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ZUG: Welche Rolle spielt die Konfession noch?

In der Jungwacht Blauring und der Pfadi war es früher nicht unüblich, im Lager Gottesdienste abzuhalten. Die Nähe der Jugendverbände zu den Kirchen sind noch immer vorhanden. Heute bemüht man sich aber um einen offenen Umgang mit der Religion.
Livio Brandenberg
Ein Fixpunkt im Jahresprogramm der Jugendverbände: das Sommerlager. Auf dem Bild zu sehen ist die Pfadi Baar beim Verladen des Materials für das Lager im letzten Sommer. (Bild: Werner Schelbert (7. Juli 2017))

Ein Fixpunkt im Jahresprogramm der Jugendverbände: das Sommerlager. Auf dem Bild zu sehen ist die Pfadi Baar beim Verladen des Materials für das Lager im letzten Sommer. (Bild: Werner Schelbert (7. Juli 2017))

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Viele Jugendverbände auf der ganzen Welt haben einen kirchlichen Hintergrund. So auch in der Schweiz die katholische Jungwacht Blauring (Jubla) sowie der reformierte Cevi. Doch welche Rolle spielt die Kirche oder die Religion heute überhaupt noch in diesen Verbänden? Und wie sieht es in der konfessionsneutralen Pfadi aus?

Denn das ist gemäss eigener Definition – grundsätzlich – der grosse Unterschied zwischen der Pfadi und den anderen beiden grossen Jugendverbänden: die religiöse und politische Unabhängigkeit. Mit ihrem Programm wolle sie «alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unabhängig von Nationalität, Konfession oder sozialem Hintergrund ansprechen», heisst es auf der Website der Pfadibewegung Schweiz. Jedoch ist dieser Unterschied zu den anderen Verbänden ein wenig zu relativieren, da einzelne Pfadis durchaus von den Pfarreien in ihren Gemeinden unterstützt werden.

Florin Meier ist Präsident der Pfadi Zytturm (Zug – Oberwil – Walchwil). Er sagt: «Die Pfadi ist konfessionsneutral, und entsprechend offen für alle. Wir pflegen und schätzen jedoch den Kontakt zur lokalen Reformierten und Katholischen Kirche sehr und können auf eine langjährige und gute Zusammenarbeit zurückblicken.» Die Zuger Kirchen sehe man heute, wie die Stadt Zug und die Gemeinde Walchwil, als Partner. Für die Unterstützung der Jugendarbeit sei die Pfadi allen Partnern, darunter diverse Institutionen und Privatpersonen, dankbar. «Wie die Stadt Zug und die Gemeinde Walchwil unterstützt die Reformierte und die Katholische Kirche unsere Pfadiarbeit sowohl finanziell, insbesondere die Lager, als auch materiell durch das Zurverfügungstellen von Räumen», so Meier. Zudem dürfe die Pfadi ihre Präsenz an Pfarreianlässen wie Quartier- oder Pfarreifesten oder am Palmsonntag zeigen. «Dies ist für die Kirche natürlich eine gern gesehene Unterstützung, für uns aber zugleich eine gute Plattform, um uns zu präsentieren.» Zudem stellt die Katholische Kirche der Pfadi mehrere Präses zur Seite. Das sind erwachsene Personen, die von der Kirche angestellt sind. «Diese sind für unsere Leiter ‹im Quartier› Ansprechpartner seitens der Kirche. Sie unterstützen uns bei Bedarf auch vereinzelt bei der Vorbereitung und Durchführung von besinnlicheren Programmblöcken wie beispielsweise unserer traditionellen ‹Waldweihnacht›». Die Pfadibewegung Schweiz habe die «Auseinandersetzung mit der Spiritualität in ihren Grundlagen verankert». Gottesdienste finden laut Meier in den Lagern heute aber keine mehr statt.

Die meisten Mitglieder sind katholisch oder reformiert

Die Konfessionsneutralität werde in der Pfadi gelebt, sagt Meier. «Wir haben Kinder, Jugendliche und Leitende die unterschiedlichsten Religionen angehören oder konfessionslos sind. Unbestritten gehören jedoch wohl die Mehrheit unserer Mitglieder der Römisch-katholischen oder Reformierten Kirche an, wohl analog der statistischen Verteilung der Konfessionen in Zug.» Bei Anlässen, bei denen man auf die Unterstützung der Kirchen zurückgreife, werde darauf geachtet, «dass das Programm neutral, also für alle zugänglich gestaltet wird».

Bei der Jungwacht Blauring ist das Verhältnis zur Kirche klar, sie weist es auch in ihrem letztes Jahr überarbeiteten Haltungspapier «Glauben und Kirche» aus. Dort heisst es: «Jungwacht Blauring ist Teil der Kirche.» Valentin Beck, der in der Bundesleitung der Jubla für den Bereich Glauben & Kirche zuständig ist, sagt, man habe im Verband in den letzten Jahren intensiv diskutiert und auch Jubla-Leitende aus der ganzen Schweiz befragt, um herauszufinden, wie das Verhältnis zur Kirche wahrgenommen wird und wie dieses in Zukunft aussehen soll. «2012 und 2014 hatten wir grosse nationale Zukunftskonferenzen. Dort haben die Leitenden den Grundentscheid gefällt, dass die Jubla Teil der Kirche bleiben soll», so Beck.

