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Die Zugerland Verkehrsbetriebe nehmen nun elektrisch Fahrt auf

Das Zuger Transportunternehmen schwenkt auf den Pfad der Elektrobusse ein und ist hierbei ein Pionier.
Marco Morosoli

Revolutionen und Getöse sind geistige Brüder. Bei den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB) laufen derzeit auch fundamentale Umwälzungen ab. Mit einem gewichtigen Unterschied: Es ist und bleibt still. Ein wenig Lärm hat es gestern Mittag aber doch noch gegeben, als Cyrill Weber, er ist Unternehmensleiter der ZVB, den neuen Elektrobus aus dem Hause Mercedes-Benz interessierten Kreisen im Hauptstützpunkt vorgestellt hat. Es ist der erste eCitaro, welcher in der Schweiz im Verkehr und ab Oktober im Linienbetrieb einsetzbar ist.

Den zweiten Bus mit der gleichen Konfiguration hat sich die Bus Ostschweiz (BOS) beschafft. Das im St. Galler-Rheintal tätige Unternehmen ist seit längerem ein Partner der ZVB. Bei einer solchen Neuanschaffung ist es von Vorteil, mit einem Partner die Erfahrungen auszutauschen. «Elektromobilität ist eine Technologie mit Zukunft», sagt Weber.

Der neue eCitaro (Bild: PD)

Der neue eCitaro (Bild: PD)

Gangschalten gehört der Vergangenheit an

Wie sich bei der Probefahrt mit dem rund 14 Tonnen schweren Fahrzeug gestern gezeigt hat, zeichnet sich der Bus durch seine Laufruhe aus. Das Gangschalten ist bei diesem Gefährt Vergangenheit. Daran dürften auch Anwohner von Buslinien ihre Freude haben. Kurt Studerus, er ist Leiter Bildung bei der ZVB, sagt zum Fahrgefühl am Steuerrad: «Er läuft ruhig und ist edel zu führen.» Es versteht sich von selbst, dass der eCitaro derzeit noch rund doppelt so teuer ist, wie ein baugleiches Modell mit einem Dieselmotor. Der ZVB-Unternehmensleiter Cyrill Weber offenbart:

«Ein Elektrobus, wie er hier steht, kostet rund 700000 Franken.»

Hergestellt werden die Busse in Mannheim (Baden-Württemberg). Dem offiziellen Daimler-Blog ist zu entnehmen, dass ein eCitaro aus bis zu 30000 Teilen besteht. Bis ein solcher Bus vom Band läuft, dauert es rund fünf Wochen. Die Lieferfristen sind noch länger. «Den Bus, den sie hier sehen, haben wir vor einem Jahr bestellt», lässt sich Weber in die Karten blicken. Der Anschaffungspreis mag weit über demjenigen für einen mit Diesel betriebenen Bus von der Stange liegen, im Unterhalt ist das umweltschonende Gefährt jedoch wesentlich billiger. Die notwendige Stromtankstelle steht bereits auf dem ZVB-Gelände. Die neuartige Technologie mit elektrischem Strom als Antreiber erfordert auch einen anderen Ablauf bei der Bewirtschaftung, wie Weber bemerkt:

«Einfach mal zur Tankstelle fahren und den notwendigen fossilen Treibstoff zu ergänzen, ist beim eCitaro nicht mehr praktikabel.»

Der Bus braucht einen Anschluss ans Stromnetz. Die Aufladedauer der Batterie beträgt rund zwei Stunden. Im Gegensatz zum Dieselfahrzeug kommt es allerdings beim elektrischen Bus auf den Zeitpunkt an. In der Nacht ist eine volle Ladung viel billiger zu haben als beispielsweise zu Zeiten der Pendlerspitzen. Wie Weber erklärt, soll eine Ladung für eine Strecke von rund 150 Kilometer reichen. Die Wetterverhältnisse spielen laut Cyrill Weber auch eine Rolle. Bei der Probefahrt sagt André Roth, Leiter Technik der ZVB, dass «20 Grad Celsius» der Idealwert darstellt. Der Betrieb der Klimaanlage reduziert aber die Reichweite.

Kurt Studerus (links, Leiter Bildung ZVB) und der ZVB-Unternehmensleiter Cyrill Weber steigen aus dem Elektrobus. (Bild: Maria Schmid, Zug, 16. September 2019)

Kurt Studerus (links, Leiter Bildung ZVB) und der ZVB-Unternehmensleiter Cyrill Weber steigen aus dem Elektrobus. (Bild: Maria Schmid, Zug, 16. September 2019)

Eine Liste von Teststrecken gibt es schon

Die ZVB-Verantwortlichen wollen den eCitaro zum Beispiel auf der Linie 13 (Zug-Obersack), der Linie 36 (Baar-Sennweid) und abends auf der Linie 11 (Zug-Schönegg) oder als Verstärker auf diese Strecken schicken. Wie Cyrill Weber betont, soll der Zuger Pilotbus unter realen Bedingungen im Einsatz stehen. Dabei sammeln die ZVB so viele Daten wie nur möglich. Die ZVB ist dabei eine Roadmap (dt. Strategie) zu skizzieren und die nächsten Schritte zu definieren.

(Bild: Maria Schmid, Zug, 16. September 2019 )

(Bild: Maria Schmid, Zug, 16. September 2019 )

Vorderhand müssen die ZVB aber noch zweigleisig fahren, ist doch erst ein Bus mit Strom unterwegs. 130 Busse betreibt das Transportunternehmen mit herkömmlichem Treibstoff.

In einem lässt sich der ZVB-CEO nicht beirren: «Die Elektromobilität ist eine Technologie mit Zukunft. Wir wollen sie schrittweise weiter ausbauen, sobald das betrieblich machbar und finanziell tragbar ist.» Um etwas für die Umwelt zu tun, so Weber, «ist Geduld nötig, braucht es Zeit und die finanziellen Mittel.»

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