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ZUG: Volk lehnt Stadttunnel in Zug deutlich ab

Die Verkehrsprobleme in der Stadt Zug bleiben weiter ungelöst: Das 890-Millionen-Projekt Stadttunnel ist an der Urne deutlich gescheitert.
Ist beerdigt: Stadttunnel Zug. (Bild: Visualisierung PD)

Ist beerdigt: Stadttunnel Zug. (Bild: Visualisierung PD)

Das Zuger Stimmvolk hat das Jahrhundertprojekt Stadttunnel am Sonntag abgelehnt: 16'534 Zuger sagten Ja, 27'898 Zuger legten ein Nein in die Urne. Das entspricht einem Nein-Anteil von 62,8 Prozent. Keine Zuger Gemeinde nahm das Jahrhundertprojekt an. Am grössten war die Ablehnung in Menzingen mit 66,2 Prozent, am geringsten in Walchwil mit 53,3 Prozent. Die Stimmbeteiligung lag bei 61,3 Prozent.

Die Resultate der Zuger Gemeinden

Stadt Zug: 65,9 Prozent Nein
Oberägeri: 61,5 Prozent Nein
Unterägeri: 65,5 Prozent Nein
Menzingen: 66,2 Prozent Nein
Baar: 62,6 Prozent Nein
Cham: 60,5 Prozent Nein
Hünenberg: 58,3 Prozent Nein
Risch: 57,7 Prozent Nein
Walchwil: 53,3 Prozent Nein
Neuheim: 63,9 Prozent Nein
Steinhausen: 66 Prozent Nein

In einem Punkt sind sich Befürworter und Gegner des Projektes Stadttunnel mit Zentrum Plus einig: Die Bevölkerung hat zwar den 890-Millionen-Kredit abgelehnt, doch damit ist das Verkehrsproblem der Stadt Zug nicht gelöst. Es gelte jetzt einmal gut durchzuatmen, bevor man dann das Resultat mit kühlem Kopf analysiere und über neue Wege nachdenke. Von Schnellschüssen will Regierungsrat Heinz Tännler jedenfalls nichts wissen. Eine Möglichkeit biete sich im Rahmen der Revision des Raumplanungsgesetzes. «Wir müssen dann die Möglichkeiten und Strategien der Verkehrsführung breit diskutieren.» Zuerst im Regierungsrat und anschliessend im Kantonsrat, ehe dieser in den Jahren 2017 oder 2018 entscheiden müsse. Gemäss Heinz Tännler wäre der Kanton ein schlechter Verlierer, wenn er sich nicht mehr um die Stadt kümmern würde. Das bedeute, man werde mit Sicherheit nicht die Hände in den Schoss legen und die Stadt ihrem Schicksal überlassen.

Die Enttäuschung über das Resultat war Stadtpräsident Dolfi Müller anzusehen. Und er bestritt diese auch nicht. Er und seine Stadtratskollegen – «Wir haben uns klar hinter das Projekt gestellt» – müssten den Traum begraben. Alle Befürworter müssten sich fragen, warum sie den Nutzen dieses Projektes der Zuger Bevölkerung nicht verständlich hätten machen können. Das hohe Preisschild und die Erhöhung der Motorfahrzeugsteuer hätten sicher einen Teil der Bevölkerung abgeschreckt. Auch das Sparprogramm der Regierung sei wohl zum falschen Zeitpunkt gekommen. Hinzu komme, so Dolfi Müller, dass «grosse Würfe einer Kleinstadt halt fremd sind».

CVP, SVP, FDP und die GLP hatten die Vorlage zur Annahme empfohlen. Auch der Zuger Stadtrat stand geschlossen hinter dem Projekt. Die Befürworter waren der Ansicht, dass der Stadttunnel die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt deutlich verbessern würde.

SP und die Alternative - die Grünen lehnten den Kredit ab. Die Gegner hielten das Projekte für nicht finanzierbar und bezeichneten dieses als «verpasste Chance» für mehr Lebensqualität. Zu viele Autos dürften frei in zu vielen Strassen zirkulieren, argumentierten sie. Autofrei werde fast nichts.

Reaktionen zum Nein

Für die SPist klar: Mit dem Nein hat die Stimmbevölkerung den Weg freigemacht für ein nachhaltigeres Mobiliätskonzept. Den Ausschlag gegeben hätten der Preis für das Projekt und den in Frage gestellten Nutzen des Stadttunnels. SP-Kantonalpräsidentin Barbara Gysel: «Rote Zahlen in der Kantonskasse, Abbau beim öffentlichen Verkehr und beim Sozialen durch Sparmassnahmen: Das Volk lehnte diese Monsterinvestition ab. Damit wurde ein Pyrrhussieg verhindert.»

