ZUG: Wenn der Name nicht mehr passt

Privat kann sich jeder so nennen, wie er will. Möchte man seinen Namen aber gesetzlich ändern lassen, braucht es einen amtlichen Entscheid. Pro Jahr werden im Kanton rund 100 solche Gesuche eingereicht.

Carmen Rogenmoser
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Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Er gehört zu uns, seit wir auf der Welt sind. Er definiert und identifiziert uns: der Vorname. Die einen mögen ihren eigenen sehr, andere lernen mit der Zeit, sich mit ihm zu arrangieren, und wieder andere schaffen das nicht und lassen ihn ändern. Privat kann sich zwar jeder so nennen, wie er möchte, beim gesetzlichen Namen verhält es sich aber etwas anders. Dafür braucht es ein amtliches Gesuch. So wurden im letzten Jahr im Kanton Zug 91 Gesuche für eine Namensänderung eingereicht, zum Teil für mehrere Kategorien. 39 davon betrafen den Vornamen. «Die Beweggründe für eine Namensänderung sind unterschiedlich», erklärt Markus Stoll, Abteilungsleiter des Zivilstands- und Bürgerrechtsdienstes des Kantons. «Viele wünschen die Angleichung ihres Vornamens an die gelebte Realität.» Das bedeutet beispielsweise, dass aus Leopold Leo wird.

Hinter dem Wunsch, seinen Namen zu ändern, kann aber auch eine tragische Vergangenheit stecken. «Viele können sich nicht mehr mit ihrem Namen identifizieren, weil ihnen vom Namensgeber Unrecht, etwa sexueller Missbrauch durch einen Elternteil, angetan worden ist», sagt Stoll. Zudem bearbeitet die Abteilung regelmässig Gesuche von Transmenschen, die den Vornamen an das gelebte Geschlecht anpassen möchten – Menschen also, die sich im falschen Geschlecht geboren fühlen und ihre biologischen Geschlechtsmerkmale unwandeln wollen. Öfter als die Änderung des Vornamens wird eine Änderung des Nach­namens beantragt. 2016 waren es 56 Gesuche. Häufig handelt es sich dabei um Anträge von einem Elternteil für die Kinder, die unter der eigenen Obhut sind und nicht den gleichen Familiennamen tragen. Wenn also etwa ein Kind mit dem Familiennamen des Vaters bei der Mutter aufwächst. Die Namensänderung gilt dann nur für die beantragende Person. Automatische Namenswechsel für Familienmitglieder und Verwandte sind nicht möglich.

Das neue Namensrecht hat einen Einfluss

Zudem gab es im letzten Jahr sieben Anfragen, den Ledignamen zu ändern, und drei Gesuche betrafen andere Namen. «Dazu gehören beispielsweise ausländische Mittelnamen», führt Stoll aus. Bewilligt wurden bis jetzt 71 aller 91 Gesuche, 13 sind noch nicht rechtskräftigt erledigt, und 7 wurden zurückgezogen.

Seit 2013 gilt in der Schweiz ein neues Namensrecht. Dabei wurde das Prinzip verankert, dass bei der Heirat jeder seinen Namen behält. Es gibt aber auch die Möglichkeit, einen gemeinsamen Familiennamen zu wählen. Gleichzeitig wurde es einfacher, seinen Namen zu ändern. Statt «wichtigen» werden nun «achtenswerte» Gründe akzeptiert. Dazu gehören etwa seelische Leiden oder auch administrative Probleme. «Eine Namensänderung darf nur bewilligt werden, wenn sie im Endergebnis weder rechts-, sittenwidrig oder missbräuchlich ist», so der Abteilungsleiter. Jeder Kanton verfolgte vorher eine eigene Praxis. Die Kosten für eine Änderung liegen im Kanton Zug gemäss dem Gebührentarif bei etwa 250 bis 440 Franken. Das Gesuch muss schriftlich gestellt werden. «Es ist zu erkennen, dass auch beim Kanton Zug die Namensänderungen seit Einführung des neuen Namensrechts gestiegen sind», sagt Stoll. Besonders hervor sticht dabei das Jahr 2013. Damals wurden 113 Gesuche eingereicht. 2014 waren es 100 und im Jahr 2015 90 Gesuche. Davor, 2011 und 2012, waren es 69 beziehungsweise 59 Gesuche. Allerdings sind das nur die tatsächlich bewilligten Änderungen.

«Die Gründe für die Namensänderungsgesuche sind so individuell wie die Menschen», sagt Stoll – genauso individuell wie auch die Namen selber sind.