer.»

Bei der Gestaltung und der Ausführung ist die Architektin viel draussen und schaut sich die Fortschritte vor Ort an. Die Konzepte, die sie entwickelt, sind oft langfristig angelegt. «Das ist eine sehr intensive Zeit, in meinem Kopf arbeitet es dann ständig – unterwegs im Bus oder zu Hause.» Denn: «Ich stecke da mittendrin.» Und dann am Tag X wird das fertige Gebäude an den künftigen Nutzer übergeben. «Einerseits ist das ein gutes Gefühl, aber andererseits ist immer ein bisschen Wehmut dabei», gibt Uta Schabbel zu. Danach folge meist ein längeres Wochenende, wenn es in den Terminkalender passe. «Damit ich auch abschliessen kann, um zu sagen: ‹Gut, es ist vollbracht.›»

Im September war es etwa so weit, und die 41-Jährige schloss ein Projekt ab: den Umbau des Werkstattgebäudes auf dem Papieri-Areal. Das Fabrikgebäude soll unter Schutz gestellt werden. «Die Herausforderung haben wir gemeistert», sagt Schabbel stolz. Wieder arbeitete das Zuger Architekturbüro mit dem Zürcher Büro Boltshauser Architekten zusammen. Für den Auftrag hätten sie rund ein Jahr Zeit gehabt: «Das ist in unserer Branche eher sportlich.» Doch alles habe mehr oder weniger rechtzeitig geklappt. «Bereits bei der Testplanung war es uns wichtig, die Substanz und den Charakter der bestehenden Fabrikgebäude zu schützen und durch Neu- und Anbauten zu stärken», erzählt die Architektin. «Das Schöne ist, dass der neue Mieter das Gebäude als Werkstatt nutzt.» Denn seit Ende September ist der amerikanische Fahrradhersteller Specialized als erster Dauermieter auf das Papieri-Areal gezogen.

An der Architektur schätzt Uta Schabbel besonders: «Wir können die Geschichten von Gebäuden weitererzählen, sodass auch nach einem Umbau immer noch spürbar ist, was einmal an diesem Ort war.» Trotzdem werde das besagte Gebäude für eine neue Nutzung geöffnet. «Es ist wahnsinnig reizvoll, ein Teil davon zu sein – und das vor allem beim Projekt Papieri, das all diese Punkte vereint.»

Die Projekte lassen sie nicht los

Bereits zu Beginn unseres Gesprächs gesteht die Architektin: «Es ist mein Traumberuf.» Auch nach dem Abschluss lassen sie die Bauten oder Umbauten oft nicht los. «Ich suche sie auf und will sehen, wie die Personen, die Stadt, die Gemeinde oder die Institution die Häuser tatsächlich nutzt.» Denn die Architekten würden etwas erschaffen, das andere glücklich macht und wovon sie profitieren können. Schabbel gibt aber zu: «Der harte Arbeitsalltag ist meiner Meinung nach nur mit einer gehörigen Portion Leidenschaft zu bewältigen. Ich brenne für diese Sache.»

Hinweis

In unserer Serie «Menschen hinter den Geschichten» zum Jahreswechsel liessen wir Menschen zu Wort kommen, die Teil eines schlagzeilenträchtigen Ereignisses im Jahr 2106 waren, dabei jedoch eher im Hintergrund blieben. Mit diesem Beitrag endet die Serie.

Auf dem Papieri-Areal entwickelt sich ein neues Quartier

Mit 56,8 Prozent sagte die Chamer Stimmbevölkerung am 25. September Ja zum Bebauungsplan Papieri – 63,4 Prozent legten ein Ja für die Teiländerung der Bauordnung des Zonenplans in die Urne. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, dass auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik ein neues Quartier entsteht. Das heisst: Innerhalb von 15 bis 20 Jahren werden auf dem 12 Hektaren grossen Areal Wohnungen für ungefähr 2000 Personen und 1250 Arbeitsplätze geschaffen. Das Gegnerkomitee formierte sich aus der SP Cham, dem Kritischen Forum (Krifo) und dem Verein Mehr Wert Cham. Diese befürchteten etwa, dass auf dem Areal ein Quartier mit zu wenig Leben entstehen könnte. Gemeindepräsident Georges Helfenstein sagte nach der Abstimmung gegenüber unserer Zeitung: «Durch die zusätzlichen Einwohner und Arbeitsplätze erhoffen wir uns einen starken Effekt. Damit bietet sich für Cham eine neue Chance.» Der zur Abstimmung vorgelegte Bebauungsplan hat einen langen Weg genommen: Im Dezember 2012 hat die Gemeindeversammlung den Kreditantrag für den kooperativen Planungsprozess gutgeheissen. Zusammen mit der Eigentümerin, der Cham Paper Group, hat der Gemeinderat den Bebauungsplan erarbeitet. Die Planungsschritte wurden in vier öffentlichen Mitwirkungen von der Bevölkerung kommentiert. Vom 24. März bis 24. April 2016 lag der Bebauungsplan auf.

Das Projekt sieht zudem vor, dass acht historische Bauten unter Schutz gestellt werden und erhalten bleiben. Darunter fällt auch das Werkstattgebäude, das knapp 2500 Quadratmeter Geschossfläche aufweist. Dieses wurde innert neun Monaten für die Bedürfnisse des amerikanischen Fahrrad-Herstellers Specialized umgebaut. Das Bauprojekt kostete rund 7,5 Millionen Franken. Dies teilte die Cham Paper Group Mitte September mit. Specialized ist somit als erster Dauermieter am 19. September mit einer Forschungs- und Entwicklungsabteilung auf das Areal gezogen. (mua)