ZUG: Warum findet die Stadt keine Senioren?

Die Stadt hat eine Alterswohnung an ein junges Paar vermietet – wegen fehlender Nachfrage. Andere Anbieter kennen dieses Problem nicht.

Samantha Taylor
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In der Neustadt 2 vermietet die Stadt Zug Alterswohnungen (Bild). (Bild Werner Schelbert)

In der Neustadt 2 vermietet die Stadt Zug Alterswohnungen (Bild). (Bild Werner Schelbert)

Samantha Taylor

Eigentlich verrät es bereits der Name: Alterswohnungen sind für Senioren vorgesehen. Sie verfügen in der Regel über eine auf ältere Menschen zugeschnittene Ausstattung und sind oft zentral gelegen. So auch jene Alterswohnungen der Stadt Zug, die sich in der Neustadt 2 befinden. Allerdings wird eine dieser Wohnungen alles andere als von der richtigen Zielgruppe bewohnt. Seit kurzem wohnt in einer der 3?-Zimmer-Wohnungen, die für 2080 Franken ausgemietet wird, ein junges Paar im Alter von 25 Jahren. Brisant: Der junge Mann des Paares ist der Sohn eines Mitarbeiters der städtischen Immobilienabteilung, die für die Vergabe der Wohnungen zuständig ist. Die Stadt ihrerseits betonte jedoch gegenüber unserer Zeitung (Ausgabe vom 3. Oktober), dass die Vergabe ganz regulär abgelaufen sei. Man habe nach einer einwöchigen Ausschreibung im Internet allerdings niemanden gefunden, der den Vergabekriterien entspreche. Diese besagen, dass die Bewohner des Neustadt 2 über 65 Jahre alt und seit mindestens zehn Jahren in der Stadt Zug wohnhaft sein müssen. Gemäss Angaben der Stadt hätten sich lediglich sechs Interessenten gemeldet. Weil man Leerstände vermeiden wollte, habe man sich dann für ein junges Paar entschieden. Ausserdem sei die Wohnung bereits zuvor von einem jüngeren Paar mit Kind bewohnt worden.

Alle vermietet

Kennen auch andere Gemeinden das Problem, dass nicht die passende Zielgruppe für eine Alterswohnung gefunden wird? Wie sich bei einer Nachfrage bei anderen Anbietern zeigt, scheint diese Schwierigkeit kaum verbreitet. In Cham, wo im Büel erst im Sommer insgesamt 24 solcher Wohnungen bezugsbereit waren, gab es mit der Vergabe kaum Schwierigkeiten. «Wir hatten ziemlich bald genug Anmeldungen, und zum Bezugstermin waren alle Wohnungen vergeben», sagt Bruno Waser, Geschäftsführer des Alterszentrums Büel. Die Kriterien in Cham sind in Bezug auf das Alter noch etwas strenger als in der Stadt Zug. Für eine Wohnung in den Neubauten kann sich bewerben, wer über 75 Jahre alt ist. Preislich bewege man sich im mittleren bis oberen Preissegment, konkret liegt der Mietzins zwischen knapp 1800 für eine 2?-Zimmer-Wohnung und 2500 Franken für eine 3?-Zimmer-Wohnung. Man habe darum, ohne die Gegebenheiten in der Stadt zu kennen, durchaus etwas gestaunt, dass sich nicht mehr Interessenten gemeldet hätten, so Waser.

Täglich Anfragen

Ebenfalls eine «grosse Nachfrage», verzeichnet die Genossenschaft für Alterswohnungen Baar. Sie bietet derzeit in der Gemeinde insgesamt 89 Wohnungen an, ein Teil davon im preisgünstigen Segment. «Wir haben eine lange Warteliste mit etwa 100 Personen», sagt Ursula Staub, Präsidentin der Genossenschaft. Es klappe bei einem Wechsel zwar nicht immer gleich mit der ersten Person. Leer stehende Einheiten seien aber in der Regel innert eines Monats wieder vermietet. «Wir hatten bisher auch überhaupt keine Schwierigkeiten, unsere Wohnungen an Senioren zu vergeben. Im Gegenteil: Wir hätten sogar gerne noch mehr Wohnungen, die wir anbieten können», sagt Staub.

Eine ganz ähnliche Bilanz zieht man in Steinhausen. Dort wird voraussichtlich im nächsten Jahr mit dem Projekt Dreiklang begonnen, in dem unter anderem 38 Alterswohnungen untergebracht sein werden. Obwohl die Senioren wohl erst im Herbst 2017 einziehen können, melden sich bei der Gemeinde schon die ersten Interessenten. «Wir haben die Wohnungen noch nicht aktiv ausgeschrieben. Trotzdem erhalten wir fast täglich Anfragen. Man muss aber auch sagen, dass der Mietzins noch nicht bekannt ist», sagt Catherine Wehrli, Leiterin Soziales und Gesundheit.

«Von Anfang an Probleme»

Der Vorstand des Seniorenverbands des Kantons Zug hat die geringe Zahl der Interessenten für die Alterswohnung mit einer gewissen Verwunderung zur Kenntnis genommen. «Wir sind sehr überrascht, dass sich nur eine geringe Anzahl von Senioren für die Wohnung interessiert hat. Wir erachten die zentrale Wohnlage eigentlich als ideal für eine Alterswohnung. Und auch der Mietpreis ist wohl marktkonform», sagt Präsident Bruno Keller. Man habe darum auch keine «Begründung» dafür.

Michèle Kottelat, GLP-Gemeinderätin der Stadt Zug und Mitglied der städtischen Alterskommission wagt einen Erklärungsversuch und bricht dabei eine Lanze für die Stadt Zug. «Die Wohnung, um die es sich handelt, ist nicht sehr attraktiv gelegen und darum schwer zu vermieten», so Kottelat. Die Wohnung sei nach Norden, in Richtung des Bahnhofes und zu den Gleisen hin ausgerichtet. «Man hatte darum auch von Anfang an Probleme damit. Sie genügt vielen Ansprüchen nicht. Man hätte da bereits bei der Projektierung aktiv werden müssen», so die Gemeinderätin weiter. Kottelat hat darum auch bei der Stadt angeregt, dass man einige der Wohnungen in der Neustadt 2 umklassieren müsste und nicht mehr als Alterswohnungen definieren könnte.

Daniel Stadlin, Sekretär des Departements Soziales, Umwelt und Sicherheit der Stadt Zug, will und kann sich dazu nur knapp äussern. Dies, da der Stadt zum Thema eine Interpellation zur Beantwortung vorliegt. Stadlin betont jedoch: «Es ist richtig, dass es in dem Objekt attraktivere Wohnungen gibt. Die besagte Wohnung ist aber ganz und gar nicht unvermietbar.»