Zug
Was die Gartenstadt und London gemeinsam haben

Durch Heinz Horat haben interessierte Zuger und Zugerinnen mehr über die Geschichte des Wohnquartieres Gartenstadt und des in der Umgebung gelegenen Industriegebietes erfahren.

Lilo Sterki
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Sämtliche Einwohner des Kanton Zug, sogar diejenigen, welche schon seit eh und je in dieser Stadt wohnen, haben nie ausgelernt über ihren Wohnort. Das hat der Rundgang vom ehemaligen Denkmalpfleger Heinz Horat am Donnerstag, 1. Juli, gezeigt. Mit dem Rundgang «Vom beschaulichen Wohnen zur industriellen Produktion: Die Gartenstadt und das LG-Areal» hat er jedem Zuhörer eine bessere Vorstellung über die Architektur der Vergangenheit verschaffen können und zudem Begründungen aus dem Ärmel geschüttelt, weshalb Chalets in der Gartenstadt erbaut wurden und warum das kleine «Bahnhöfli» hinter dem Siemensgebäude so einzigartig ist.

Vom Sumpf- ins Wohngebiet

Begonnen hat die Rückblende in die Vergangenheit an der Dammstrasse. Genau an diesem Ort gab es vor vielen Jahren nämlich noch kein Anzeichen von Industriegebäuden und Geschäftsleuten, die vom Bahnhof zu ihrer Arbeit eilen. Stattdessen erblickten die Zuger Bewohner schlammigen Sumpf und bis heute ist diese Landschaft nicht gänzlich verschwunden, denn wenn man sich in die Überbauung «Opus» wagt, eröffnet sich einem eine moorige und somit auch Sumpf ähnliche Landschaft, die mit Kunstelementen von Barbara Jäggi geschmückt ist. Dank dieser Führung wissen alle Beteiligten nun, dass dieses gelungene Naherholungsgebiet auch einen ausgeklügelten historischen Hintergrund birgt.

Weiter geführt hat die Besichtigung in die Gartenstadt, wo man als Besucher das Gefühl hat, eine unsichtbare Linie von der Betriebsamkeit der Industrie in die idyllische Ruhe eines Wohngebietes zu übertreten. «Inmitten der Stadt und doch weit abseits vom Lärm.» Auf diese Weise beschreibt Horat die Wohnsituation. Diese Besonderheit ist allerdings nicht die einzige, schliesslich wurde die Gartenstadt nach dem Vorbild der «garden cities», welche in London zu finden sind, erbaut. Der Brite, Ebenezer Howard, hatte nämlich die Idee, eigenständige Gartenstädte um die Metropole London zu errichten, da die Wohn- und Lebensverhältnisse der Grossstadt zu wünschen übrigliessen.

In der Gartenstadt sollen die alten Häuser neuen weichen.

In der Gartenstadt sollen die alten Häuser neuen weichen.

Bild: Werner Schelbert

Sorge wegen neuen Bauten

Um die Zeitreise zu vollenden, fehlte noch der Blick in die Zukunft und zu diesem Zweck machte die Führung natürlich auch bei den Gebäuden einen Halt, welche bald für neue Reiheneinfamilien- und Mehrfamilienhäuser weichen müssen. Dieser Plan stiess bei der Kundgebung auf erheblichen Widerstand bei den Bewohnern der Umgebung, wie zum Beispiel bei der Organisation «Pro Gartenstadt», denn durch die neuen Baulinienpläne können die heutigen Freiräume zwischen den Gebäuden und der Strasse nicht eingehalten werden. Auch machte sich die Befürchtung breit, dass der Wohnwert der Siedlung sinken wird. Aus eben genannten Gründen versuchte die Führung die Pläne den Teilnehmern detaillierter vor Augen zu führen und die Situation direkt vor Ort zu erklären.

Ausserdem ist künftig mit einer Mehrzahl von Hochhäusern im LG-Areal zu rechnen, welche für mehr Lebensraum sorgen sollten und von einer zusätzlichen Überquerung der Bahngleise südlich des Siemensgebäudes ist auch nicht abzusehen. «Diese Pläne liegen jedoch weit in der Zukunft und müssen ebenfalls noch von den politischen Mächten begutachtet werden. 10 Jahre wird es sicher noch dauern», äussert sich der Stadtarchitekt Christian Schnieper dazu.