Für die ALGist das Nein ein Ja zu einer nachhaltigen und wirksamen Verkehrsentlastung. Dazu würden autofreie Zonen, Tempo-30-Zonen auf Wohnstrassen oder verkehrsberuhigte Quartiere zählen.

Die Fraktion lädt die Tunnelbefürworter ein, gemeinsam zukunftsweisende Massnahmen so schnell wie möglich umzusetzen: Ausbau öffentlicher Verkehr und Attraktivität für Fussgänger und Velofahrer, so wie weniger und kostengerechte Parkplätze im Zentrum, Mobility Pricing, Pförtneranlagen.

Das «Komitee Stadttunnel - nein danke» sagt: Der kluge Entscheid öffnet neue Wege zur Verkehrsentlastung und zur Aufwertung der Stadt Zug. Der heutige Tag könne der Beginn einer modernen Mobiliätsplanung sein. Es brauche nun kleine Schritte und Projekte in der Verkehrspolitik sowie ein Umdenken.

Die SVPdes Kantons Zug nimmt die Ablehnung zur Kenntnis. Der Spardruck scheine den Ausschlag für eine Nein-Mehrheit gegeben zu haben. Die Partei zählt unter anderem die jährlich steigenden NFA-Zahlungen oder die Erhöhung der Motorfahrzeugsteuern auf. Die SVP ist der Meinung, dass die übrigen kantonalen Projekte im Strassenbau, namentlich die Tangente Zug/Baar, nun zügig vorangetrieben werden sollen, damit nach deren geplanten Eröffnung im Jahr 2019 nochmals die Verkehrssituation in der Stadt Zug analysiert werden kann.

Das Komitee «Ja-Zuger-Tunnel» bedauert die Ablehnung ausserordentlich. «Es ist zu bedauern: Das aufwendige Mitwirkungsverfahren, die gerechte Verteilung der Kosten auf mehrere Schultern und das überzeugende Projekt haben sich nicht ausbezahlt», sagt Bruno Werder, Präsident des Komitees «Ja-Zuger-Tunnel».

rem/ft

Mehr zum Thema am 15. Juni in der Neuen ZZ.

Einfahrt in den Stadttunnel von Arth Goldau kommend. (Bild: PD)
Stadttunnel-Ausfahrt Richtung Ägeri. (Bild: PD)
Stadttunnel in Richtung Gotthardstrasse. (Bild: PD)
So könnte der Stadttunnel Zug dereinst funktionieren. (Bild: Grafik: Janina Noser)
Verkehrsberuhigte Neugasse mit Trassee für Bus und Zubringerdienst (Bild: PD)
Fussgängerzone Metalli - Neustadt mit Trassee für Bus und Zubringerdienst (Bild: PD)
Verkehrsberuhigte Alpenstrasse mit Stadtpark im Dreispitz (Bild: PD)
Fussgängerzone Postplatz mit Trassee für Bus und Zubringerdienst (Bild: PD)
Gubel Ost (Bild: PD)
Bundesplatz in der Zukunft (Bild: PD)
Bundesplatz heute (Bild: Neue ZZ)
Vorstadt geplant. (Bild: PD)
Vorstadt heute (Bild: Neue ZZ)
Gubel West geplant (Bild: PD)
Gubelloch heute (Bild: Neue ZZ)
Baarerstrasse geplant (Bild: PD)
Baarerstrasse heute (Bild: Neue ZZ)
Stadttunnel Zug: Das ist geplant. (Bild: PD)
Altstadt mit Kolinplatz. (Bild: PD)
Gubelstrasse (Bild: PD)
Bundesplatz mit Alpenstrasse (Bild: PD)
Bundesplatz mit Viadukt der SBB. (Bild: PD)
Baarerstrasse beim Neustadtcenter. (Bild: PD)
Baarerstrasse bei der Metalli. (Bild: PD)
Neugasse (Bild: PD)
Postplatz. (Bild: PD)
Vorstadt. (Bild: PD)
So könnte der Anschluss Gotthardstrasse dereinst aussehen. (Bild: PD)
So könnte der Anschluss Gotthardstrasse dereinst aussehen. (Bild: PD)
29 Bilder

Visualisierungen des Stadttunnel Zug


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