ZUG: Wirbel um das Millionen-Darlehen

Das Schwingfest-OK erhält von einem Geschäftsmann 1,1 Millionen Franken. Dessen Namen bleibt geheim. Das stösst auf Kritik.

Eme
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Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest hat 2013 in Burgdorf Hunderttausende Besucher angezogen. Bevor es in Zug so weit ist, sorgt die Finanzierung für Aufsehen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest hat 2013 in Burgdorf Hunderttausende Besucher angezogen. Bevor es in Zug so weit ist, sorgt die Finanzierung für Aufsehen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Da staunte die Zuger Bevölkerung: Im letzten Herbst machte unsere Zeitung publik, dass das Organisationskomitee für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2019 in Zug von einem hiesigen Geschäftsmann 1,1 Millionen Franken erhält. Es sei ein günstiges Darlehen, erklärte OK-Präsident Heinz Tännler. «Mit dem Geld können wir unsere Ausgaben für die Vorbereitungsarbeiten bis 2015 zahlen», freute er sich.

Wer der ominöse «Geschäftsmann aus Zug» ist, der seinem Duzfreund Heinz Tännler an einem Sonntagmorgen per Telefon 1,1 Millionen Franken zusichert, will man beim OK partout nicht verraten – auch gestern nicht. «Der Schwingerfreund besteht auf Diskretion», sagt Tännler auf unsere erneute Anfrage. Gleichzeitig brodelt die Gerüchteküche – sowohl unter den Sägemehlfreunden, als auch in der Zuger Politik und Gesellschaft.

Linke hat Bedenken

Derweil hört man in der Politik kritische Stimmen zur Geheimhaltungspraxis des Schwingfest-OKs. «Die fehlende Transparenz ist heikel und kann zu Konflikten führen», sagt Andreas Lustenberger, Kantonsrat der Alternative-die Grünen aus Baar, und fügt an: «Niemand weiss, mit welchen Erwartungen oder Versprechen der anonyme Geldgeber sein Darlehen verknüpft.» Lustenberger und SP-Kantonsrat Alois Gössi weisen auf die Bedeutung der Funktion des OK-Präsidenten hin. «Das Amt ist weder ein privates oder parteipolitisches, sondern ein offizielles Mandat von Regierungsrat Tännler», erklärt Gössi. Auf der kantonalen Liste mit den offiziellen Mandaten der Regierungsvertreter ist das OK-Präsidium angegeben.

Auch Luzern setzte auf Regierung

Ein Regierungsrat als oberster Chef des grössten Schweizer Sportanlasses ist jedoch kein Zuger Novum. Auch beim «Eidgenössischen» 2004 in Luzern und drei Jahre später in Aarau war jeweils ein Regierungrat OK-Präsident. Und an Musik- oder Jodelfesten sind Exekutivpolitiker ebenfalls beliebte OK-Funktionäre.
Kritisch äussert man sich bei Transparency International Schweiz (TI), einer auf Korruptionsprävention spezialisierten Nichtregierungsorganisation, zum Darlehen. TI-Präsident Jean-Pierre Mean sagt: «Es ist störend, dass das OK nicht offen legt, woher das Geld kommt». Dadurch könne es durchaus zu Situationen kommen, die ethisch oder sogar rechtlich problematisch seien. Jean-Pierre Mean erinnert: «Bestechung kann nicht nur vorliegen, wenn die Involvierten einen Nutzen erzielen, sondern auch, wenn man Leistungen für eine dritte Partei verlangt.»

Staatskasse nicht belastet

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, reagiert Heinz Tännler verärgert. «Es geht um einen privaten Kredit für ein privates Fest», sagt Tännler und wird erstmals konkreter, was den Darlehensgeber betrifft. «Die Person wünscht explizit, dass ihr Name nicht öffentlich wird. So viel kann ich aber versichern: Es handelt sich weder um einen Bauunternehmer, noch um sonst eine Person, die in irgendeiner Form finanziell vom Schwingfest profitieren könnte.» Den Wirbel um das Darlehen, welches – so Tännler – günstiger als zu marktüblichen Konditionen verzinst wird, könne er nicht verstehen. «An anderen Anlässen greift man für Vorfinanzierungen bereits in die Staatskasse oder bezieht Geld aus dem Lotteriefonds», sagt er. Zudem würden die 1,1 Millionen Franken nach Abschluss des Festes samt Zins zurückbezahlt.