Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

ZUG: Von Filmstars, «Ratten» und Klassikern

Gestern fand das erste Oldtimer-Treffen der Saison statt. Rund 600 Fahrzeuge erzählten ihre ganz eigenen Geschichten und lockten die Besucher in den Regen.
Gemeinsam mit zahlreichen anderen Besitzern und Fans von schönen alten Karossen eröffnete gestern Josef Schuler (Bild: Stefan Kaiser)

Gemeinsam mit zahlreichen anderen Besitzern und Fans von schönen alten Karossen eröffnete gestern Josef Schuler (Bild: Stefan Kaiser)

Lionel Hausheer

Regen prasselt auf die fein geputzten Autodächer. Das sei auch nicht das Beste für die Motoren, meint ein Besucher und linst durch den Spalt einer halb offenen Motorhaube. In den Stierenstallungen in Zug stehen Oldtimer-Autos, schön säuberlich aufgereiht nebeneinander und füllen den ganzen Platz. Jeder der Wagen erinnert an Filme oder Geschichten, manchmal nicht ganz zu Unrecht.

Katalog voller Ersatzteile

Der blaue Opel Rekord 58 von Josef Schuler sei bereits vor der Kamera gewesen: «Der war das Hauptdarsteller-Auto im Film ‹Mein Name ist Eugen›», berichtet der Besitzer. Eine grosse Ehre für Mike Müller, der ihn im Film den Gotthard hinauffahren durfte, denn im blauen Opel stecken enorm viel Arbeit und auch viel Leidenschaft. «Drei Jahre habe ich daran gearbeitet und restauriert», erinnert sich Josef Schuler. Da war wohl auch viel zu machen: Obwohl er den Wagen damals aus erster Hand gekauft habe, sei der vorher längere Zeit auf einer Wiese gestanden und habe mindestens 315 000 Kilometer auf dem Buckel gehabt. «Das Dach hatte einen Hagelschaden, und da hat dann der Rost ziemliche Löcher reingefressen», erzählt Schuler.

Von alldem ist heute nichts mehr zu sehen. «Ich führe einen ganzen Katalog mit Ersatzteilen», auch ein bisschen aus Notwendigkeit, schmunzelt Josef Schuler. Seit 25 Jahren suche er nach Opel-Ersatzteilen, da sei es fast einfacher, gerade im grossen Stil einzukaufen und übrige Teile an andere Oldtimer-Fans zu verkaufen. Auf der Heckscheibe des Rekord 58 steht denn auch: Opel der Zuverlässige.

«Vergoldete Eingeweide»

Ein VW fällt besonders auf unter all den glänzenden Schmuckstücken. Der Lack ist rostig, die Sitze haben Löcher, und man sieht das Futter. Er habe halt eben vierzig Jahre auf einem Berner Schrottplatz gestanden, so etwas sehe man dann auch, sagt René Minder. «Die Technik ist in tadellosem Zustand.» Wenn man durch einen schmalen Spalt unter die Motorhaube guckt, muss man René Minder unweigerlich Recht geben: Der Motor könnte nicht besser aussehen. «Das ist eine Stilrichtung», erklärt der Besitzer. Man wolle möglichst viel im originalen Zustand belassen und restauriere nur die Technik. «Möglichst kaputt muss es aussehen, das Technische aber soll perfekt sein.» Autos, die in diesem Stil restauriert werden, nennt man «Ratten» oder auf Englisch «Rats». Bis jetzt gibt es nur wenige am Oldtimer-Treffen in Zug, René Minder ist aber überzeugt, dass die Fangemeinde der Ratten mit «vergoldeten Eingeweiden» wachsen wird. «Beim Vorführen haben sie mir erst einmal gratuliert. Die haben so was noch nie gesehen, waren aber fasziniert.» Aber frisst sich der Rost nicht langsam vorwärts, bis das Auto schliesslich nicht mehr zu retten ist? René Minder schüttelt den Kopf. Er fahre mit seinem schon seit sechs Jahren herum, viel verändert habe sich nicht. «Das wird noch Jahre dauern, bis es so weit sein könnte.»

Einige Reisen hinter sich

Familie Weiss aus Zug sitzt in ihrem VW-Bus T 2 im Trockenen. Mit dem Bus sind noch viele Reisen geplant. Auf den möglichen Komfort von neueren VW- Bussen verzichten sie gerne. «Oldtimer haben Kultstatus, und VW ist VW. Man fährt eigentlich nur VW, sonst gibts keine Autos.» Eine klare Ansage, wenn auch wohl nicht ganz ernst gemeint. Aber auch ohne Übertreibungen hat der Bus schon viel erlebt. Das Kultauto ist bereits von Basel nach Griechenland gefahren, ohne nennenswerte Unterbrechungen. «Wenn bei dem Bus mal etwas kaputtgeht, ist es meist einfacher zu flicken als bei einem moderneren.» Da sei ja alles noch mechanisch. Bis nach Griechenland geht es aber in nächster Zeit nicht mehr. Für den Sommer sind zunächst kleinere Touren geplant.

Hinweis

Informationen zu weiteren Oldtimer-Treffen in der Saison gibt es unter: www.osmt.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.