ZUG: Von Luscht, Lascht und dem Fruscht

Die 123. Ausgabe des Fasnachtsblatts «Das Feuerhorn» wird, wie schon letztes Jahr, von einem Thema beherrscht. Grösser geworden hingegen ist die Vielfalt der von der Luscht Befallener.

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unknown (Bild: harry.ziegler@zugerzeitung.ch)

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Harry Ziegler

Seit der Landammannfeier 2014 steht der Kanton Zug nicht mehr nur für tiefe Steuern und superreiche Ausländer, die (voraussichtlich) kein Deutsch können müssen. Seit damals steht das Zugerland auch für nicht ganz so verschwiegen ausgelebte Luscht und offen zur Schau getragenen Fruscht. Hat sich die «Feuerhorn»-Redaktion 2015 noch fast ausschliesslich den schlüpfrigen Details um ein allfälliges Techtelmechtel in der Captains Lounge des Restaurants Schiff gewidmet, so sind heuer die Details zwar noch immer schlüpfrig, beschränken sich aber nicht mehr nur auf die mutmassliche körperliche Interaktion eines Kantonsrats und einer Kantonsrätin – die Luscht befiel auch andere. Ein Beispiel gefällig?

«Politiker, die sich ausserehelich vergnügen, haben im letztjährigen ‹Feuerhorn› für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Und noch immer ist der Fall S.-H. ein Thema. Wie es anders geht, zeigt die Berggemeinde Menzingen. Obwohl fast alle im Klosterdorf Bescheid wissen, bleibt der aktuelle Menzinger Sexskandal, bei dem sich ein Politiker mit einer leichten Dame in die horizontale Ebene geworfen hat, ein gut gehütetes Geheimnis. Wir Styger wundern uns mächtig, schickt doch die Sexgespielin des Menzinger Sexverkehrsexperten regelmässig Mails an info@menzingen.ch und an das Sekretariat seiner Partei und eröffnet auch immer wieder Facebookprofile, auf denen nackte Tatsachen gepostet werden. Na ja, auf dem Berg ist offenbar auch hinter dem Berg – wenn der Sex-Experte in der richtigen Partei ist.»

Das Wahltheater

2015 wurde echt auch gewählt, weiss «Das Feuerhorn». Und macht daraus ein Stück in 7 Akten. Und alle Zuger Parteien kriegen dabei ihr Fett weg. Natürlich spielt auch Frau J. S. aus O. eine grosse Rolle in diesem Theater. Wie «Das Feuerhorn» schreibt, habe es Frau S. «als erste Frau, pardon: als erster Mensch überhaupt geschafft, in wenigen Monaten den Wähleranteil einer Partei zu halbieren. Dies unter gütiger Mithilfe ihrer Co-Präsidentin und dem restlichen Fan-Komitee um Stefan Gisler. Das Finale ist der Renner. Gisler haut aus dem Kanton Zug ab, und S. wechselt schon wieder die Kajüte. Die Austritte werden bei den Alternativen wie ein Wahlsieg gefeiert.»

«Langes Vorspiel ohne Höhepunkt»

Ein unglückliches Händchen bei der Personalauswahl attestiert «Das Feuerhorn» der kantonalen FDP: «Wie die Piraten segeln auch die Liberalen in der Kategorie ‹langes Vorspiel ohne Höhepunkte›. Dies sowohl bei der Wahl selbst als auch bei der Auswahl ihres Personals. So wird Ex-Präsident Andreas Kleeb abserviert, und statt des Zugers soll Gabriela Ingold den vorzeitig als Nationalrat zurücktretenden Bruno Pezzatti beerben.» Darüber seien die Zuger und Ennetseer nicht erfreut, auch wenn Pezzatti verspricht, die gesamte Legislatur absolvieren zu wollen. Denn nur dank «dem Deal mit der windigen CVP und der brüderlichen Unterstützung der Grün-Liberalen kann die FDP ihren Sitz mit Ach und Krach halten.»

«Das Feuerhorn» zieht nicht nur über die Alternative-die Grünen, die CVP, GLP oder FDP her. So wird die SVP nett als «Zugerblocher» oder «Herrliberg-Verherrlicher» umschrieben und eine von der FDP «verschmähte Braut» genannt. Die Zuger Sozialdemokraten sind «saftlose Genossen», deren Ausbeute an den Wahlen miserabel sei. Es sei deshalb kein Wunder, «faseln die Sozis immer wieder von Quoten».

Beängstigende Vorstellung

«Das Feuerhorn» wäre nicht komplett, blickten die Autoren nicht auch in die Zukunft. Ihr Zukunftsblick aber ist für Zugerinnen und Zuger eher eine beängstigende Vorstellung. «Das Feuerhorn» prophezeit die Rückkehr des ehemaligen Zuger Stadtrats Ivo Romer in die Politik. Dieser muss sich dieses Jahr zuerst vor Strafgericht verantworten – Veruntreuung und ungetreue Geschäftsbesorgung werden ihm vorgeworfen. «Das Feuerhorn» hat in akribischer Recherche einen plausiblen Zeitplan für Romers Rückkehr in den Stadtrat erarbeitet: Danach wird Romer dieses Jahr «mangels strafrechtlich relevanter Beweise zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten und einer Wiedergutmachung von 765 Franken verurteilt».

Nach diversen Weiterzügen wird das Strafmass auf zweieinhalb Monate und 620 Franken reduziert. Romer akzeptiert das Urteil, «eine kosovarische Inkassogesellschaft holt bei den Erben der Witwe die zu viel ausbezahlten 145 Franken zurück». Das soll im Jahre 2022 geschehen. Romer verbüsse seine Strafe durch Sozialeinsätze und betreue in dieser Zeit die Portokasse des Heims für behütetes Wohnen in Steinhausen. «Danach wandert er nach Südafrika aus.»

Opus Dei und Ablasszahlungen

2028: «Ivo Romer, der inzwischen dem katholischen Orden Opus Dei beigetreten ist, pilgert nach Rom und bittet Papst Franziskus II. um Begnadigung und Vergebung», weiss das Fasnachtsblatt. Dank zweier Ablasszahlungen an die Banco Vaticano «in dreistelliger Höhe hinter dem Komma», wird Ivo Romer von allen Verfehlungen freigesprochen. Dies im Jahre 2030.

Zwei Jahre später – 2032 – schliesslich kehrt der ehemalige Stadtrat Ivo Romer zurück nach Zug «und wird Präsident der schweizerisch-südafrikanischen Handelskammer». 2034: In Zug erinnert sich niemand mehr an die 2012 veröffentlichte Geschichte. Ivo Romer kandidiert im Alter von 70 Jahren wieder für den Stadtrat.

Zum Schluss noch dies: Eine Frage aus dem Selbsttest zur Fahrtauglichkeit der Zuger über 70: «Wie oft fahren Sie durch den Zuger Stadttunnel?»