ZUG: «Wir hoffen, dass wir das nicht brauchen»

Das Zuger Kantonsspital kann Ebola-Verdachtsfälle behandeln. Die nötigen Schutzanzüge anziehen ist allerdings alles andere als leicht.

Wolfgang Holz
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So wird der Ebola-Schutzanzug angelegt: Corinne Stutz, Leiterin Spitalhygiene (rechts), hilft Oberärztin Katja Eigenmann. (Bild Werner Schelbert)

So wird der Ebola-Schutzanzug angelegt: Corinne Stutz, Leiterin Spitalhygiene (rechts), hilft Oberärztin Katja Eigenmann. (Bild Werner Schelbert)

Um die 20 Grad Celsius ist es wohl in dem Kellerraum des Zuger Kantonsspitals. Und doch rinnt mir schon nach fünf Minuten der Schweiss über die Hände, die in doppelten Gummihandschuhen stecken. Dabei herrschen hier keine 40 Grad Celsius wie in Westafrika, wo derzeit internationale Helfer verzweifelt versuchen, die Verbreitung des Ebola-Virus einzudämmen. Helfer, die so einen Schutzanzug tragen, wie ich ich ihn gerade – assistiert von Corinne Stutz, Leiterin Spitalhygiene und Prävention am Zuger Kantonsspital – angezogen bekomme.

Knallgelb ist der Schutzanzug, von dem im Kantonsspital rund 700 Exemplare gelagert sind und der auch bei Chemieunfällen, Strahlenhavarien und «Bio-Terror» eingesetzt werden kann. Doch bislang ist der Rundum-Schutz-Overall noch nie verwendet worden. «Erst jetzt, seitdem wir regelmässig für den Ebola-Ernstfall trainieren, kommt das virusdichte Kleidungsstück zum Einsatz», sagt Oberärztin Katja Eigenmann. Die ist auch bei der «Anprobe» anwesend.

Handschuhe werden festgeklebt

Steckt man in dem Schutzanzug bis zur Hüfte drin, nachdem man hellblaue Gummiclogs und -überschuhe angezogen hat, fühlt sich das Ganze noch ­einigermassen gemütlich an. Doch dann wirds ernst. Denn nun reicht mir Corinne Stutz die FFP-3-Atemschutz­maske, die speziell dicht anliegt und besonders bei Behandlungen von Infektionen benützt wird, bei denen der Erreger über die Luft übertragen wird. «Das ist bei Ebola zwar nicht der Fall, aber es ist eben eine zusätzliche Vorsichtsmassnahme», erklärt die Hygienespezialistin. Dann zieht sie mir die weisse Gummischutzhaube über den Kopf, die nur noch einen kleinen Teil meines Gesichts freilässt, darüber die Kapuze des Overalls. Anschliessend instruiert sie mich, wie man die jeweils zwei Gummihandschuhe über Hand und Unterarm stülpt. Die Handschuhe werden mit Isolierband unterhalb des Ellbogens am Ärmel getapt – damit ja nichts ins Innere dringt. Der Schutzanzug weist zwei verschiedene Reissverschlüsse auf; einen inneren und ­einen äusseren. Zum Schluss bekommt man noch den Splash-Shield, jenes Sicherheitsglas vor den Augen, aufgesetzt, das vor Spritzern von Kot, Blut und Erbrochenem schützt. Denn das zumeist tödliche Virus wird über Körperflüssigkeiten der Erkrankten übertragen.

Die ganze Prozedur hat ungefähr eine halbe Stunde gedauert. Höchstens 45 Minuten dürften die Pfleger so in der Schutzbekleidung arbeiten – dann lasse die Konzentration nach, so Stutz. Man fühlt sich schon nach 15 Minuten klatschnass und klaustrophobisch.

Höchste Vorsicht beim Ausziehen

Beim Ausziehen des Schutzanzugs ist noch grössere Vorsicht geboten – damit ja kein Körperteil mit der möglicherweise kontaminierten Aussenhülle in Berührung kommt. In Madrid hat sich eine Krankenschwester jüngst beim Ausziehen der Schutzbekleidung infiziert. «Die Gefahr ist gross, sich beim Ausziehen der Schutzbekleidung anzustecken», räumt Stutz ein. Umso wichtiger sei die Hilfe des Gegenübers. Vor allem die Sache mit den Handschuhen ist prekär. Denn beim Ausziehen sollten die Hände auf keinen Fall mit der Gummiaussenhaut Kontakt haben.

Oberärztin Katja Ei­genmann stellt klar: «Wir hof­fen, dass wir das nicht brauchen.» Und was passiert im Ernstfall mit den verwendeten Schutzanzügen? «Alle Anzüge werden nur einmal gebraucht, danach werden sie bei 1000 Grad Celsius verbrannt», sagt Corinne Stutz. Doch auch bis in den Verbrennungsofen ist der Sicherheitsaufwand riesig. Die Kleidung wird doppelt und dreifach in Säcken und in Tonnen verpackt und speziell verschlossen.