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ZUG: Wenn aus Kleidern Kunst wird

Ist Mode Kunst? Bei Christa de Carouge schon. Die neue Ausstellung im Kunsthaus Zug zeigt dies eindrücklich.
Haymo Empl
Die Designerin Christa de Carouge inmitten von Stücken ihrer Ausstellung im Kunsthaus Zug. (Bild: Werner Schelbert (16. November 2017))

Die Designerin Christa de Carouge inmitten von Stücken ihrer Ausstellung im Kunsthaus Zug. (Bild: Werner Schelbert (16. November 2017))

Haymo Empl

redaktion@zugerzeitung.ch

Die Schweizerin Christa de Carouge hat einen einzigartigen Stil geprägt – radikal, minimalistisch und kompromisslos. An der gestrigen Präsentation der neuen Ausstellung, die schlicht «Christa de Carouge» heisst, präsentierte der Direktor Matthias Haldemann das Lebenswerk der Designerin. Wobei «Künstlerin» hier angebrachter wäre. Christa de Carouge war an der gestrigen Präsentation ebenfalls anwesend und erzählte, warum es wie zu welchem Kleidungsstück gekommen ist und was die Überlegungen dahinter waren. So wurden die ausgestellten Kleider für den Betrachter letztendlich zu Objekten; was auch für das herkömmliche Kunstverständnis äusserst passend ist und für die Masse die Ausstellung von «Mode» im Kunsthaus rechtfertigt. Aber eben. Christa de Carouge macht eigentlich keine «Mode». Denn ihre Kleider sind Kunstwerke, die bereits jetzt schon zeitlos sind.

Kunst statt Kommerz

Christa de Carouge wurde mit ihren Kleidern in einer Dekade gross, als die Zeichen auf Konsum und weniger auf Kultur standen; es waren die frühen 1980er- Jahre. Swatch erfand damals gerade die Wegwerfuhr, die grossen internationalen Kleiderkonzerne begannen zu expandieren und bewarben saisonale Billigmode, die nach wenigen Wochen in den Abfall wanderte ... und plötzlich tauchte da eine Frau auf, die Schwarz als Farbe definierte, Menschen anzog sowie die Frau vom Objekt zum Subjekt machte und, so ganz en passant, auch mit dem gängigen Verständnis von Geschlechterrollen spielte. Christa de Carouge erklärte gestern, woher sie ihre Inspiration für die Bekleidung holte: Früher sei sie viel gereist, habe die Eindrücke aufgesogen und verarbeitet. «Ich wollte beispielsweise aufgrund einer solchen Reise dann ein Kleid machen, welches wie ein Tempel ist.» Zu Hause setzte sie das dann auch um. Das Kleid hängt derzeit im «Spielraum» im Kunsthaus. Spielraum heisst, dass man dort die Kleiderkunst von de Carouge auch ausprobieren darf. Bedeutet: anziehen und effektiv damit spielen.

Denn die Werke von Christa de Carouge laden förmlich zum Experimentieren und Berühren ein. Dreht man sich in einem der ausgestellten Kleider um die eigene Achse, beginnt dieses sich mit Luft zu füllen, ganz ähnlich wie ein Heissluftballon. Dadurch wirkt das Kleid erwartungsgemäss ganz anders, als wenn es einfach am Bügel hängt.

Mode, die keine ist

Die Kleider von Christa de Carouge vermitteln dem Tragenden ein Gefühl von Geborgenheit, «und das geht nur, wenn man in dem Kleid wohnt», erklärte die Künstlerin gestern vor den Medien. De Carouge war schon immer nonkonform; in einer Art, die nie aufgesetzt wirkt oder sich gar nach einem Trend richtet. «Geh deinen Weg, und bleib auf deinem Weg», hat ihr Max Bill einst gesagt. Der vielfältige Künstler habe sie nachhaltig beeinflusst, erklärte sie gestern. Entsprechend ist ihm einer der Räume indirekt gewidmet: Max Bill experimentierte mit diversen multifunktionalen Gebrauchsgegenständen, Christa de Carouge ebenfalls. Das Ergebnis ist in der Ausstellung in besagtem Raum zu sehen. «Mode war nie mein Konzept», sagte die Künstlerin und erklärte beispielsweise ihr Schlafkleid. Es eignet sich für den (Arbeits-)Tag und man kann problemlos weich, bequem und warm darin schlafen. Die Idee dazu hatte sie in Japan: «Dort werden oft am Abend die Schlafmatten ausgerollt und am Morgen wieder eingerollt. Ich wollte dies vereinfachen.»

Im Kunsthaus werden nicht nur die experimentellen Kleider gezeigt, sondern auch effektiv die «Klassiker» – Kleiderobjekte also, die sofort als «Christa de Carouge»-Stil erkannt werden und die Designgeschichte schrieben und schreiben werden. Christa de Carouges Kleider sind gemacht für Frauen und Männer, die damit ihre Individualität ausdrücken, obschon der Stil an sich schnell auch nach Uniform aussehen kann. Der eigene Körper wird bei Christa de Carouge verhüllt, und dennoch gelingt es dem Tragenden genau dadurch, sein eigenes Ich zu zeigen. Das klappt seit Dekaden erstaunlich gut und ist eigentlich kaum erklärbar. Vielleicht zieht die Mo­de, die keine ist, eben genau diese Menschen an, die es durch ihre eigene Persönlichkeit schaffen, individuell zu sein. Es sind denn auch oft Architekten, Grafiker, Künstler, welche die Kleider von Christa de Carouge tragen und dadurch zeigen, dass sie sich von der gängigen Vorstellung, was «Mode» sein soll, verabschiedet haben und sich letztendlich selbst gefunden haben. Denn für de Carouge sind Kleider nicht einfach Accessoires, sie sind ein Statement.

Charme, Schalk, de Carouge

Viele der Kleiderobjekte im Kunsthaus sind Leihgaben von Privatpersonen, denn Christa de Carouge hat selbst nicht von jeder Kollektion Stücke behalten. Bei fast allen Ausstellungsstücken lässt sich auch klar erkennen, in welcher Schaffensphase die Designerin jeweils war. Sie hat sich definitiv an die Worte ihres «Mentors» Max Bill gehalten, denn der Weg verlief künstlerisch gesehen auf jeden Fall gerade, sicher war er auch steinig und steil.

Würde man das Bild des Weges in die reale Welt übertragen, hätte de Carouge auch dafür das passende Outfit. In Schwarz, natürlich. Die herzliche Frau mit einem unglaublichen Charme und enorm viel Schalk gilt in der Mode und im Design als kompromisslose Puristin; dies kann aber ganz offensichtlich nur möglich sein, wenn man gleichzeitig unglaublich viel auf der Gefühls­ebene zulässt. Dieses Lebenskonzept hat Christa de Carouge begriffen und lebt es. Hinter all dem Schwarz verbergen sich nämlich unglaublich viele Schattierungen. Dies bemerkt man aber nur, wenn man genau hinsieht.

Hinweis

Eröffnung heute um 17.30 Uhr, um 18 Uhr Eröffnungsrede von Christa de Carouge und Matthias Haldemann.

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