ZUG: Vor der Passhöhe kehrte Claude Balsiger um

Der Oberwiler Mountainbiker hat seine Tour durch den Himalaja abbrechen müssen. Nun steht ein zweiter Versuch zur Diskussion.

Silvan Meier
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Mountainbiker Claude Balsiger ist unterdessen auf dem Heimweg. (Bild Martin Bissig)

Mountainbiker Claude Balsiger ist unterdessen auf dem Heimweg. (Bild Martin Bissig)

«Das Leben ist zu wertvoll, um ein solches Risiko auf sich zu nehmen.» Das haben sich der Oberwiler Claude Balsiger und sein Bündner Kollege Thomas Wäspe Ende Februar am Fuss des Shingo-La-Passes gesagt – und haben auf die letzte Etappe ihrer Tour quer durch den Himalaja verzichtet. Das Ziel, das Gebirge auf einer 500 Kilometer langen Route im Winter per Velo, zu Fuss und mit den Ski zu durchqueren, haben sie nicht ganz erreicht. Doch sie waren nahe dran: Vom 5000 Meter hohen Pass hätten die beiden nur noch vier Tage bis zum Ziel in Manali gebraucht. Doch die Gefahr war dem Mountainbiker Claude Balsiger und dem angehenden Bergführer Wäspe zu gross. Nach einer längeren Schönwetterperiode schlug das Wetter genau im dümmsten Moment um. Am Fuss des Passes peitschte heftiger Wind gegen das Zelt, die Sicht reichte bloss 30 Meter weit.

Wäspe kämpft mit Magen

Schon viel früher hatten sich Balsiger und Wäspe gesagt, dass sie die Etappe über den lawinengefährlichen Pass nur bei perfekten Bedingungen in Angriff nehmen würden. Das hätte geheissen: eine sternenklare Nacht, tiefe Temperaturen, gute Sicht, kein Neuschnee und beide bei robuster Gesundheit. Doch davon war die Realität weit entfernt. Insbesondere Wäspe war geschwächt. Ihn plagten seit der Ankunft in Indien heftige Magenprobleme.

Balsiger und Wäspe haben deshalb ihre Ski eingepackt und sind nach Padum zurückgekehrt. Bis vor kurzem war noch ungewiss, wie sie von dort wegkommen sollten. Denn der Talkessel von Padum kann im Winter nur über den gefrorenen Zanskar-Fluss erreicht werden. Doch der Fluss ist bereits an mehreren Stellen aufgebrochen. Mittlerweile sind die beiden in der indischen Stadt Leh eingetroffen und in Sicherheit. Am Donnerstag werden sie in der Schweiz zurückerwartet.

«Wir sind nicht enttäuscht»

Obwohl das Abenteuer am Himalaja nach der zweiten von drei Etappen abgebrochen werden musste, sind Balsiger, Wäspe und der Zuger Fotograf Martin Bissig, der die beiden über viele Kilometer begleitet und alles dokumentiert hat, zufrieden mit dem Verlauf der Tour. «Wir sind nicht enttäuscht», sagt Martin Bissig, der bereits wieder zu Hause in Zug ist und sich von den Strapazen erholt. «Die Sicherheit geht einfach vor.» Man werde nun gemeinsam analysieren, ob die Passage über den Shingo-La-Pass im Winter überhaupt möglich ist. «Bis auf einen Einheimischen haben uns alle abgeraten», sagt der Fotograf. «Allerdings haben sie unsere technischen Möglichkeiten und unsere Ausrüstung nicht gekannt.» Ob die drei allenfalls in einem Jahr nochmals einen Versuch starten, ist offen. «Zuerst müssen wir alles verdauen.»

Bald im Fernsehen?

Trotz des Abbruchs: Mit der Etappe auf dem gefrorenen Zanskar-Fluss haben Claude Balsiger, Thomas Wäspe und Martin Bissig eine Premiere geschafft, die für alles entschädigt. Die Expedition «Rocky Mountain Transhimalaya» wird nun in einem Film festgehalten, der voraussichtlich auch im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wird.

Hinweis

Impressionen auf www.transhimalaya.ch oder www.facebook.com/transhimalaya