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ZUG: Von wegen «stille Nacht» ...

Den Heiligabend verbringen viele im Kreise der Familie. Für einige ist die Feier nach dem Essen allerdings noch lange nicht vorbei.
Samantha Taylor
Man trifft sich: so an der Stomp your Feet X-Mas Party in der Lounge & Gallery in Zug – wie hier im Jahr 2010. (Bild Stefan Kaiser)

Man trifft sich: so an der Stomp your Feet X-Mas Party in der Lounge & Gallery in Zug – wie hier im Jahr 2010. (Bild Stefan Kaiser)

Ein feines Essen – womöglich ein Fondue chinoise im Kreise der Familie, dann die Bescherung und schliesslich der Besuch einer Mitternachtsmesse oder einfach den Heiligabend noch ganz gemütlich ausklingen lassen: So verläuft der heutige Abend wohl bei vielen. Doch es geht an Heiligabend nicht nur ruhig zu. Denn nach dem Essen mit der Familie zieht es viele noch raus ins Nachtleben. Auch in Zug.

Zwar bleiben heute Abend viele Bars geschlossen, aber die beiden Clubs Lounge & Gallery (L & G) sowie die Galvanik öffnen ihre Türen. Beide aus gutem Grund, denn die Nachtschwärmer erscheinen zu Weihnachten zahlreich. So sei die Legendary After Dinner X-Mas Party in der Galvanik äusserst gut besucht. «Letztes Jahr hatten wir rund 450 Besucher. Der Weihnachtsabend läuft sehr gut», sagt Michael Frey, einer der Veranstalter. Ganz ähnlich klingt es bei der Lounge & Gallery. Im Club auf dem Siemens-Areal steht heute Abend die Party Jingle Jam auf dem Programm. Die Partys an Heiligabend seien immer gut besucht, sagt Inhaber Graziano Grieder. «Wir öffnen zu Weihnachten ganz bewusst erst um 23 Uhr. Die Leute sollen erst im Kreise der Familie feiern und den ruhigen Teil des Abends geniessen. Das machen wir auch selber so.» Erst danach lädt die L & G zum Tanz ein. Der 24. Dezember ist im Club im Siemens-Areal allerdings nicht der beste Abend des Jahres. «Unser Topabend ist der 25. Dezember. Da ist der Club immer voll», erzählt Grieder.

Eine willkommene Abwechslung

Den Grund dafür, dass die Weihnachtstage die absoluten Kassenschlager sind, sehen Frey und Grieder vor allem in zwei Punkten. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man in der Galvanik am 24. Dezember viele antrifft, die nicht mehr in Zug wohnen», sagt Frey. Der Altersdurchschnitt sei dementsprechend auch etwas höher. «Die Leute kommen nach Zug, um mit ihrer Familie zu feiern. Und danach wollen sie ganz bewusst noch alte Bekannte treffen, die sie ein Jahr lang nicht mehr gesehen haben», so der Partyveranstalter weiter. Viele wollten ausserdem – so Grieder – den Abend unter Freunden ausklingen lassen und einfach noch ein bisschen feiern. «Es ist schön, wenn man zu Weihnachten noch Freunde treffen kann», bestätigt auch die Zugerin Tanja Rindlisbacher. Sie selbst trifft sich am 24. Dezember, nach dem Essen im Kreise der Familie, meist noch mit Freunden und ist unterwegs. «Ausserdem hat es sich in meinem Freundeskreis eingebürgert, dass wir am 25. Dezember zusammen in der L & G feiern.» Eine Party unter Freunden sei eine nette Abwechslung angesichts der ganzen Familienfeiern und der Essen, sagt sie.

Gespräche auf dem Kirchenplatz

Dass man sich zu Weihnachten noch mit Freunden und Bekannten treffen will, die man schon lange nicht gesehen hat, versteht auch die Hünenberger CVP-Kantonsrätin Anna Bieri. Ins Nachtleben stürzen mag sich die 29-Jährige dazu aber nicht. «Der Ausgang ist für mich an Heiligabend kein Thema», sagt sie. «Es gibt ein italienisches Sprichwort, das sinngemäss heisst: ‹Weihnachten ist die Zeit für die Familie, Silvester die Zeit für die Freunde.› Daran halte ich mich», berichtet sie. Trotzdem geht auch sie am 24. Dezember gerne noch unter Leute. «Wir besuchen traditionsgemäss mit der Familie die Mitternachtsmesse in Hünenberg.»

Das sei immer ein schönes Ereignis, ruhig und besinnlich. «Und auch dort trifft man viele Leute, die man ein ganzes Jahr nicht gesehen hat. Das gibt nach der Messe oft interessante Gespräche auf dem Kirchenplatz. Das kann dann auch mal eine Stunde dauern.»

