Zugs Regierungsrat sieht keine Hürden bei der Schaffung von Kleinklassen

Der Bericht zu einem von mehreren Kantonsräten von links bis rechts eingereichten Postulat liegt vor. Die Verantwortung soll bei den Gemeinden bleiben.

Raphael Biermayr
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Ein im Kantonsrat hängiges Postulat verlangt: Die angeblich hohen finanziellen Hürden für die Abklärungen von lernbehinderten und verhaltensauffälligen Schülern sollen tiefer werden. Dies, um Kleinklassen als echte Alternative zum integrativen Unterricht zu ermöglichen. Das solle im Schulgesetz verankert werden und damit für alle Gemeinden gelten. «Erfahrungen aus dem Schulalltag zeigen, dass vor allem die Integration von verhaltensauffälligen Kindern die Lehrpersonen und den Klassenverband belasten können.» Mittels Kleinklassen würde hier «Abhilfe» geschaffen, heisst es im Postulat, das vor rund einem Jahr von sechs Kantonsräten von links bis rechts eingereicht respektive von elf weiteren mitunterzeichnet wurde.

Aus dem mittlerweile vorliegenden Bericht des Regierungsrats geht hervor, dass auf kantonaler Ebene kein Handlungsbedarf bestehen würde. Denn es gäbe keine Hürden, die abgebaut werden müssten, zumal es keine kantonalen Vorgaben für die Abklärungen gibt, nach denen die Gemeinden die Kinder gegebenenfalls in Kleinklassen einteilen. Ausserdem beständen «bessere Angebote und Strukturen» für die Förderung von verhaltensauffälligen Schülern.

Positive Erfahrungen in Unterägeri

Mittlerweile kennen tatsächlich fast alle Zuger Gemeinden solche Unterstützungsmodelle, manche arbeiten dabei zusammen. Sie heissen beispielsweise «Schulinsel», «Time-in» oder «Time-out». In Unterägeri wurden die Kleinklassen auf das laufende Schuljahr hin abgeschafft. Nach Auskunft von Rektor Erich Schönbächler befanden sich noch drei Schüler mit Lernschwierigkeiten in einer Kleinklasse. Sie werden nun im Rahmen der ausgebauten Schulinsel betreut und, unter Begleitung des Heilpädagogen, in Regelklassen unterrichtet. Schönbächler sagt:

«Wir sammeln rund drei Monate nach der Einführung dieses Systems noch Erfahrungen, bislang hat das aber hervorragend geklappt. Wir sind froh über diese Umstellung.»

Der einst im Kanton Schwyz tätige Rektor zeigt vor dem Hintergrund der politischen Auseinandersetzungen Verständnis, dass «die Behörden auch die finanzielle Seite betrachten müssen.» Er empfindet den Kanton Zug aber im Allgemeinen als «sehr bildungsnah und qualitativ hochstehend».

Den Anfang machte Menzingen

Die Einführung der Schulinsel erfolgte in Unterägeri im Jahr 2015. Als Beispiel diente das Modell der Nachbargemeinde Menzingen. Diese reklamiert eine Pionierrolle im Kanton Zug in Sachen Förderung verhaltensauffälliger Schüler für sich. Menzingen führte die Schulinsel bereits vor zehn Jahren ein. Sie steht allen Schülern vom Kindergarten bis zur Oberstufe offen. In einer Medienmitteilung beschreibt sie das Modell als «grossartige Erfolgsgeschichte.» Bei der Einführung sei man noch dafür belächelt worden.

Der Kantonsrat wird sich des eingangs erwähnten Postulats an der Sitzung vom 28. November annehmen. Der Regierungsrat empfiehlt, es für nicht erheblich zu erklären.

Neue Ideen zur besonderen Förderung

Werk- und Kleinklassen verschwinden zusehends von der Bildfläche, während neue Angebote zur Unterstützung von Schülern und Lehrpersonen entstehen. Beispielhaft im Kanton Zug sind die Gemeinden Menzingen und Unterägeri mit ihrer Schulinsel.
Cornelia Bisch