ZUG: Was die Quartiere zum Tunnel sagen

Der Stadttunnel wirkt sich unterschiedlich auf die Stadtteile aus. Das widerspiegelt sich auch in den Positionen der Quartiervereine. Während in der Altstadt und im Bereich Guthirt die Grundstimmung eher positiv ist, zeigt man sich im Westen kritischer. In einem Punkt aber sind sich alle Befragten einig.

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Die Neugasse in Zug: Wie wird sich der Stadttunnel auf die Geschäfte auswirken? (Bild: Stefan Kaiser / Archiv Neue ZZ)

Die Neugasse in Zug: Wie wird sich der Stadttunnel auf die Geschäfte auswirken? (Bild: Stefan Kaiser / Archiv Neue ZZ)

Freddy Trütsch, Harry Ziegler, Samantha Taylor

Nachbarschaft Landsgemeindeplatz

Die Nachbarschaft Landsgemeindeplatz befürwortet den Bau des Stadttunnels mit Zentrum Plus und damit auch den Kredit. Man glaube an das Projekt und die positiven Auswirkungen auf die Altstadt, betont Joseph Ruckli, der Präsident des Gewerbevereins der Stadt Zug und der Nachbarschaft Landsgemeindeplatz.

Besonders geschätzt haben die Anwohner und Gewerbetreibenden aus dem Süden Zugs das Mitwirkungsverfahren. Das sei eine sehr gute Sache gewesen, stellt Ruckli rückblickend fest. «Wir konnten uns durch unsere Vertreter sehr gut einbringen und unsere Bedürfnisse anmelden.» Man habe sich auch mit den angrenzenden Nachbarschaften immer wieder ausgetauscht und abgestimmt. Das Fazit: «Das jetzt zur Abstimmung kommende Projekt überzeugt.» Es sei ein Kompromiss, «aber ein guter. Wir empfehlen unseren Mitgliedern jedenfalls, Ja zu sagen».

Was bringt das Kammersystem?

Selbstverständlich sei das Preisschild beachtlich und könne dem Einzelnen schon etwas Angst machen. Aber Tatsache sei, dass es nur mit dem projektierten Tunnel möglich sein werde, das Zentrum der Stadt Zug im Interesse der Bevölkerung und des Gewerbes zu entwickeln und vom Durchgangsverkehr zu entlasten. «Der Schritt ist vergleichbar mit der Stadtbahn, die man damals im Abstimmungskampf auch als grössenwahnsinnig apostrophierte, die heute jedoch niemand mehr in Frage stellt. Beim Stadttunnel wird es genau gleich sein.» Auch dieses zukunftsgerichtete Werk sei für die nächste Generation.

Leicht hat sich die Nachbarschaft Landsgemeindeplatz den Entscheid nicht gemacht. Intensiv diskutiert hat man das Kammersystem. «Wir sind natürlich sehr gespannt, wie sich dieses Verkehrsregime auf unsere Geschäfte auswirken wird.» Auf jeden Fall seien alle gefordert, die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen und in erster Linie die Kunden zu informieren. Aber: Nicht zuletzt am Landsgemeindeplatz hat man gewisse Erfahrungen mit solch einschneidenden Neuerungen. Ruckli: «Vor rund 30 Jahren wurden die Parkplätze sukzessive gestrichen. So auch die drei Carparkplätze, die uns regelmässig Kunden brachten. Wir befürchteten das Schlimmste, aber eingetroffen ist genau das Gegenteil: Wir profitieren alle von diesem verkehrsfreien Platz.»

Quartierverein Guthirt

Wir verfolgten im gesamten Verfahren zum Stadttunnel zwei Ziele», sagt der Präsident des Quartiervereins Guthirt, Franz Strub. «Zum einen soll die Stadt Zug nicht durchfahren werden, zum anderen soll die Industriestrasse nicht zu einer weiteren Baarerstrasse werden», so Strub. Die Industriestrasse soll für den Verkehr nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

«Jeder konnte mitreden»

«Wir haben das Mitwirkungsverfahren als konstruktiv erlebt», sagt Strub. Zwar hätten an diesem Verfahren jeweils viele Leute teilgenommen. «Es konnte aber wirklich jeder mitreden.» Die drei Vertreter des Quartiervereins Guthirt neben Franz Strub nahmen Martin Stuber und Roland Stahl teil – hätten sich stark dafür eingesetzt, dass der Halbanschluss Industriestrasse ersatzlos gestrichen worden sei. Ebenso wird nun der Verkehr zwischen Gubel- und Industriestrasse so geführt, dass die neue Hauptachse vom Süden her aus der Industriestrasse in die Gubelstrasse abzweigt. Die Industriestrasse habe dann nur noch untergeordnete Funktion. Das wiederum ermögliche, die Industriestrasse nördlich des Lüssiwegs zu unterbrechen und das Quartier zu beruhigen. «Wir haben im Mitwirkungsverfahren unsere Aufgaben gemacht», so Strub. Auch wenn er hin und wieder Reaktionen unzufriedener Mitglieder erhält, «ich bin mit dem Erreichten zufrieden».

Für den Präsidenten Franz Strub ist klar: Es wird bei der Abstimmung vom 14. Juni auch aus dem Quartier Guthirt Nein-Stimmen zur Vorlage geben. «Wir haben aber während der ganzen Debatte versucht, der Bevölkerung die notwendigen Informationen zur Verfügung zu stellen», erklärt er. Viel wichtiger als eine Parole sei jedoch, die Bevölkerung umfassend zu informieren. Man habe immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die Quartierbewohner ihre Meinung durch Information bilden sollen.