Doch man hat auch ein Problem gesehen: «Die Haltung zur Kirche war nicht mehr zeitgemäss aufgrund der Sprache. Zur theologischen oder liturgischen Symbolsprache haben viele Jugendliche heute keinen Zugang mehr», sagt Beck. Dazu gehöre die inkludierende Sprache, also beispielsweise Sätze wie: «Ihr seid alle Gottes Kinder, auch wenn ihr es gar nicht wisst». Beck: «Solche Sätze wollen wir nicht mehr gebrauchen, denn es sollen ausdrücklich auch andere Meinungen Platz finden und respektiert werden.» Dort, wo das Religiöse zur Zusammensetzung der Gruppe passt und «nicht aufgedrückt wird», wie es Beck ausdrückt, sei es völlig in Ordnung und auch willkommen. «Aber nur, wenn Sprache und Zeichen verstanden werden. Das ist wichtig.»

Jungwacht Blauring weiterhin mit Gottesdiensten

Distanzieren oder gar schleichend lossagen will sich die Jubla damit aber keinesfalls von der Kirche. So finden etwa vielerorts weiterhin Lagergottesdienste statt. Auch hier werde allerdings Rücksicht genommen auf die konfessionelle Vielfalt. Wenn es etwa um die Schöpfung gehe, dann werde darauf geachtet, dass Raum für Interpretationen bleibt, also nicht nur die Lehre des einen schöpfenden Gottes erwähnt werde, erklärt Beck. «Und wenn beispielsweise muslimische Kinder oder Jugendliche anwesend sind, dann können auch einmal beide Gottesnamen erwähnt werden.» Es gehe ganz allgemein darum, die Gemeinsamkeiten zu betonen. «Denn es gibt viele Werte, die alle Jubla-Mitglieder unabhängig von ihrer Glaubenshaltung teilen. Bei uns stehen zum Beispiel der Solidaritätsgedanke, Lebensbejahung und die Gemeinschaft im Zentrum.»

Um mitmachen zu dürfen, muss man bei der Jubla schon lange nicht mehr zwingend katholisch sein. Auch wenn es darum gehe, Leitungsfunktionen wahrzunehmen, dürfe die Konfession «keine Rolle spielen», sagt Beck dezidiert. «Der Name ‹katholischer Jugendverband› kann auch ein falsches Bild wecken. Die Konfessionalität gilt für den Gesamtverband und ist Teil unseres Profils. Sie muss aber nicht für das einzelne Mitglied gelten.» So gehören dem Verband auch Konfessionslose, Reformierte und – jedoch sehr wenige – Muslime an. Eine genaue Aufschlüsselung nach Konfession der Mitglieder hat die Jubla nicht. Gemäss einer Studie der Hochschule Luzern aus dem Jahr 2011 ist der Grossteil der Jubla-Leitenden katholisch (80 Prozent), während nur 6,5 Prozent von ihnen konfessionslos sind. Der Verband möchte sich künftig noch mehr öffnen und kulturell durchmischter werden, «das wäre sicher interessant», sagt Beck. Die Jubla wolle noch stärker einen Beitrag zur Integration von Kindern und Jugendlichen leisten. «Es ist nicht nur der lokale Fussballklub, der dies kann», ist der Jubla-Vertreter überzeugt.

Präsent ist die Kirche in der Jubla weiterhin, etwa auch durch die Begleitfunktion der Präsides, deren Aufgabe es unter anderem sei, spirituelle Anregungen einzubringen. Sie sind auch die Verbindung zur Pfarrei, laut Valentin Beck «eine zentrale Rolle für ein gelingendes Mitgestalten der Kirche vor Ort». Und schliesslich wird die Jubla von der Kirche konkret unterstützt. Diese Unterstützung laufe sehr unterschiedlich ab, sagt Beck: «Einerseits über die Präses-Funktion, aber auch über die Werbemöglichkeiten in den kirchlichen Medien, der Zurverfügungstellung von Räumlichkeiten – unsere Lokale sind oft in der Pfarrei.» Weiter unterstützt die Kirche die Jubla-Scharen auch mit Material, also zum Beispiel mit einem Beamer oder einer Leinwand, die man ausleihen könne. Die Kirchgemeinde steuere oft auch einen Pauschalbeitrag bei, meist jährlich, bei oder aber Projektbeiträge für Lager. Man sehe die Kirche aber keineswegs als Sponsor, so Beck. «Sondern die Jubla ist ja Teil der Kirche. Wir sind von den Statuten her ein kirchlicher Verein.»

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