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ZUG: Wenn Integrierte integrieren

Azra Trnjanin musste als Kind vor dem Bosnienkrieg fliehen und kam als Flüchtling in die Schweiz. Heute unterrichtet sie am Integrationsbrückenangebot und hilft Migranten bei deren Integration.
Wolf Meyer
Bei ihr werden Jugendliche auf den Arbeitsmarkt vorbereitet: Azra Trnjanin in den Räumlichkeiten des IBA. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Februar 2017))

Bei ihr werden Jugendliche auf den Arbeitsmarkt vorbereitet: Azra Trnjanin in den Räumlichkeiten des IBA. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Februar 2017))

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

Das Integrationsbrückenangebot des Kantons Zug, kurz IBA, ist eine Schule für fremdsprachige Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren. Hier lernen Flüchtlinge und Migranten aus aller Welt innerhalb zweier Jahre Deutsch und Mathematik und weitere Fächer wie Informatik oder Hauswirtschaft. Dabei werden sie auf den Schweizer Arbeitsmarkt vorbereitet.

Doch auf dem Weg dahin müssen viele Hürden überwunden werden. Azra Trnjanin ist Deutschlehrerin und Coach am IBA. «Wieso können wir nicht arbeiten? Wir sind bereit und motiviert», fragen Trnjanin ihre Schüler. Doch das IBA denkt längerfristiger als die Jugendlichen. Sie sollen nicht ihr Leben lang in ungelernten Handlangerpositionen arbeiten müssen, sondern eine vollwertige Ausbildung abschliessen.

Gefährliche und traumatische Flucht

Trnjanin kennt die Schwierigkeiten, denen viele Migranten hier begegnen: 1992 muss sie mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder vor dem Bosnienkrieg fliehen. Damals ist sie 10 Jahre alt. Die Flucht ist gefährlich und traumatisch. Ihr Vater wird in einem Konzentrationslager gefangen gehalten und gefoltert. Der Rest der Familie schlägt sich in die Wälder, um Granatenbeschuss und Kampfhandlungen zu entgehen.

Auf ihrer Flucht gerät Trnjanins Familie vorübergehend in Gefangenschaft und schafft es schliesslich, sich nach Kroatien abzusetzen, wo sie ein Jahr lang in einem Flüchtlingscamp ausharrt. Ein Schicksal, wie es damals viele aus Ex-Jugoslawien teilen. Im August 1993 kommt sie mit ihrer Familie in die Schweiz. Zuerst nach Lausanne, später nach Zug, wo sie einer sechsten Primarklasse zugeteilt wird. Danach besucht sie die damalige Integrationsschule. «Das IBA ist für die Schüler hier eine Familie, da viele von ihnen alleine in der Schweiz sind. Die Jugendlichen teilen hier Geschichten und Erlebnisse, die sich die meisten Schweizer in ihrem Alter gar nicht vorstellen können.» Das hat sie damals selbst so erlebt und sieht es jetzt auch bei ihren Schülern.

Ein Mehrwert, auch für die Gesellschaft

Azra Trnjanin ist nicht nur Deutschlehrerin am IBA, sondern auch Coach. Sie begleitet derzeit sieben Jugendliche über zwei Jahre auf ihrem Weg in die Schweizer Arbeitswelt und unterstützt sie bei der Suche nach Praktika und Lehrstellen. Ihre Schützlinge stammen aus Thailand, Mazedonien, Afghanistan und Eritrea. «Sie müssen nicht nur eine neue Sprache, eine neue Kultur kennen lernen. Bevor sie ans IBA kommen, mussten einige von ihnen ein neues Alphabet verinnerlichen. Darüber hinaus haben anfangs viele gar keine Vorstellung davon, was man alles mitbringen muss, um den Anforderungen des Schweizer Arbeitsmarktes zu genügen. Die Schweiz ist so weit entwickelt, dass viele der Arbeiten, die hier im Dienstleistungssektor geleistet werden, weit ausserhalb der Erfahrungen unserer Schüler liegen.» Diese Lücke gilt es zu schliessen, wenn die jungen Migranten nicht auf einem beruflichen Abstellgleis enden sollen. «Die Investitionen, die wir hier gemeinsam in die Bildung dieser Jugendlichen stecken, werden in Zukunft einen ungeheuren Mehrwert generieren. Sowohl für die Migranten persönlich, wie auch für die Gesellschaft als Ganzes.»

Von der Politik hält sie sich fern

Obwohl das Thema Flüchtlinge seit längerem einen grossen Platz einnimmt in der Agenda der Schweizer Politik, hält sich Trnjanin aus dieser Debatte so gut wie möglich raus. «Ich beschäftige mich jeden Tag mit dem Thema, trage den Kern der ganzen Diskussionen in meiner eigenen Vergangenheit. Da finde ich nicht die Kraft, mich auch noch politisch zu engagieren. Manchmal bin ich es müde, immer nur über Integration zu sprechen. Einerseits gibt es für mich ganz klar Fälle, in denen Menschen ein Recht darauf haben, hier aufgenommen zu werden, weil ihre Situation derart schrecklich ist, dass es unmenschlich wäre, sie nicht aufzunehmen. Andererseits finde ich es aber auch legitim, dass sich die Gesellschaft in ihrer Hilfsbereitschaft gewisse Grenzen setzt.»

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