ZUG: Werden im Salesianum bald Flüchtlinge untergebracht?

Das historische Gebäude steht leer. Ein Gemeinderat schlägt vor, dass das Haus als Unterkunft für Asylsuchende zwischengenutzt wird. Und rennt damit offene Türen ein.

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Die Alfred Müller AG führt Gespräche mit dem Kanton über eine Zwischennutzung des historischen Gebäudes. (Bild: Werner Schelbert /  Neue ZZ)

Die Alfred Müller AG führt Gespräche mit dem Kanton über eine Zwischennutzung des historischen Gebäudes. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Auf dem Grundstück des Salesianums, im ehemaligen Internatsgebäude, soll vorübergehend Platz für Flüchtlinge geschaffen werden. Das schlägt kurz zusammengefasst Richard Rüegg, Mitglied des Grossen Gemeinderats der Stadt Zug, in einer Kleinen Anfrage vor, die er vor kurzem eingereicht hat. Konkret will der CVP-Gemeinderat wissen, ob die Stadt die momentanen Eigentümer betreffend eine Zwischennutzung anfragen würde. «Überall wird nach Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge gesucht. Das historische Gebäude wurde als Schule genutzt. Aktuell steht es leer, und bislang gibt es auch keine Pläne, dass in naher Zukunft etwas mit dem Gebäude passiert. Aus meiner Sicht wäre es darum ideal, wenn man dort eine Zwischennutzung realisieren könnte», begründet Rüegg seinen Vorstoss.

Mit seinem Anliegen scheint der Gemeinderat offene Türen einzurennen. Zwar winkt man seitens der Stadt ab, weil man nicht die zuständige Behörde sei. «Es liegt nicht in der Kompetenz der Stadt, über eine Nutzung oder eine Zwischennutzung des Gebäudes zu befinden, da die Stadt nicht Eigentümerin ist», erklärt André Wicki, Vorsteher des Baudepartements. Die Stadt sei hier lediglich Bewilligungsbehörde und könne hinzugezogen werden, wenn es für eine Nutzung als Asylzentrum baurechtliche Abklärungen brauche.

Gespräche mit dem Kanton

Bei der Alfred Müller AG, die das Salesianum im Baurecht von den Menzinger Schwestern erworben hat, zeigt man sich offen für den Vorschlag. Die Direktion des Innern suche bekanntlich seit einiger Zeit geeignete Unterbringungsmöglichkeiten für Asylsuchende und Flüchtlinge. «Da wir im Kanton Zug zahlreiche Liegenschaften besitzen, hat sie uns schon im Sommer angefragt, ob wir befristet Räumlichkeiten oder Gebäude für die Unterbringung solcher Personen zur Verfügung stellen könnten», erklärt Esther Lötscher, Kommunikationsverantwortliche der Alfred Müller AG. Man wolle in der aktuellen Krise gerne Hand bieten und habe diese Anfrage wohlwollend entgegengenommen. «Zusammen mit dem Kanton prüfen wir verschiedene Optionen, wobei die vorübergehende Nutzung des Salesianums eine ist», erklärt Lötscher weiter. Gleichzeitig betont sie, dass diesbezüglich noch nichts beschlossen sei. Demnach ist auch nicht klar, wie viele Personen im Salesianum untergebracht würden und wie lange das Gebäude zwischengenutzt werden könnte.

Der Kanton prüfe zurzeit alle Optionen zur Unterbringung von Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich, frage alle potenziellen Anbieterinnen und Anbieter von Liegenschaften an, führt Jris Bischof, Leiterin des kantonalen Sozialamtes, aus. Auch das Salesianum sei eine Möglichkeit. «Sobald eine Entscheidung gefällt wird, werden selbstverständlich die Nachbarschaft und die Öffentlichkeit informiert», so Bischof.

Projekt blockiert

Die Alfred Müller AG plant, auf dem Grundstück des Salesianums eine Überbauung mit insgesamt 56 Wohnungen in acht Häusern zu realisieren. Aktuell ist das Projekt jedoch blockiert, weil das Stadtzuger Stimmvolk noch über den Bebauungsplan befinden wird. So hat es der Grosse Gemeinderat in seiner Sitzung vom 29. September beschlossen. Der Rat stimmte damals zwar dem Bebauungsplan zu, allerdings fand auch das Behördenreferendum eine Mehrheit. Die Abstimmung findet voraussichtlich am 28. Februar 2016 statt. Eine endgültige Nutzung für das historische Gebäude ist im Bebauungsplan noch nicht definiert. Das Haus der Papierkultur, das die Hotz-Gruppe in dem Gebäude realisieren wollte, ist jedoch bereits seit einiger Zeit definitiv vom Tisch.

Samantha Taylor