ZUG: Winter hat den Rossberg fest im Griff

Ein Winter 2013/14 hat bisher nicht stattgefunden. Darüber scheinen sich die meisten Zuger einig zu sein. Doch das ist ein gewaltiger Irrtum – oder halt eben sehr relativ, wie ein Augenschein in Zugs höheren Gefilden vom vergangenen Mittwoch zeigt.

Charly Keiser
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Traumkulisse auf dem

Traumkulisse auf dem

Auf dem Zugerberg – also unterhalb 1000 Meter über Meer – liegt nur wenig Schnee. Dies, weil dort das reichliche Nass der letzten Monate in Form von Regen statt als Schnee gefallen ist. Auch zehrt die Sonne an den Schneedecken, wenn diese zu gering und zu wenig kompakt sind. «Es hat viel zu wenig Schnee, um mit dem Loipen-Spurgerät die ganze Loipe perfekt präparieren zu können», sagt Zugerberg-Loipenchef Ruedi Steiner und fügt an: «Da ragen viel zu viele Grasbüschel aus dem Schnee hervor.» Ganz anders sehe es nach dem Eigenried in Richtung Süden aus, ergänzt er. «Dort hinten liegt richtig viel Schnee.»

Schnee und nochmals Schnee

Tatsächlich ändert sich das Bild auf dem Walchwilerberg schlagartig. Denn dort liegt das Weiss in Hülle und Fülle – wie eh und je im Februar. Nur dank Vierradantrieb und guten Spurenrinnen ist es möglich, die Waldlichtung beim Langmösli auf 1075 Meter über Meer zu erreichen und auch zu passieren. Denn dort wird oft viel Schnee auf die Strasse geweht.

Auch durch den Wald bis zum Alplibrüggli ist die Fahrt gut machbar. Doch dann ist Schluss. Denn die Strasse hoch zum Alpliparkplatz ist kaum noch zu erkennen. Und der Föhn macht die fünfhundert Meter dorthin zur Tortur. Die kalten Glieder erwärmen sich nicht, bis das Restaurant Alpli erreicht ist. Hier oben herrscht tiefster Winter. Die berühmten Alplischnitzeli des Ägerers und Älplers Ueli Baumann scheinen in unerreichbarer Ferne. Die Spur, die noch letzte Woche fest und breit war, ist verschwunden. Es ist Zeit, die Schneeschuhe anzuziehen und auch deren Steighilfe auszuklappen. Schnee, Schnee und nochmals Schnee. Sei es auf dem Oberalpli, wo der 2,8 Meter hohe Wegweiser «ziemlich tüchtig» zugedeckt ist, oder auch kurz vor dem Erreichen des Oberbeichlis, wo eine meterhohe Schneewächte den «normalen Weg» unter sich begräbt.

Der Blick ins Tal, der sich vom Beichli und kurz danach vom Gnipen hinunter in die Tiefe präsentiert, erstaunt. Da unten ist alles grün und dunkel – da liegt kein Schnee. Hier oben auf über 1500 Meter über Meer fühlt es sich hingegen an wie in den Alpen. Der Föhn peitscht mit voller Wucht an die Kante des Rossbergs, die Hände sind klamm und trotz der Handschuhe wird es an der Wärme schon bald «Kuhnagel» geben. Der Spaziergang auf den Rossberg gewährt einen veritablen Blick vom Winter in den Frühling. Doch damit hat das Staunen noch kein Ende. Denn auf dem Nachhauseweg und vom Kurzbesuch im Hintergeissboden hinunter nach Zug ändert sich die Szenerie erneut schlagartig: Innert 50 Höhenmeter ist der Winter weg – verschwunden.

Hinweis

Infos unter: www.loipe-zugerberg.ch