Ein schwerer Stand

Trotz aller Bemühungen wird das Projekt Stadttunnel mit Zentrum Plus einen schweren Stand haben, meint Strub: «Denn 890 Millionen Franken sind viel Geld.» Und dass die Regierung zeitgleich ein Entlastungsprogramm präsentiert, sei auch nicht optimal. «Ich bin aber überzeugt, dass wir mit dem Stadttunnel ein Projekt haben, auf dem nachfolgende Generationen in Zug aufbauen könnten.»

 

 

Quartierverein Zug West

Die Meinungen gehen bei uns auseinander», sagt Werner Zeberli, Präsident des Quartiervereins Zug West. Man habe das Thema Stadttunnel allerdings auch noch nicht offiziell an einer Versammlung behandelt. Es gebe darum auch noch keine Parole. Grundsätzlich sei der Verein gut in die Projektentwicklung eingebunden worden. «Im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens wurde unsere Meinung abgeholt, und ich konnte mich in vielen Punkten einbringen und unsere Anregungen wurden aufgenommen», führt der Vereinspräsident weiter aus. Es sei eine interessante Arbeit gewesen.

Das Lager gewechselt

Im Vorstand selbst gebe es heute Befürworter wie auch Gegner. «Ein Teil ist vom Nutzen des Projekts überzeugt.» Für den inneren Kern der Stadt Zug sei der Tunnel wohl auch eine gute Lösung, ist Zeberli überzeugt. Er selbst sei auch lange Zeit klar hinter dem Projekt gestanden. «Inzwischen habe ich das Lager gewechselt», sagt Zeberli. Der Grund: Sowohl Zeberli wie auch die anderen Kritiker im Verein befürchten eine höhere Verkehrsbelastung für Zug West. «Ich hege die Befürchtung, dass wir vom Verkehr überschwemmt werden», führt Zeberli aus. Dabei gehe es vor allem um die Feldstrasse. «Unser Wunsch ist schon lange, dass die Feldstrasse zu einer Tempo-30-Zone wird.» Sollte der Stadttunnel kommen, davon ist Zeberli überzeugt, würde diese Achse wohl aber mehr Autos abbekommen. «Wir gehen davon aus, dass viele auf die Feldstrasse ausweichen werden und das Gebiet darum wohl nicht beruhigt werden kann.» Kritische Stimmen gebe es im Verein auch in Bezug auf das Preisschild. «Es ist ja schon ein beachtlicher Betrag, und einige stören sich daran, dass man lange von rund 550 Millionen Franken geredet hat», sagt ­Zeberli.

Vorstand hält sich zurück

Der Quartierverein werde das Thema Stadttunnel übermorgen Freitag bei der Generalversammlung behandeln. «Wir haben einen Pro- und einen Contra-Referenten, die auftreten werden», sagt Zeberli. Im Anschluss hofft er auf eine angeregte Diskussion. Der Vorstand werde sich mit Empfehlungen zurückhalten. Zeberli: «Wir sind auch noch nicht sicher, ob wir eine Parole fassen wollen. Wichtig ist aus unserer Sicht die Diskussion.»

Einfahrt in den Stadttunnel von Arth Goldau kommend. (Bild: PD)
29 Bilder
Stadttunnel-Ausfahrt Richtung Ägeri. (Bild: PD)
Stadttunnel in Richtung Gotthardstrasse. (Bild: PD)
So könnte der Stadttunnel Zug dereinst funktionieren. (Bild: Grafik: Janina Noser)
Verkehrsberuhigte Neugasse
mit Trassee für Bus und Zubringerdienst (Bild: PD)
Fussgängerzone Metalli - Neustadt
mit Trassee für Bus und Zubringerdienst (Bild: PD)
Verkehrsberuhigte Alpenstrasse
mit Stadtpark im Dreispitz (Bild: PD)
Fussgängerzone Postplatz
mit Trassee für Bus und Zubringerdienst (Bild: PD)
Gubel Ost (Bild: PD)
Bundesplatz in der Zukunft (Bild: PD)
Bundesplatz heute (Bild: Neue ZZ)
Vorstadt geplant. (Bild: PD)
Vorstadt heute (Bild: Neue ZZ)
Gubel West geplant (Bild: PD)
Gubelloch heute (Bild: Neue ZZ)
Baarerstrasse geplant (Bild: PD)
Baarerstrasse heute (Bild: Neue ZZ)
Stadttunnel Zug: Das ist geplant. (Bild: PD)
Altstadt mit Kolinplatz. (Bild: PD)
Gubelstrasse (Bild: PD)
Bundesplatz mit Alpenstrasse (Bild: PD)
Bundesplatz mit Viadukt der SBB. (Bild: PD)
Baarerstrasse beim Neustadtcenter. (Bild: PD)
Baarerstrasse bei der Metalli. (Bild: PD)
Neugasse (Bild: PD)
Postplatz. (Bild: PD)
Vorstadt. (Bild: PD)
So könnte der Anschluss Gotthardstrasse dereinst aussehen. (Bild: PD)
So könnte der Anschluss Gotthardstrasse dereinst aussehen. (Bild: PD)

Einfahrt in den Stadttunnel von Arth Goldau kommend. (Bild: PD)