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ZUG: Versteuerung Kryptowährungen: Regeln können nicht alle Eventualitäten abdecken

Kürzlich schaltete die Zuger Steuerverwaltung ein Merkblatt auf, welches regelt, wie Kryptowährungen wie Bitcoin besteuert werden sollen. Finanzdirektor Heinz Tännler nimmt Kritik gelassen und plädiert für Pragmatismus.
Livio Brandenberg
Auf der Stadtverwaltung in Zug wird die Kryptowährung Bitcoin akzeptiert. (Bild: Stefan Kaiser)

Auf der Stadtverwaltung in Zug wird die Kryptowährung Bitcoin akzeptiert. (Bild: Stefan Kaiser)

Die Bitcoin-Euphorie beherrscht in diesen Tagen und Wochen die Schlagzeilen. Vergangene Woche erst erlebte die bekannteste Kryptowährung einen erneuten Höhenflug: Am Donnerstag war ein Bitcoin erstmals über 16 000 US-Dollar wert. Die Hausse fand dann am Freitag zunächst ein Ende. Die Kryptowährung verbilligte sich um 12 Prozent auf rund 14 500 Dollar. Mittlerweile dürften neben den Anhängern der ersten Stunde auch viele Privatanleger in Kryptowährungen eingestiegen sein. Für sie wie auch für Firmen stellt sich Ende Jahr die Frage, wie ein Vermögen in Bit­coin, Ether, Iota, Litecoin oder Dash versteuert werden muss.

Um Unsicherheiten zuvorzukommen, hat die Steuerverwaltung des Kantons Zug auf ihrer Website kürzlich ein Merkblatt mit Erläuterungen und Anleitungen aufgeschaltet (Ausgabe vom 6. Dezember). Mitte November hatte bereits die Dienststelle Steuern des Kantons Luzern ­einen Newsletter zur gleichen Thematik publiziert.

In Expertenkreisen wird das aktive Handeln der Steuerbehörden begrüsst – auch wenn die Schreiben in einigen Punkten auslegebedürftig seien, wie Frank Lampert, Leiter Blockchain- und Kryptogeschäft bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG Schweiz, sagt. So etwa in folgenden Punkten: Im Zuger Merkblatt heisst es, dass der Bestand an Kryptowährungen «in der Regel mit einem Ausdruck der Jahresendbestände im Wallet belegt» werden könne. Weiter, so Lampert, gebe es Klärungsbedarf, was das Schürfen, also das Erschaffen, von Kryptowährungen betrifft. Und ebenso, was die – teils fehlende – Liquidität einzelner Währungen angeht.

Der Handel läuft 24 Stunden

Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler nimmt die Kritik gelassen: «Das ist ein Prozess. Wir sind uns bewusst, dass ein solches Merkblatt nicht alles abdeckt, sondern einen roten Faden darstellt. Und klar: Es wird Erfahrung brauchen, man wird mit anderen zusammensitzen müssen.» Bei der Steuerverwaltung schliesse man nicht aus, das Merkblatt mit Steuerexperten oder Banken weiterzuentwickeln. «Es liegt im Wesen eines Merkblatts, dass man es veränderten Bedingungen anpassen kann.» Es sei darum gut möglich, «dass dieses Merkblatt in einem Jahr anders aussieht».

Man dürfte auch nicht vergessen: «Es geht ja um rund 1000 Währungen», so Tännler. Um dann einen von Lampert angesprochenen Aspekt aufzunehmen: «Bei so vielen Währungen stellt sich zum Beispiel die Frage, wie wir mit den wenig bekannten umgehen. Also mit den weniger liquiden, bei denen nicht immer ein aktueller Kurs abrufbar ist.»

Für grosse, bekannte Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether gibt es rund um die Uhr aktuelle Kurse, da der Handel 24 Stunden läuft. Kryptowährungen können auf diversen Plattformen gegen andere Währungen – auch Kryptowährungen – getauscht werden. Weil der Handel also fragmentiert ist und aufgrund der oftmals geringen Liquidität gibt es keine global einheitlichen Wechselkurse. Für Bitcoin ermittelt die Eidgenössische Steuerverwaltung seit 2015 einen «offiziellen» Kurswert, indem sie jeweils per Jahresende den Durchschnitt aus den Preisen verschiedener Handelsplattformen errechnet. An diesem Kurs orientiert sich auch die Zuger Steuerverwaltung. Gemäss Merkblatt dürften weitere Kryptowährungen hinzukommen. Ist kein aktueller Bewertungskurs ermittelbar, ist die Kryptowährung laut Merkblatt «zum ursprünglichen Kaufpreis in Franken zu deklarieren». Dieser Ansatz deckt sich mit der Ansicht vieler Steuerexperten.

Dennoch ist es laut Finanzdirektor Tännler gut möglich, «dass einige Steuerpflichtige nicht einverstanden sind mit unseren Regeln», was zu Einsprachen oder Beschwerden führen könne. «Allenfalls gibt es Fragen, die dann an einem anderen Ort, etwa von Gerichten, entschieden werden müssen.» Doch auch wenn den Behörden die Praxis mit Kryptowährungen noch fehle, suche man stets praktikable Lösungen.

Dass das Merkblatt nicht alle erdenklichen Fragen abdecke, könne auch von Vorteil sein, so Tännler. «Es kann heikel sein, wenn man zu weit geht. Denn man will sich ja auch nicht zu stark einschränken.»

Warnung vor Schneeballsystemen

Frank Lampert von KPMG ist überzeugt, dass «steuerlich noch einiges an Aufklärungsarbeit» nötig ist. Ein Punkt, den er beim Zuger Merkblatt und beim Luzerner Newsletter vermisst, ist, dass man sich mit der Behörde in einem Vorabbescheid Rechtssicherheit verschaffen kann. «Dies könnte etwa bei Selbstständigerwerbenden bei Buchführungs- und Bewertungsfragen zielführend sein. «Nicht vergessen werden sollte überdies: Auch bei Schneeballsystemen sind Einkommenssteuern geschuldet. Und es gibt ICOs, also digitale Kapitalbeschaffungsrunden, die leider Komponenten von Schneeballsystemen haben. Auch wenn am Schluss alles investierte Geld weg ist. Die Steuern bleiben trotzdem geschuldet.»

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

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