ZUG: Wie stehts mit Fachkräftemangel?

Woher stammen die Fachkräfte in den Unternehmen im Kanton? Und herrscht wirklich ein Mangel an solchen Kräften? Die SP-Fraktion will dazu Antworten.

Harry Ziegler
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Woher stammen etwa all die Business-Fachkräfte, die in Zug arbeiten? Blick auf das auf das Focus Business Center in Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Woher stammen etwa all die Business-Fachkräfte, die in Zug arbeiten? Blick auf das auf das Focus Business Center in Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Harry Ziegler

«Fachkräftemangel» – das Wort taucht immer öfter in Diskussionen um den Wirtschaftsstandort Schweiz auf. Auch im Kanton Zug ist der mutmassliche Mangel an Fachkräften immer mehr Thema. Die SP-Fraktion im Zuger Kantonsrat will nun in einer Interpellation wissen, ob das Thema Fachkräftemangel, bezogen auf den Kanton Zug, mehr als nur eine Worthülse sei. «Das Thema Fachkräftemangel ist omnipräsent. Firmen monieren, ihren Personalbedarf nicht oder nur mit grossen Anstrengungen – insbesondere durch qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland – decken zu können», schreibt die Fraktion. Und weist darauf hin, dass «gleichzeitig viele Menschen auf Stellensuche trotz Qualifikation und unzählige Bewerbungen keine Stelle» finden. Viele Stellensuchende seien für eine freie Stelle durchaus qualifiziert oder sogar überqualifiziert, schreibt die Fraktion weiter. Das würden auch Personalfachleute feststellen.

Normen nicht erfüllt

Die SP-Fraktion ist der Meinung, die Arbeitslosenzahlen, die monatlich vom Kanton Zug publiziert würden, bildeten die tatsächliche Erwerbslosigkeit nicht ab. Die vom Kanton veröffentlichte Arbeitslosenquote basiere auf den Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Diese Seco-Zahlen würden international anerkannte Normen nicht erfüllen. Denn: «Die Arbeitslosenquote des Seco misst nur die bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren registrierte Stellensuchenden», so die Fraktion. Aussagekräftiger sei die Erwerbslosenquote, die von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erhoben werde. Diese messe die Anzahl Personen, die in der Referenzwoche nicht erwerbstätig waren, in den letzten vier Wochen aktiv Arbeit gesucht haben und zur Aufnahme einer Tätigkeit innerhalb von zwei Wochen verfügbar wären. Gemäss ILO betrug die Arbeitslosenquote der Schweiz Ende 2014 4,5 Prozent, während das Seco eine solche von 3,4 Prozent – also eine um 1,1 Prozent tiefere Quote – auswies. Für den Kanton Zug, so die SP, werde die Erwerbslosenquote nach ILO nicht publiziert.

Mangelnde Sorgfalt?

Für die Interpellantin stellt sich die Frage, «ob tatsächlich Fachkräftemangel herrscht». Zudem müsse geklärt werden, weshalb die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer den «sogenannten Fachkräftemangel unterschiedlich wahrnehmen». Zudem müsse man sich Klarheit verschaffen, ob die Arbeitgeber sich vorwiegend aus Kostengründen für Fachkräfte aus dem Ausland entschieden. Unklar sei weiter, «wie der Kanton Zug den Nachweis für Fachkräftemangel erbringt und ob er die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und die Quote der Stellensuchenden (Erwerbslose) mit der genügenden Sorgfalt analysiert», heisst es in der SP-Interpellation weiter. Unklar sei auch, wie die notwendigen Massnahmen ergriffen würden, um den Ausschluss der Arbeitnehmer vom Arbeitsmarkt zu verhindern.

Kostengründe ausschliessen

Die SP-Fraktion möchte vom Regierungsrat die folgenden Fragen beantwortet haben. So unter anderem, wie der Regierungsrat den Fachkräftemangel definiere oder worauf die regierungsrätliche Analyse respektive der Nachweis des Fachkräftemangels basiere. Offenlegen soll die Regierung auch, auf welchen Indikatoren die Analyse basiere. «Was sind die Gründe, dass Arbeitgeber qualifizierte Arbeitnehmer nicht anstellen und Fachkräfte aus dem Ausland rekrutiert werden?» Und: «Kann ausgeschlossen werden, dass die Arbeitgeber sich vorwiegend aus Kostengründen für Fachkräfte aus dem Ausland entscheiden?» Zudem will die Interpellantin Auskunft darüber, ob die Erwerbslosenquote nach ILO bei der Analyse berücksichtigt werde.

Schliesslich will die SP-Fraktion wissen, wie die Regierung das Ausmass des Fachkräftemangels einschätze und welche Massnahmen getroffen würden, um den Ausschluss der Arbeitnehmer vom Arbeitsmarkt zu verhindern.