ZUG: «Wir waschen und bügeln fast 10 000 Hemden pro Monat»

Wäscheservice und Reinigungen haben im Kanton seit einiger Zeit Hoch­konjunktur. Das hat einen ganz bestimmten Grund.

Samantha Taylor
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Hemden, Hemden, Hemden: Margrith Luthiger arbeitet bei Novotex am Postplatz und hat dank Geschäftsleuten alle Hände voll zu tun. (Bild Stefan Kaiser)

Hemden, Hemden, Hemden: Margrith Luthiger arbeitet bei Novotex am Postplatz und hat dank Geschäftsleuten alle Hände voll zu tun. (Bild Stefan Kaiser)

Samantha Taylor

Gut gekleidete Frauen und Männer im dunklen Anzug oder im Deux-Pièces mit Hemd oder Bluse und schicken Lederschuhen: Dieses Bild bekommt man im Kanton fast tagtäglich zu sehen. Denn bekanntlich bewegen sich hier vor allem von Montag bis Freitag Zehntausende von Geschäftsleuten. Diese haben in den vergangenen Jahren mit ihren Dresscodes einen ganz bestimmten Geschäftszweig ins Leben gerufen. Rund 15 Wäschereien oder Textilreinigungen finden sich allein in einem Online-Branchenverzeichnis im Kanton. Und das Geschäft läuft gut.

«Wir haben unser Unternehmen vor zehn Jahren eröffnet, und seither ist die Nachfrage stetig gestiegen», berichtet Regina Piani. Sie führt gemeinsam mit ihrer Schwester Irene Wicki die Wäscherei im Feldhof. Dabei werde vor allem ein Bereich rege genutzt. «Man kann bei uns alles vorbeibringen – von Socken oder Bettwäsche bis zum Brautkleid. Der grösste Kundenzweig sind aber inzwischen klar Geschäftsleute, die uns ihre Hemden bringen», so Piani weiter. Rund 600 Stück waschen und bügeln die beiden Schwestern in der Woche. Letzteres vor allem maschinell. «Das ist ganz schön viel Arbeit. Aber es macht uns auch Freude», so Piani.

Einige haben expandiert

Vom Geschäft mit den Geschäftsleuten profitieren auch andere. «Als wir 2009 angefangen haben, haben wir uns eigentlich in erster Linie an Gastronomiebetriebe gewandt», sagt Hidajete Limani, Geschäftsführerin und Inhaberin der Wäscherei Leo. Das würden sie zwar immer noch tun. Allerdings seien heute die Privatkunden mindestens so wichtig. «Wir haben mehr und mehr Businessleute, die einmal die Woche vorbeikommen und uns sechs bis zehn Hemden bringen», erzählt Limani weiter. Das Geschäft ist so gut gelaufen, dass der ursprüngliche Familienbetrieb expandieren konnte. «Mein Mann und ich haben klein angefangen. Inzwischen haben wir noch eine zweite Filiale in Baar und insgesamt sechs Angestellte.» Die Limanis bieten dabei ihren Kunden einen Rundumservice. «Wir holen die Wäsche auch ab und bringen sie wieder. Wir machen, was gewünscht wird.»

Expandieren konnte in den letzten Jahren auch Siegfried von Heyking. Er ist Geschäftsführer und Inhaber von Novotex Textilpflege, die auch chemische Reinigungen anbietet. Seit 1983 führt er das Geschäft in Cham. 2006 hat er ausserdem die Reinigung am Postplatz in der Stadt Zug übernommen. Die Nachfrage im Bereich der Business-Hemden sei in den letzten Jahren klar gestiegen, sagt von Heyking. «Wir waschen und bügeln in unseren beiden Filialen rund 10 000 Hemden im Monat.» Dabei könne man auf Stammkunden wie auch auf Laufkundschaft zählen.

Die Gründe für den Boom, da ist man sich in der Branche einig, ist die Zeit, die den Geschäftsleuten fürs Waschen und Bügeln offensichtlich fehlt. «Es gibt auch Leute, die nicht gerne waschen und bügeln. Die meisten, die zu uns kommen, haben aber zu wenig Zeit dafür», sagt Limani. Wer seine Hemden übrigens auswärts waschen und bügeln lässt, der bezahlt zwischen 3.90 und 4.50 pro Stück.

Ein «Wäscheautomat»

Dass der Service gefragt ist, haben auch die Firmen erkannt. «Wir hatten schon Anfragen von Unternehmungen, ob wir für sie eine Art Waschservice ausführen würden», sagt von Heyking. In Zug bietet dies etwa Johnson & Johnson den Mitarbeiter an. «Wir haben eine Abgabestelle mit einem Automaten, an dem man für jedes Kleidungsstück ein Ticket löst und eine Kopie zusammen mit der Kleidung in einen Beutel gibt, der in den Automaten eingeworfen wird. Zwei Tage später kann man die Kleidung dann beim Facility-Kiosk abholen», erklärt Mediensprecher Thomas Moser. Bezahlt werde über eine spezielle Karte. Einfacher kommt man wirklich kaum zu frisch gebügelten Hemden.