Sie laden ein zur 30. Zugerwiehnacht

Man trifft sich: so an der Stomp your Feet X-Mas Party in der Lounge & Gallery in Zug – wie hier im Jahr 2010. (Bild Stefan Kaiser)

Man trifft sich: so an der Stomp your Feet X-Mas Party in der Lounge & Gallery in Zug – wie hier im Jahr 2010. (Bild Stefan Kaiser)

Vor 30 Jahren waren alle Gasthaustüren zu an Weihnachten. Und egal, wo man anklopfte, da konnte man nicht rein. Der Frust darüber hat direkt zur offenen Weihnachtsfeier Zugerwiehnacht geführt. Graziella Christen Terrani, Barbara und Ueli Deutsch und Christian Bisig hatten damals am runden Tisch im «Rathauskeller» Dampf abgelassen: «Wir wollten eine offene Weihnachtsfeier organisieren, aber niemand hat uns reingelassen», erinnert sich Graziella Christen. «Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, aber an Heiligabend war Zug leer – egal, wo man hinkam.» Und an jenem Abend wäre es auch dabei geblieben, hätte nicht Hubert Erni, der damalige Wirt des Gasthauses, auf einem Ohr mitgehört. Und vorgeschlagen: «Macht das doch bei mir.»

Einsame und Alleinerziehende

Auf den Fotos von damals ist Graziella Christen Terrani noch jung und ihr kulinarischer Partner ebenfalls: Sie und der jetzige «Rathauskeller»-Wirt Stefan Meier sitzen in der Gaststube und sehen sich die Fotos an. Am selben Tisch, an dem die Geschichte begonnen hat. Und eigentlich bis heute alles gleich geblieben ist. Viele Male schon haben die beiden die Zugerwiehnacht mitgefeiert und beide Weihnachten hier gefeiert, mit dem Teil der Stadtbevölkerung, die sonst traurig zu Hause herumsitzen würde. Sie sind die letzten des Gründungsteams, und die Rollen sind klar verteilt: Christen begrüsst die Neuankömmlinge, während Meier in der Küche die Suppe vorbereitet und sich im Restaurant die Menschen sammeln, die sonst nirgendwo hinkönnen. «Die Leute wechseln jedes Jahr», sagt Stefan Meier, «das Leid ist immer dasselbe: Man ist alleine. Der arme Kerl, der in der Scheidung steckt, wo soll der hin an Weihnachten? Er kommt zu uns.» – «Und genauso die alleinerziehende Mutter, die Weihnachten nicht ganz alleine mit den Kindern verbringen will», ergänzt Graziella Christen. «Oder Familien, die jemanden verloren haben, denen es zu traurig ist zu Hause. Hier wird man getragen. Vor allem von den Kindern, die spüren sofort, wenn jemand integriert werden muss», sagt Christen, «die Kinder sind die Engel der Zugerwiehnacht.»

Plakate und Plaudern

Nicht die Einzigen: Die umliegenden Geschäfte stellen der Zugerwiehnacht kleine Geschenke zur Verfügung – Brot und Gebäck, Früchte oder Kerzen. Und Christen verbringt die Vorweihnachtszeit mit dem Plakataushang: «Da gehe ich von Geschäft zu Geschäft und plaudere mit den Leuten. Ich glaube, das tut allen gut», sagt sie gut gelaunt, «dass man auch mal ein bisschen plaudert miteinander.»
Die Zugerwiehnacht ist ein Herzensding, Meier und Christen strahlen, wenn sie davon sprechen, es ist keine blosse Barmherzigkeit, es sind Christens und Meiers Wunschweihnachten. «Es ist einfach ein so schöner Anlass», sagt Christen, doch die Freude darüber lässt sich nicht recht in Worte fassen. «Und es macht auch nichts, wenn mal wenig Leute kommen», sagt Meier, «es ist einfach so, wie es ist. Wer da ist, ist willkommen.» An der Zugerwiehnacht gibt es Wärme in Form von Suppe und einen Sinn in Form von Bastelarbeit: «Wir basteln den Schmuck für den grossen Baum, den uns die Korporation alljährlich zur Verfügung stellt», sagt Christen, «etwas mit den Händen machen, das war von Anfang an die Idee. Es soll kein Besäufnis sein, im Gegenteil: Wenn da einer aufkreuzt, der schon an zu vielen Stationen war; plötzlich siehst du ihn am Tisch, weil eines der Kinder ihn gefragt hat, ob er nicht beim Basteln helfen könne. Und der wird schlagartig nüchtern und hilft.» Für einige Kinder sei die Zugerwiehnacht zum Ritual geworden, sagt Christen: «Sie wollen jedes Jahr wiederkommen, und die finden sich sofort zum Spielen. Die ganze Familie sitzt am Tisch und bastelt Weihnachtsdeko.» – «Stimmt», sagt Meier und lacht, «da gab es auch Familien, die fragten schon nach Bastelmaterial, bevor sie den ersten Tee bekommen hatten.»

Und dann, wenn der Baum geschmückt ist und die Kerzen brennen, singen alle zusammen die alten Weihnachtslieder – mitten in der Zuger Altstadt.

Falco Meyer

Man trifft sich: so an der Stomp your Feet X-Mas Party in der Lounge & Gallery in Zug - wie hier im Jahr 2010. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Man trifft sich: so an der Stomp your Feet X-Mas Party in der Lounge & Gallery in Zug - wie hier im Jahr 2010. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

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