ZUG: Wer beerbt Andreas Hotz? In Baar beginnt das Sesselrücken

Wer beerbt Gemeindepräsident Andreas Hotz? Diese Frage gibt bereits rund ein Jahr vor den Wahlen zu reden. Eine erste Kandidatin bringt sich schon in Stellung. Auch um die anderen Sitze entflammt der Wahlkampf langsam, aber sicher.

Rahel Hug
Drucken
Teilen
Das Gemeindehaus in Baar. (Bild: Werner Schelbert)

Das Gemeindehaus in Baar. (Bild: Werner Schelbert)

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Kurz vor den Sommerferien liess Andreas Hotz die Katze aus dem Sack. Er werde nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandi­dieren, gab der Baarer FDP-­Gemeindepräsident bekannt. Neben Bauchef Paul Langenegger (CVP) und Finanzchef Hans Steinmann (SVP) ist er bereits der Dritte aus dem siebenköpfigen Gremium, der seinen Rücktritt per Ende 2018 angekündigt hat. Ein Teil der «alten Garde» wird also künftig nicht mehr für die Gemeinde politisieren; in der Exe­kutive zeichnet sich ein Generationenwechsel ab.

Es stellt sich nun die Frage, wer bei den Wahlen im Oktober 2018 das Gemeindepräsidium anpeilen und dereinst Andreas Hotz beerben wird. Eine Umfrage bei den bisherigen Gemeinderätinnen und -räten zeigt, dass die meisten noch keinen definitiven Entscheid gefällt haben. Eine klare Ansage kommt von Schulpräsidentin Sylvia Binzegger. «Aufgrund meiner 16 Jahre Erfahrung und erfolgreichen Tätigkeit als Gemeinderätin werde ich auch als Gemeindepräsidentin kandidieren», sagt sie. Zahlreiche Reaktionen aus der Bevölkerung und das gute Wahlresultat im Jahr 2014 würden sie in diesem Entscheid bestärken. «Details zu meiner Kandidatur fol­-gen später», sagt die langjährige CVP-Politikerin. «Bis zu den Wahlen gibt es noch viele Herausforderungen in Baar zu be­wältigen. Dafür setze ich meine Kompetenzen gerne ein.»

Einsatz für die Kontinuität im Gremium

Binzeggers Parteikollege Pirmin Andermatt – er wurde 2014 gewählt und hat das Amt des Vorstehers Sicherheit/Werkdienst inne – könnte sich eine Kandi­datur als Gemeindepräsident «durchaus vorstellen», wie er sagt. Die Rücktrittsankündigung von Andreas Hotz habe ihn überrascht, «deshalb war diese Frage bis Ende Juni kein Thema für mich». Bereits definitiv fest steht, dass er sich im kommenden Jahr erneut als Gemeinderat zur Wahl stellt. «Das Amt ist abwechslungsreich und herausfordernd.»

Auch Berty Zeiter von der Alternative – die Grünen stellt sich zur Wiederwahl. Sie wolle ihren Teil dazu beitragen, dass vorhandenes Wissen im Gemeinderat erhalten bleibe und eine gewisse Kontinuität gewahrt werde. Ob sie auch fürs Gemeindepräsidium kandidieren wird, lässt die Sozialvorsteherin zurzeit noch offen. «Weder ich noch meine Partei haben in diesem Zusammenhang Entscheide gefällt. Wir sind auf jeden Fall der Ansicht, dass es für Baar an der Zeit wäre, dass eine Frau an der Spitze der Gemeinde steht.»

Erst wenig entlocken lässt sich Jost Arnold. Er ist nebst Andreas Hotz aktuell das zweite FDP-Mitglied im Rat. Arnold hat weder zur erneuten Kandidatur für die Exekutive noch zu einer allfälligen Kandidatur für das Gemeindepräsidium einen Entschluss gefällt. «Ich werde mich im Herbst in Absprache mit der Baarer FDP entscheiden. Noch ist es aber nicht so weit», sagt der Vorsteher Liegenschaften/Sport.

Namen werden noch keine genannt

Nicht nur die Vakanz im Gemeindepräsidium gibt in Baar bereits zu reden, sondern auch die restlichen frei werdenden Sitze im Rat. In den Parteien werden bereits fleissig Strategien geschmiedet – Namen jedoch will zurzeit noch niemand bekannt geben. Die SP und die Grünliberalen sind momentan im Gemeinderat nicht vertreten. Die SP strebt einen zweiten linken Sitz im Rat an, wie Präsident Zari Dzaferi sagt. «Nicht-bürgerliche Wähler sind in der Gemeinde Baar im Gemeinderat untervertreten. Das soll sich ändern. Die SP wird sich zweifelsohne dafür einsetzen, wieder im Gemeinderat vertreten zu sein.» Betreffend Gemeindepräsidium sei es möglich, dass die SP eine Kandidatin oder einen Kandidaten unterstützen werde. «Eine eigene Kandidatur schliessen wir zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nicht aus.» Auch die GLP will den Sprung in den Gemeinderat schaffen. Bernadette Hölzl, Präsidentin der Ortspartei Baar, erklärt, dass man eine Kandidatin oder einen Kandidaten stellen werde. «Unsere Strategie ist es, unsere Kandidatur durchzubringen und den Gemeinderat mit neuen, frischen Personen aus der bürgerlichen Mitte zu verjüngen und Baar für die nächsten Jahre politisch fitter zu machen.»

Der Vorstand der SVP Baar will mit zwei Kandidaten in den Wahlkampf steigen, wie Präsident Oliver Wandfluh verrät. «Prioritäres Ziel ist es, unseren frei werdenden Sitz zu verteidigen.» Dass die SVP auch für das Gemeindepräsidium kandidiere, sei zurzeit nicht vorgesehen, so Wandfluh. Die Alternative – die Grünen Baar wird neben Berty Zeiter niemand anderes portieren. Präsidentin Anna Lustenberger erklärt: «Die Stimmen würden aufgesplittet. Das wäre nicht gut.» Auch sie ist der Meinung, dass die Zeit für eine Frau im Gemeindepräsidium reif sei. Für die FDP hat «oberste Priorität, dass wir unsere beiden Sitze halten können», führt Präsident Michael Arnold aus. Man sei mit den potenziellen Kandidatinnen (bisherigen und neuen) in regem und intensivem Kontakt. Die Option, auch für das Gemeindepräsidium in den Ring zu steigen, behalte man sich vor. «Wir werden abwarten, wie die Entscheidungen der bisherigen Gemeinderäte aussehen. Ganz ausgeschlossen ist diese Variante zum jetzigen Zeitpunkt nicht.»

Die aktuell stärkste Partei ist in Baar die CVP. «Diese Position wollen wir bei den Wahlen 2018 verteidigen», sagt Präsidentin Barbara Häseli. Das bedeutet für sie auch, die drei Sitze im Gemeinderat zu halten. «Wir werden also sicherlich mit einer neuen Kandidatin oder einem neuen Kandidaten antreten.»