ZUG: Widerstand gegen SBB-Projekt am Zugersee

Mehrere Zuger Parlamentarier legen sich mit ihrer Regierung und mit der SBB an: Die Politiker wollen verhindern, dass ab 2016 die Bahnverbindung entlang des Zugersees für zwei Jahre gesperrt wird.

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Die doppelspurige Gleisführung bei der Einfahrt in den Bahnhof Walchwil. Die Strecke zwischen Walchwil und Oberwil soll ausgebaut werden. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die doppelspurige Gleisführung bei der Einfahrt in den Bahnhof Walchwil. Die Strecke zwischen Walchwil und Oberwil soll ausgebaut werden. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Ende 2016 ist es soweit: Der Gotthard-Basistunnel wird eröffnet. Er soll die Reisezeit in den Süden um 40 Minuten verkürzen. In den ersten zwei Jahren werden die Passagiere, die von Zürich her kommen, von dieser Einsparung jedoch nicht viel merken. Statt 40 Minuten werden sie nur deren 20 einsparen.

Den Rest der Zeit verbringen sie auf einem Umweg nach Rotkreuz, wo der Zug in einer Spitzkehre die Richtung wechselt und erst dann Richtung Süden weiterfährt. Grund für den Umweg sind Bauarbeiten am Ost-Ufer des Zugersees, die nach der Eröffnung des Basistunnels gestartet werden.

Neben Sanierungsarbeiten soll ein 1,7 Kilometer langer Doppelspur- Abschnitt erstellt und die Strecke zudem für Doppelstockzüge befahrbar gemacht werden. Insgesamt investiert die SBB in 42 Einzelprojekten 200 Millionen Franken.

SVP und Grüne protestieren gemeinsam

Die Arbeiten sind so umfassend, dass es nach Ansicht der SBB am besten ist, die Neat-Zuliefer-Strecke während zwei Jahren komplett stillzulegen. Zuger Kantonsräte protestieren jedoch dagegen, so etwa Martin Stuber von den Grünen und SVP-Parlamentarier Philip Brunner, die das Heu sonst nicht auf der gleichen Bühne haben.

Beide sitzen in der Kommission für öffentlichen Verkehr (KÖV) und verlangen von der SBB, bei diesem Projekt noch einmal über die Bücher zu gehen. «Die Strecke soll saniert werden, während dem der Zugbetrieb läuft», forderte Stuber am Freitag vor den Medien. Auf anderen Strecken sei dies schliesslich auch möglich.

Für sie ist klar, dass die SBB mit der Komplett-Sperrung lediglich Geld sparen will. Völlig vernachlässigt werde dabei der Komfort der Fernverkehrs-Passagiere und jener der Zuger Pendler, die während zwei Jahren auf einen Bus ausweichen müssen. Die SBB wolle hier nur ein Präjudiz schaffen, um künftig auch auf anderen Strecken den Verkehr für längere Zeit stilllegen zu können.

Protest auch aus Zürich

«Natürlich müssen wir haushälterisch mit dem Geld umgehen», entgegnete SBB-Sprecherin Lea Meyer auf Anfrage der sda. Schliesslich würden hier Bundes- und damit auch Steuergelder verbaut.

Würde die SBB die Bauarbeiten um den Betrieb herumplanen, stiegen die Kosten um 25 Prozent. Die Arbeiten würden gemäss Meyer zudem massiv länger dauern und Passagiere und Anwohner abends und in der Nacht beeinträchtigen.

Die Zuger sind nicht die einzigen, die sich gegen die Sperrung der Zugersee-Strecke zur Wehr setzen. Auch im Zürcher Kantonsrat war die Verzögerung bei der Reise ins Tessin bereits Thema. Das Parlament erklärte vor vier Wochen ein Postulat für dringlich, das vom Regierungsrat verlangte, Stellung zum Thema zu beziehen.

Die Zürcher Antwort tönte jedoch ähnlich wie eine frühere Stellungnahme der Zuger Regierung: Die Sperrung der Neat- Zufahrtsstrecke sei nachvollziehbar und sinnvoll. Der Fahrzeitverlust sei zwar unerfreulich, müsse aber wohl oder übel in Kauf genommen werden. Ob die Zürcher Parlamentarier das Thema weiterverfolgen, ist noch unklar.

Zuger Parlament muss Richtplan ändern

Für die Zuger Kantonsräte, welche die Sperrung kritisieren, ist hingegen klar, dass sie sich mit der Antwort ihrer Regierung nicht zufriedengeben. Wenn es um öffentlichen Verkehr gehe, werde immer alles abgenickt, kritisierte SVP-Politiker Brunner. Man vertraue einfach vorbehaltlos den SBB-Experten.

Der Ausbau der Zugersee-Strecke wird voraussichtlich im Juni Thema im Zuger Kantonsrat. Damit die SBB den Doppelspur-Abschnitt bauen kann, muss das Parlament eine Richtplanänderung absegnen. Verweigert der Rat diese Änderung, wird dies zwar die Totalsperre nicht aufhalten - doch die geplante Kapazitäts-Erhöhung entlang des Zugersees wäre blockiert.

sda