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ZUG: «Zeit verschwindet, wenn man sie spart»

Nicht immer verläuft Weihnachten harmonisch. Doch es gibt Rezepte, damit das Fest gelingt, sagt die Chefärztin der Psychiatrischen Klinik Zugersee.
Wolfgang Holz
Magdalena Berkhoff (50) ist Chefärztin an der Psychiatrischen Klinik Zugersee in Oberwil. (Bild Werner Schelbert)

Magdalena Berkhoff (50) ist Chefärztin an der Psychiatrischen Klinik Zugersee in Oberwil. (Bild Werner Schelbert)

Magdalena Berkhoff, freuen Sie sich auf Weihnachten?

Magdalena Berkhoff: Ja. Mit Wehmut.

Mit Wehmut?

Berkhoff: Ja, weil diese Zeit voll Sehnsucht ist. Die Verzauberung am Morgen, wenn über Nacht der erste Schnee gefallen ist. Der Duft von Lebkuchen. Die helle Wärme von Kerzenlicht. Und mit Wehmut eben auch, weil wir dieses Jahr erstmals im Pflegeheim feiern. Unsere 90-jährige Mutter erkennt uns nicht mehr zuverlässig. Vielleicht ist dieses Jahr das letzte Mal gemeinsame Weihnachten.

Bei vielen Familien überwiegt die Vorfreude auf Weihnachten. Doch wenn es so weit ist, herrscht nicht gerade weihnächtlicher Frieden. Überfordert uns die Sehnsucht nach Harmonie?

Berkhoff: Vielleicht. Die Sehnsucht nach einem perfekten Weihnachtsfest drückt sich oft in Dingen wie aufwendigem Essen, anspruchsvoller Dekoration und vielen Geschenken aus. Entspannt eine schöne Zeit miteinander zu erleben, ist gerade in dieser Zeit gar nicht so einfach. Und scheint es nicht manchmal, dass Geschenkpackungen bewusster gestaltet sind als der Umgang miteinander? Dabei kann das «kleine gute Wort», die liebevolle Geste im Alltag so viel bewirken.

Das tönt schön. Aber empfinden Sie denn gar keinen Weihnachtsstress?

Berkhoff: Doch, natürlich. Die Tage «schmelzen» ja schneller als der fehlende Schnee ... Etwas haben Sie jedoch vielleicht auch schon beobachtet. Wenn man sich beeilt, gewinnt man keine Zeit. Es ist paradox: Zeit verschwindet, wenn man sie spart. Wenn man «Zeit haben» möchte, sollte man sie verschwenden. Haben Sie schon einmal in Ruhe durchs Fenster ein Schneegestöber betrachtet? Jede einzelne Schneeflocke ist anders. Eine halbe Stunde Schneeflockenbetrachtung, und die Zeit fühlt sich anders an.

Müssen wir uns dieses Jahr den Schnee einfach vorstellen, um die Zeitlosigkeit zu erleben?

Berkhoff: Nein. Aber ein ähnliches Beispiel von Zeitlosigkeit wie beim Schnee kann man etwa beim Atmen erleben – genauer gesagt beim kleinen «Zwischenraum» beim Atmen: Der kleine Moment nach dem Ausatmen, vor dem nächsten Atemzug. Wie lange kann man mit der Aufmerksamkeit nur beim Atmen bleiben, ohne auf andere Gedanken zu kommen?

Zurück zu den weihnächtlichen Gefühlen: Wie wichtig ist Weihnachten aus Sicht der Psychiaterin?

Berkhoff: Dass Weihnachten so wichtig für viele Menschen ist, ist Teil der Sehnsucht, von der wir vorhin gesprochen haben. Wir feiern das Fest in der dunklen Zeit. Nach der längsten Nacht wird das Licht wieder von Tag zu Tag stärker. Diese Umwandlung ist symbolisch für das, was wir in unseren dunklen Momenten erleben können. Und jeder von uns trägt «Schatten» in sich. Wut, Schuld, Unwahrhaftigkeit, Neid, Eitelkeit zum Beispiel.

Und was hat das konkret mit unserem Weihnachtsglück zu tun?

Berkhoff: Das bedeutet: Solange wir uns mit solchen «Schatten» nicht aussöhnen, projizieren wir sie auf andere. Wenn wir uns hingegen mit uns selbst versöhnen, diese «Schatten» annehmen, erfahren wir Notwendiges.

Was können wir neben genügend Licht sonst noch tun?

Berkhoff: Kulinarische Genüsse gehören zum «seligen Festgefühl» dazu. Schokolade enthält übrigens das Alkaloid Theobromin, das mild anregend und stimmungsaufhellend ist. Aber auch Singen stimuliert die Ausschüttung von Oxytocin, eine Art Wohlfühlhormon, das auch bei Umarmungen oder Zärtlichkeit freigesetzt wird.

Zum seligen Festgefühl, wie Sie so wohlig suggerieren, gehören natürlich auch Geschenke. Wann ist ein Geschenk denn wirklich ein Geschenk?

Berkhoff: Geschenke sind etwas Wunderbares. Das beginnt schon beim Nachdenken darüber, was unseren Lieben Freude macht. Übrigens: Man sollte Geschenke unbedingt einpacken: Der Anblick von Päckchen ist beglückend. Einkaufsmarathons aus Verpflichtung hingegen sind eher Geschenke an den Einzelhandel. Und wenn Geschenke als «Liebesbarometer» verstanden werden, kann das recht anstrengend sein. Und bei aller Anerkennung so genannter praktischer Geschenke wie Socken, Gutscheine, Küchengeräte: Bitte auch was schenken, das Freude macht.

Und wann kann man wirklich von frohen Weihnachten sprechen?

Berkhoff: Frohe Weihnachten ist die Freude in uns und zwischen uns Menschen.

Hinweis

Seit acht Jahren ist Magdalena Berkhoff (50) Chefärztin an der Psychiatrischen Klinik Zugersee in Oberwil. Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie wurde in Hamburg geboren.

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