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Zug will ein Stück des Werbekuchens

Mit Litfasssäulen, die sich drehen und leuchten, will der Stadtrat mehr Geld einnehmen – viel mehr Geld. Er hat dazu jüngst eine Art Konzession mit Umsatzbeteiligung vergeben.
Zoe Gwerder
Eines der fünf Bauprofile für die geplanten Leuchtdrehsäulen. Hier an der Baarerstrasse beim Fitnesscenter Eichstätte. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 20. Juni 2019). Eines der fünf Bauprofile für die geplanten Leuchtdrehsäulen. Hier an der Baarerstrasse beim Fitnesscenter Eichstätte. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 20. Juni 2019).
Eine Leuchtdrehsäule in der Stadt Zürich. (Bild: PD)Eine Leuchtdrehsäule in der Stadt Zürich. (Bild: PD)
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Zug will ein Stück des Werbekuchens

Ungewöhnliche Bauprofile sind derzeit in der Stadt Zug ausgesteckt. 4,3 Meter hoch 1.45 Meter breit. Sie erinnern etwas an Galgen – einfach mit vier Armen. Wie bei der Stadt zu erfahren ist, handelt es sich dabei um Bauprofile für fünf Werbeträger der neueren Generation: Leuchtdrehsäulen. Diese lassen die Plakate leuchten und können sich drehen – sodass alle Seiten gleichwertig gesehen werden können.

Gemäss dem zuständigen Stadtrat Urs Raschle wurden die Baugesuche zwar von der Stadt ausgeschrieben. Gebaut und betrieben werden die Säulen jedoch von einem privaten Unternehmen. «Wir haben eine entsprechende Ausschreibung gemacht, um dieses Los zu vergeben», erklärt Raschle. Neben den Leuchtdrehsäulen werden zusätzlich auch noch acht Plakatstellen durch digitale Plakate ersetzt. Auch dafür schrieb die Stadt ein Los aus. Sie wird somit keinen weiteren Aufwand mit den Säulen und den digitalen Plakaten haben. Trotzdem ist sie an den Einnahmen beteiligt. Und genau deshalb will die Stadt auch solche Werbeträger aufstellen. «Als ich vor etwas über vier Jahren mein Amt antrat, war klar, dass man im Bereich der Werbung etwas machen muss.» Gemäss Raschle seien bisher rund 60000 Franken Einnahmen durch Werbung budgetiert worden. Dies will die Stadt deutlich steigern. Wie viel mehr es sein soll, will Raschle nicht sagen.

Eine Ahnung der Dimension der Einnahmen, welche durch eine solche Werbestrategie erwirtschaftet werden könnte, zeigt der Blick nach Zürich. Dort wurden digitale Plakate und Leuchtdrehsäulen im Februar 2016 eingeführt. Wie der Tagesanzeiger Ende November 2016 schreib, spülten die total 30 digitalen Werbeträger – wohl inklusive digitaler Plakate – der Stadt 3,2 Millionen Franken in die Staatskasse. Budgetiert seien 1,2 Millionen gewesen. Zwar können die Zahlen nicht direkt auf die Situation in Zug übertragen werden, da sich das Vergabesystem in Zürich von jenem in Zug unterscheidet. Dass es aber ein Vielfaches der aktuellen 60000 Franken sein wird, ist klar. Stadtrat Raschle bestätigt dann auch: «Als ich erstmals von den Zahlen der anderen Städte hörte, war für mich klar, dass es gar keine andere Möglichkeit gibt.» Und aktiv zu werden lohne sich: «Da wir nun die neuen Leuchtdrehsäulen sowie digitale Plakate von uns aus anbieten, können wir auch sagen zu welchem Preis.»

Drehen oder stehen, dies ist noch unklar

Für die genauen Angaben zu den Säulen verweist die Stadt auf das Unternehmen, welches den Zuschlag erhalten hat. «Neo Advertising AG» heisst dieses und ist in Genf stationiert. Zuständig für das Zuger Projekt ist Fabian Kauter. Wie er erklärt, sind für Zug dieselben Säulen geplant wie jene, die bereits in Zürich stehen – das Design Onyx. Anders als die Leuchtdrehsäulen dort, sollen jene in Zug jedoch nur einen Teil ihres Namens erfüllen: leuchten aber nicht drehen. «Wir haben gemeinsam mit der Stadt entsprechende Standorte gesucht, an welchen die Säulen von mehreren Seiten gesehen werden», so Kauter. Die Gründe für das Weglassens des Drehmotors sind sowohl ökologisch wie auch wirtschaftlich. «Der Motor, den es zum Drehen benötigt, braucht am meisten Strom. Zudem wird auch am Tag gedreht, wohingegen das Licht nur nachts benötigt wird.» Und das Licht der Säulen könnte auch durch Sonnen- oder Windenergie betrieben werden, was gemäss Kauter beim Drehen nicht der Fall wäre. «Wir müssten aufwendige Arbeiten vollziehen und Strassenbeläge aufreissen, nur um quasi die Säule an die Steckdose anzuschliessen.» Das Unternehmen könne derzeit aber noch nicht sagen, ob sich die Werbesäulen in Zug dereinst drehen werden. Dies sei insbesondere von den bewilligten Standorten abhängig. «Unser Wunsch wäre es jedoch, die Säulen nicht an das Stromnetz anschliessen zu müssen.»

Geplant sind Standorte für die Lichtdrehsäulen auf dem Bahnhofplatz, beim Fitnesspark Eichstätte, beim Metalli an der Baarerstrasse und an der Industriestrasse, sowie beim Hochhaus Uptown:

Auflagen der Stadt gibt es wenige. Gemäss Stadtrat Raschle hat man aus Sicherheitsgründen Standorte ausserhalb der Altstadt gewählt, um die Verkehrsteilnehmer nicht zusätzlich abzulenken. Und auch die Betriebszeiten sind definiert: Von 6 Uhr bis 22 Uhr dürfen die Säulen leuchten und – sollte dies doch der Fall sein – auch drehen.

In Zürich kostet die Woche 10000 Franken

Die Konzession für die Säulen läuft eigentlich ab kommender Woche. Gemäss Fabian Kauter werden die ersten Lichtdrehsäulen aber frühestens Anfang September in Betrieb genommen werden können. Angesprochen auf die geplanten Einnahmen pro Säule sagt Kauter: «Dies ist derzeit schwierig zu beantworten.» Einzig gesagt werden könne, was das Werben auf solchen Säulen kostet: In Zürich wird das Paket für alle Flächen auf den sieben Säulen während einer Woche für 10000 Franken verkauft.

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