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ZUG: Weitere Anstrengungen scheinen dringend nötig

Die Wasserqualität in Schweizer Fliessgewässern ist laut einer Studie des WWF bedenklich. Zug schneidet zwar gut ab, dennoch gibt es Handlungsbedarf.
Bernard Marks
Sonnenuntergang am Zugersee beim Restaurant Schiff. (Bild: Leserbild Daniel Hegglin)

Sonnenuntergang am Zugersee beim Restaurant Schiff. (Bild: Leserbild Daniel Hegglin)

Gesunde Bäche und Flüsse sind Quellen des Lebens, und ihre Bedeutung für die Biodiversität ist gross. «Genauso gross sind auch die Beeinträchtigungen der Schweizer Gewässer in den letzten 200 Jahren», heisst es in einer neuen Studie des WWF. Dieser hat untersucht, wie gesund die Schweizer Flüsse und Bäche sind und welche davon besonders schützenswert sind. Die Auswertung kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Schweizer Gewässer stehen trotz amtlich verordnetem Gewässerschutz nach wie vor stark unter Druck. Nur gerade 3,6 Prozent der Bäche und Flüsse stuft der WWF als «äusserst wertvoll» ein. Immerhin 16,5 Prozent der Gewässer erhielten das Prädikat «sehr wertvoll»; sie erreichten bei mindestens zwei der Indikatoren eine hohe Bewertung. Weitere 43,8 Prozent der Bäche und Flüsse können noch als «wertvoll» bezeichnet werden, weil sie zumindest bei einem Indikator eine der untersuchten Funktionen vollständig erfüllen.

Insgesamt zeigt die Analyse, dass die Mehrheit der Gewässer in fast allen Kantonen die ökologischen Ziele nicht erfüllt. Im relativen Vergleich schneiden die Kantone Genf, Basel-Landschaft, Waadt, Zug, Fribourg und Aargau am besten ab. Der Anteil besonders schützenswerter Fliessgewässer an der Gesamtlänge liegt hier immerhin noch über 30 Prozent. Im Vergleich besonders schlecht geht es den Gewässern hingegen in den Kantonen Wallis, Schwyz, Glarus, Appenzell Ausserrhoden und Basel-Stadt. Dort liegt der Anteil der besonders schützenswerten Gewässer unter 10 Prozent.

Mehr Potenzial

«Sauberes Wasser in Flüssen und Seen ist in mehrfacher Hinsicht wichtig», erklärt Rainer Kistler, Leiter des Zuger Amtes für Umweltschutz. Gewässer seien vor allem eine wichtige Lebensgrundlage von Menschen, Tieren und Pflanzen. Dem Amtsleiter sind die Ergebnisse der WWF-Studie bekannt. Doch Kistler will diese nicht als alarmierend bezeichnen. Die kürzlich erschienene Studie «Zustand der Schweizer Fliessgewässer» des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) hält fest, dass sich die Qualität der Gewässer dank der bisherigen Anstrengungen stark verbessert habe. Trotzdem beurteilt das Bafu bei rund einem Drittel der Messstellen den ökologischen Zustand noch nicht als ausreichend. «Es bleibt somit ein Handlungsbedarf», sagt Kistler.

WWF und Bafu sind sich damit einig: Die Ziele der Gewässerschutzverordnung sind nicht erreicht. «Eine weitere Verschlechterung des Gewässerzustands muss unbedingt verhindert werden», kommt der WWF zum Schluss. In der Schweiz liege ein grosses Potenzial zur Verbesserung des Gewässerzustands brach. Hier brauche es in den nächsten Jahren grosse Anstrengungen aller Beteiligten, um die Ziele im Gewässerschutz zu erreichen. Ähnlich sieht das auch Kistler: «Wir haben mehr Möglichkeiten», sagt er. Dies betrifft einerseits Optimierungen bei den bestehenden Kläranlagen, den Ausbau der wichtigsten Kläranlagen zur Elimination von Mikroverunreinigungen, Massnahmen in der Landwirtschaft zur Reduktion von Nährstoffeinträgen und Pflanzenschutzmitteln und anderes. Weiterer Handlungsbedarf besteht dort, wo die Gewässer stark verbaut sind und beispielsweise die Fischwanderung stark beeinträchtigt oder gar unmöglich ist.

Massnahmen greifen

Warum hat Zug in der WWF-Studie zum Zustand der Gewässer so gut abgeschnitten? «Einerseits sicher, weil im Kanton bereits viel für die Verbesserung des Gewässerzustandes getan wurde», sagt Kistler. Er erinnert zum Beispiel an den Bau der Ringleitung des Gewässerschutzverbandes der Region Zugersee-Küssnachtersee-Ägerisee (GVRZ), um den Zugersee mit der zentralen Kläranlage Schönau, aber auch an die Revitalisierungs- und Renaturierungsprojekte an der Lorze und der Reuss und weiteren kleineren Bächen anzuschliessen. Durch das Messnetz erkennen die Behörden einerseits, wo die Belastung von Gewässern zu hoch ist, und können Massnahmen ergreifen, etwa bei fehlerhaften Anschlüssen oder bei Einleitung von belastetem Abwasser. Andererseits beraten das Amt für Umwelt und der GVRZ die Gemeinden bei der kommunalen Entwässerungsplanung ihres Siedlungsgebietes und bei der Verbesserung der Abwasser­situation.

Auch könnten einzelne kleine Kläranlagen aufgehoben werden zu Gunsten eines Anschlusses an eine grössere Kläranlage mit einer besseren Reinigungsleistung. «Weiter beurteilen wir die Abwassersituation bei allen Baugesuchen ausserhalb der Bauzone und prüfen, ob die gesetzlichen Vorgaben eingehalten sind», sagt Kistler. Zudem arbeitet man beim Amt für Umweltschutz mit anderen Ämtern wie dem Tiefbauamt, dem Amt für Raumplanung, dem Amt für Wald und Wild sowie dem Landwirtschaftsamt zusammen, wenn es um anstehende Fragen zu Schutz und Nutzung von Gewässern wie zum Beispiel Renaturierung, Restwasser oder Fischauf- und -abstiege geht.

Hohe Belastung durch Phosphor

Der Anteil an Gewässern, die noch weitgehend in ihrem natürlichen Bett fliessen, ist im Kanton Zug vergleichsweise hoch. Doch betrachtet die WWF-Studie nur Fliessgewässer, sodass leider der Zugersee mit der immer noch zu hohen Phosphor-Belastung nicht in die Bewertung einfliesst. «Der Zugersee ist nach wie vor einer der Seen mit der höchsten Nährstoffbelastung in der Schweiz, und hier sind weitere Anstrengungen notwendig, um die Ziele der Gewässerschutzgesetzgebung mit einer ausreichenden Wasserqualität zu erreichen», sagt Kistler. Er sei sich bewusst, dass man in der Schweiz sehr eng aufeinander lebe und dass der Boden ein endliches Gut sei. «Aber ich wünsche mir, dass das Bewusstsein wächst, dass unsere Gewässer ein zentrales Element mit vielen wichtigen Funktionen darstellen, das auch seinen Raum beansprucht», sagt Kistler.

Bernard Marks

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