Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZUG: Wenn das Kind stirbt: Ein Tabuthema bekommt eine Plattform

Die Reformierte Kirche und die Triangel Beratungsstelle bieten neu eine Gesprächsrunde für Mütter an, die mit dem Tod des eigenen Kindes umgehen müssen. Dabei geht es vor allem ums Zuhören.
Andrea Muff
Kinderfriedhof Cham (Bild: Carlo Schuler)

Kinderfriedhof Cham (Bild: Carlo Schuler)

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Wenn Mutter und Vater erleben müssen, dass das eigene Kind stirbt, ist das – wie jeder Verlust – schwierig zu verarbeiten, zu verstehen, zu akzeptieren. Umso wichtiger ist es, über das Erlebte zu sprechen. Die Reformierte Kirche Kanton Zug und die Triangel Beratungsdienste bieten ab heute jeweils am ersten Dienstag im Monat einen «Raum für Mütter zum Austausch nach dem Tod des eigenen Kindes». Die betroffenen Mütter können sich von 17.30 bis 19 Uhr im Restaurant Pier 41 beim Bahnhof Zug treffen. Sonya Albrecht, Psychotherapeutin des Triangel Beratungsdienstes, und Anja Niederhauser, Spitalseelsorgerin und Regionalpfarrerin, moderieren die Begegnung. «Das ist keine Selbsthilfegruppe: Es geht darum, dass ein geführtes Gespräch entsteht», erklärt Anja Niederhauser. Das Ziel sei, dass die Mütter miteinander ins Gespräch kommen würden. «Wenn ein Kind stirbt, ist man sprachlos und überfordert. Darüber möchten wir sprechen», so die Seelsorgerin. Gegenseitiges Verständnis sei wichtig und nicht das «Geben von Tipps», sondern einfach zuhören.

Stets zu zweit bei den Gesprächsrunden

«Sonya Albrecht und ich sind keine Experten. Wir sagen den Betroffenen nicht, wie sie mit dem Tod umzugehen haben oder in welcher Trauerphase man wann sein sollte», stellt Anja Niederhauser klar und versucht zu erklären: «Jeder soll so sein, wie er ist – jedem geht es so, wie es einem in der Situation gerade geht.» Die Geschichte des Einzelnen steht im Mittelpunkt. «Jeder hat die Freiheit von sich selbst zu erzählen. Unsere Aufgabe ist es, sorgfältig mit den Geschichten umzugehen», fasst Anja Niederhauser zusammen. Die Pfarrerin und die Psychotherapeutin werden wenn möglich stets zu zweit bei den Gesprächsrunden dabei sein. «Es ist auch für uns wichtig, dass wir uns untereinander austauschen können. Die Gesprächsinhalte dürfen nicht nach draussen dringen», versichert Niederhauser.

Thematik passt nicht ganz ins Trauercafé

In Zug gibt es seit vier Jahren ein Trauercafé, welches jeweils am ersten Freitag des Monats im Alterszentrum Neustadt stattfindet. Der Treff für Mütter, die mit dem Tod des eigenen Kindes umgehen müssen, sei anders. «Ich arbeite im Spital als Seelsorgerin und habe eine Mutter begleitet, die ihr Baby eine Woche vor der Geburt verloren hat», erzählt Niederhauser. «Die Mutter fragte, ob wir so etwas, wie ein Treffen im Kanton Zug hätten. Die Thematik passt aber nicht ganz ins Trauercafé, so wollten wir etwas Eigenes schaffen.» Die Kindersterblichkeit sei in der Schweiz verhältnismässig gering, aber trotzdem real: «Die Reaktionen auf den Treff waren erstaunlich. So erfuhr ich von einer Betroffenen, die bereits vor längerer Zeit, ein Kind verloren hatte, aber nie darüber gesprochen hat.» Ein Tabuthema. Anja Niederhauser bestätigt das und sagt: «Ich finde es wichtig, dass Betroffene darüber sprechen und Gefühle zeigen.» Beim Treffen im «Pier 41» und auch anderenorts sollte das möglich sein. Und wer weiss, vielleicht gibt es auch bald ein Treffen für die betroffenen Väter.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.