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ZUG: «Verkaufen Sie die Post den Russen?»

Die Emotionen gingen hoch. Zwei Postmanager stellten sich gestern der Zuger Bevölkerung. Und diese ist ziemlich wütend.
Hört den Ausführungen der Postmanager interessiert zu: der Zuger Stadtrat. (Bild Maria Schmid)

Hört den Ausführungen der Postmanager interessiert zu: der Zuger Stadtrat. (Bild Maria Schmid)

Harry Ziegler

Was sind die Absichten der Post Schweiz AG bezüglich der Poststelle in Oberwil und der Hauptpost in Zug? Gestern Abend orientierten im Casino Zug zwei Vertreter der Post – Franz Huber, Leiter Poststellen und Verkauf und Mitglied der Post-Konzernleitung, sowie Rudy Lauener, Leiter Verkaufsgebiet Zugersee. Die etwas über 120 Interessierten liessen sich von den beiden Postvertretern, die Hintergründe der bevorstehenden Postschliessungen in Zug und Oberwil erklären. «Ich hoffe, Ihnen die Beweggründe für unsere Entscheide näherbringen zu können», sagte Huber einleitend. Er sei, sagte er, während er sich vorstellte, der Mann, der für diese Entscheide verantwortlich sei.

Was ist die Strategie?

«Die Digitalisierung ist eine immense Herausforderung für die Post», so Huber. Früher habe die Post ein übersichtliches, relativ einfaches Geschäftsfeld gehabt. «Heute müssen wir uns Gedanken machen, wie wir mit dieser Herausforderung umgehen.» Auch vor dem Hintergrund sinkender Zahlen. So sanken die Brief- oder Paketsendungen zwischen 2000 und 2014 um 67 Prozent. Und das einstige Paradepferd der Post – der Zahlungsverkehr – musste im selben Zeitraum Einbussen von rund 35 Prozent verzeichnen. Die Strategie der Post ziele darauf ab, sich vollumfänglich selbst zu finanzieren, den öffentlichen Auftrag wahrzunehmen und die Kunden zuverlässig über die verschiedenen Zugangspunkte zu bedienen. «Zusammengefasst, wir wollen auch weiterhin nahe bei den Kunden sein», so Huber.

Die verschiedenen Arten der Zugangspunkte wurden von Rudy Lauener erklärt. Seine Ausführungen allerdings vermochten die Skepsis der anwesenden Zugerinnen und Zuger nicht zu zerstreuen. «Die Kerndienstleistungen der Post wie Briefe und Pakete versenden oder Einzahlungen machen, sind auch in einer Agentur möglich.» Allerdings sind Einzahlungen in Agenturen nur bargeldlos möglich. Ausserdem können Spezialsendungen wie Betreibungs- oder Gerichtsurkunden nicht in einer Agentur, sondern nur auf einer Poststelle abgeholt werden.

Trotz Gewinn eine Umwandlung

In Oberwil beispielsweise sagte Rudolf Balsiger, sei eine steigende Nachfrage bei Brief- und Paketsendungen zu verzeichnen. Lediglich bei den Einzahlungen sei ein Rückgang zu verzeichnen. Und bei den Milliardengewinnen, die die Post ausweist, können wirtschaftliche Gründe für die Umwandlung der Poststelle in eine Agentur nicht ernst gemeint sein. «Wir können anhand unserer elektronischen Erfassung die Kundenströme auswerten», sagte Rudy Lauener. Die Post sei ein Unternehmen und handle entsprechend. Aufgrund der elektronischen Auswertung sei klar, die Post in Oberwil decke ihre Kosten nicht.

Heftiger Widerstand regte sich gegen den Standort Laubenhof. Es sei verkehrstechnischer Unsinn, die Poststelle vom Postplatz an den Laubenhof zu verlegen. Hier gebe es noch weniger Parkplätze als bei der Hauptpost.

Während der Fragerunde wurden den beiden Postvertretern über 2000 Unterschriften von Kundinnen und Kunden der Altstadtgeschäfte, die gegen eine Schliessung der Hauptpost sind, übergeben.

Kritik an fehlender Lösung

Stark vermisst wurde seitens der Anwesenden ein Vorschlag der Post zur Lösung. «Sie stehen hier in einer Ohrfeigenrunde, die nichts bringt», sagte ein Zuhörer. «Machen Sie Nägel mit Köpfen und sagen sie, wo eine Agentur in der Zuger Altstadt stehen wird.» Eine Aussage dazu sei nicht möglich, so Rudy Lauener. Man sei aber in Gesprächen mit möglichen Betreibern.

Ein sichtlich aufgebrachter Kantonsrat Philip C. Brunner rechnete den Postmanagern vor, was Stadt und Kanton Zug der Schweiz und somit auch der Post finanziell bringe. «Was ist die Post bereit, für die Stadt zu machen?», fragte Brunner. «Was Sie hier abliefern ist nur peinlich.» Eine Antwort gaben weder Franz Huber noch Rudy Lauener.

Der Post wurde weiter vorgeworfen, in verschiedenen Briefen dem Stadtrat falsche Versprechungen gemacht zu haben – beispielsweise, dass die Hauptpost neben dem Laubenhof bestehen bleibe. Stadtpräsident Dolfi Müller erklärte, dass 2010 die Post dem Stadtrat entsprechende Zusicherungen gemacht habe. Die Situation habe sich seit der damaligen Kommunikation aber sehr stark verändert, erklärte Franz Huber. Das Gebäude der Hauptpost wäre nur extrem aufwendig zu sanieren gewesen. «Ich bin schlicht nicht bereit, in diese alten Gemäuer zu investieren», sagte Huber. Die Post brauche moderne, flexible Räume. Diese Anforderungen könnte die alte Hauptpost auch mit massivsten Investitionen nicht erfüllen. «Was wollen Sie mit der alten Post denn machen?», fragte eine aufgebrachte Dame. «Den Russen verkaufen?»

Man müsse nun versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden, beschwichtigte Dolfi Müller. «Ich kenne die Lösung nicht, Sie aber offensichtlich auch nicht.» Es müsse nun eine Lösung her, und wenn man den Aussagen der Leute glaubt, dann muss diese Lösung am Standort der Hauptpost sein, so Müller. Zu Gesprächen sagte die Post grundsätzlich ja.

Nur Herti bleibt

Und wie wird die Situation in der Stadt Zug künftig aussehen? Die Poststellen Zug Bahnhof und Zug Baarerstrasse werden im Neubau Laubenhof zusammengefasst. Die Poststelle in der Herti bleibt bestehen, die Hauptpost am Postplatz wird durch eine Agentur ersetzt. In Oberwil wird im Volg eine Postagentur geführt. «Was wir hier in Zug vorhaben, ist nicht in Stein gemeisselt. Wir sind die ersten, die über die Bücher gehen, wenn wir einen Anstieg der Frequenzen feststellen», sagte Rudy Lauener.

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