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ZUG: «Wir sind zu einer Stimme geworden, die gehört wird»

Joseph Ruckli übergibt das Präsidium des Gewerbevereins an Felix Kalt. Den eingeschlagenen Weg will der neue Präsident weitergehen.
Felix Kalt (links) und Joseph Ruckli liegt das Zuger Gewerbe am Herzen. (Bild Stefan Kaiser)

Felix Kalt (links) und Joseph Ruckli liegt das Zuger Gewerbe am Herzen. (Bild Stefan Kaiser)

«Dem Zuger Gewerbe geht es gut, ja ich würde sogar sagen, es geht ihm sehr gut», bilanziert Joseph Ruckli nach kurzem Überlegen zufrieden. Dass Ruckli selbst für diesen Zustand mitverantwortlich ist, will der 66-Jährige so nicht sagen. Aber: «Es gibt sicher andere Kantone und Städte, in denen es in den vergangenen Jahren weniger gut lief.» Joseph Ruckli ist Präsident des Gewerbevereins der Stadt Zug – oder korrekter war. Am Montagabend hat er sein Amt nach 17 Jahren an der Generalversammlung des Vereins abgegeben. In seine Fussstapfen tritt Felix Kalt, Geschäftsinhaber der Zuger Kalt Medien AG.

Es sei eine ziemlich intensive Zeit gewesen, in der er den Verein geleitet habe, so Ruckli. «Zug hatte vor allem in den vergangenen Jahren das Glück, dass das Gewerbe und damit ein Grossteil unserer Mitglieder vom Bauboom profitieren konnte.» Gleichzeitig sei der Wind auch in dieser Branche rauer geworden. «Zuger Gewerbler haben und hatten oft andere Voraussetzungen. Die Infrastruktur ist hier teurer. Die Konkurrenz hat zugenommen», führt der ehemalige Wirt und Inhaber des Hotels und Restaurants Löwen am Landsgemeindeplatz aus. «Und natürlich gibt es auch Branchen, die in den letzten Jahren mehr gelitten haben», räumt sein Nachfolger Felix Kalt ein. «Ich denke da etwa an den Detailhandel oder das produzierende Gewerbe.»

Politisch aktiv

Intensiv seien die vergangenen Jahre aber nicht allein wegen der wirtschaftlichen Entwicklung gewesen, so der ehemalige Präsident. Auch im «Umfeld» – sprich in der Politik – habe sich viel getan. «Es standen zahlreiche grosse Brocken auf dem Programm.» Dazu zählt Ruckli die Zentrumsentwicklung der Stadt Zug, die Überarbeitung des kantonalen Richtplans, die Neugestaltung des Postplatzes und nicht zuletzt auch das Projekt Stadttunnel, für das sich der Gewerbeverein eingesetzt hat, das aber im Juni 2015 an der Urne abgelehnt wurde. «Ja», sagt Ruckli rückblickend, «ich glaube, unser Verein ist über die Jahre politischer geworden. Das mag auch an meiner Person liegen. Ich war immer ein politischer Mensch.» Man habe aber auch im Gesamtvorstand vermehrt den Kontakt zur Politik gesucht. «Der Verein ist zu einer Stimme geworden, die gehört wird.» Dies wohl nicht zuletzt, weil er mit seinen aktuell rund 260 Mitgliedern in der Zuger Politik gut vernetzt ist. So sitzen neun Mitglieder im Grossen Gemeinderat, drei im Stadtrat und sechs im Kantonsrat.

«Diese Vernetzung war und ist wichtig für uns und unsere Mitglieder», ist auch Kalt überzeugt. Der 56-jährige Unternehmer will deshalb auch die politische Linie und die Aktivitäten seines Vorgängers beibehalten. «Es ist zentral, dass wir weiterhin mitreden und Einfluss nehmen können. Wir sind hellhörig und parat.» Kalt könnte sich auch vorstellen, die Arbeit in diesem Bereich noch zu intensivieren. Denn bisher habe der Verein auf der politischen Ebene vor allem reagiert. «Es gibt künftig aber sicher auch Themen, bei denen wir agieren können», so der Vater von vier erwachsenen Kindern.

«Gewerbler 2.0»

Vor allem zwei Bereiche liegen Kalt dabei am Herzen: die duale Berufsbildung und das produzierende Gewerbe. Für beide will er sich aktiv einsetzen. «Es ist wichtig, dass wir einerseits weiterhin künftig junge Fachkräfte ausbilden. Andererseits müssen wir Jugendlichen, die schulisch einen kleineren Rucksack haben und erst später den Knopf lösen, gute Ausbildungen ermöglichen», so der Firmeninhaber. Damit dies gelinge, brauche es aber in der Stadt Zug auch in Zukunft produzierendes Gewerbe. «Es ist ganz wichtig, dass wir solche Betriebe hier halten können.» Eine der grössten Herausforderungen sieht Kalt diesbezüglich bei den Generationenwechseln. «Ich weiss von einigen Betrieben, die diesen Wechsel aus finanziellen Gründen nicht geschafft haben», berichtet er. Auch solche Themen gelte es im Gewerbeverein anzugehen und anzusprechen.

Daneben will Kalt aber auch in Bereiche vordringen, die man mit «Zukunft des Gewerbes» betiteln könnte. Kalt will nämlich dem «Gewerbler 2.0», wie er ihn nennt, auf die Spur kommen. «Ich weiss nicht, ob es diese Bezeichnung offiziell gibt», sagt der Unternehmer schmunzelnd. Und er wisse selbst noch nicht genau, was da alles dazuzähle. «Für mich ist das der Gewerbler der Zukunft, der beispielsweise über neue Techniken verfügt, neue Zahlungsmodelle oder andere Kommunikationswege benutzt.» Welche Entwicklungen in diese Richtung noch gemacht würden, interessiere ihn.

Richtige Zeit

Das Präsidium nach 17 Jahren abzugeben und damit kürzerzutreten, darauf freut sich Joseph Ruckli. «Es ist Zeit geworden, und der Entscheid ist eine Kosequenz aus meiner Lebenssituation», so der 66-Jährige. Seit letztem Sommer ist Ruckli nämlich pensioniert. Er hat seinen Betrieb an seinen Sohn übergeben. «Ich geniesse diese Freiheit und koste sie auch mit längeren Reisen und ähnlichem aus.» Darum habe er sich entschieden, das Präsidium des Gewerbevereins abzugeben. «Es braucht an dieser Stelle jemanden, der aktiv in einem Betrieb tätig ist. Jemanden vom Innern des Gewerbes. Also jemanden wie Felix Kalt.»

Samantha Taylor

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