ZUG: Verstopfte Strassen: Firmen reagieren

Der Verkehr auf den Strassen nimmt stetig zu. Dies ruft neben Politikern auch Arbeitgeber auf den Plan, ihre Mitarbeiter zu überzeugen, das Auto in der Garage zu lassen. Anreize werden vielfach über Geldbeträge geschaffen.

Andrea Muff
Drucken
Teilen
Die Verkehrsplanung ist eines der Themen des neuen Raumordnungkonzeptes. Im Bild staut sich der Verkehr entlang der Neugasse in der Stadt Zug. (Bild: Archiv / Stefan Kaiser)

Die Verkehrsplanung ist eines der Themen des neuen Raumordnungkonzeptes. Im Bild staut sich der Verkehr entlang der Neugasse in der Stadt Zug. (Bild: Archiv / Stefan Kaiser)

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Auf den Strassen wird es dichter – der Verkehr nimmt zu. Gemäss Prognosen werden 2040 fast 150 000 Menschen im Kanton Zug wohnen. Einer Strukturerhebung des Bundesamtes für Statistik zufolge zählten 2015 rund 101 000 zur ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren. Davon gehören rund 60 000 zu jenen, die zu ihrer Arbeitsstätte pendeln. Rund die Hälfte benutzt dafür den motorisierten Individualverkehr wie etwa das Auto. Das ruft nicht nur die Politik auf den Plan, nach Lösungen zu suchen wie etwa Umfahrungsstrassen oder Mobility Pricing. Auch die Arbeitgeber stehen in der Pflicht, neue Anreize zu schaffen.

Seit Oktober 2016 hat Roche Diagnostics International, Rotkreuz, ein neues Mobilitätskonzept. Nico Steinmann, Mediensprecher, erklärt: «Mitarbeitende, welche den Standort mit öffentlichen Verkehrsmitteln in weniger als 35 Minuten, inklusive Fussweg, erreichen können, erhalten automatisch einen monatlichen Mobilitätsbonus.» Dafür würden sie auf den Parkplatz verzichten. Für Ausnahmefälle wie Schichtarbeiter oder Mitarbeiter, die aus familiären Gründen auf ein Auto angewiesen sind, gebe es «Sonderparkberechtigungen». Das Schrankensystem kontrolliert sämtliche Ein- und Ausfahrten auf den Parkplätzen. Laut Steinmann kommt ungefähr die Hälfte der Mitarbeiter mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV) oder mit dem Fahrrad zur Arbeit. Der Mediensprecher ist überzeugt: «Das Mobilitätsmanagement von Roche Diagnostics trägt zur Verkehrsberuhigung und zum Umweltschutz bei. Damit bieten wir auch unseren Mitarbeitenden eine faire und nachhaltige Lösung.» Zudem baut das Pharmaunternehmen die Veloparkplätze weiter aus. Erst kürzlich sei ein Veloraum mit 250 Plätzen und Ladestationen für E-Bikes eröffnet worden.

Zentrale Büros und flexible Arbeitszeiten

Bei den Geschäftsstellen der Zuger Kantonalbank (ZKB) stehen E-Bikes für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Verfügung. «Sie sind in erster Linie für die geschäftliche Nutzung gedacht, aber sie können auch abends und übers Wochenende privat genutzt werden», erklärt Doris Zetzema, Projektleiterin Kommunikation. Rund zwei Drittel der 450 Angestellten würden mit dem öffentlichen Verkehr – im Sommer vermehrt mit dem Velo – zur Arbeit pendeln. Für die Mediensprecherin trägt auch die Lage der Büroräumlichkeiten der ZKB zur Entlastung der Strassen bei. «Die Räumlichkeiten liegen sehr zentral und sind optimal mit dem ÖV erreichbar», sagt sie. Die Siemens Schweiz AG löst sich vom Modell des klassischen, fixen Arbeitsortes. Laut Catharina Bujnoch-Gross, Pressesprecherin, setzt die Firma an der Gubelstrasse in Zug auf «flexible Arbeitsmodelle». Sie präzisiert: «Dazu gehört unter anderem die Möglichkeit, nach Absprache zeit- und ortsunabhängig zu arbeiten.» Die Firma Bossard an der Steinhauserstrasse in Zug lässt verlauten, dass sie diejenigen Mitarbeiter mit jährlich 600 Franken Reka-Checks belohnt, die über kein Geschäftsauto verfügen.

Das Zuger Kantonsspital in Baar schafft mit kostenlosen ­Veloparkplätzen, dem vergünstigten «Zuger JobAbo» von den Zugerland Verkehrsbetrieben und einem jährlichen Beitrag an ein Streckenabonnement Anreize, nicht mit dem Auto zur Arbeit zu kommen. Sonja Metzger, Leiterin Marketing, ergänzt: «Mitarbeitende ohne Schicht-, Sonntags- oder Pikettdienst und mit einem Arbeitsweg von weniger als 60 Minuten haben keinen Anspruch auf eine Parkberechtigung im Parkhaus.» Es gelten die Regeln des Kantons Zug, da das Parkhaus ihm gehöre.

Die kantonale Verwaltung hat aber noch weitere Massnahmen umgesetzt, wie Baudirektor Urs Hürlimann aufzählt: So verfüge der Kanton über Veloparkplätze mit Garderoben und Duschen, eine Velo-Einstellhalle mit Pumpstation und Ladegelegenheiten für E-Bikes, Dienstvelos, Mobility-Carsharing, flexible Arbeitszeiten und Halbtaxabos für Mitarbeiter, die oft den ÖV für dienstliche Fahrten benutzen. Rund zwei Drittel der Angestellten pendeln mit dem ÖV, zu Fuss oder mit dem Velo zur Arbeit. Hürlimann sagt: «Gemäss unserer Einschätzung werden die Angebote des Mobilitätsmanagements geschätzt.»