ZUG: Zuger Stadtrat will beim Littering neue Wege gehen

Die Stadt führt ihre Fachstelle Littering nicht mehr weiter. Der Stadtrat hat die Leitung im Bereich Prävention abgegeben. Trotzdem hat er für die warmen Monate einige Projekte.

Samantha Taylor
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Stadtrat Urs Raschle (Mitte, beim Clean-up-Day 2015) will weiter in Sachen Litteringbekämpfung aktiv bleiben. Bild: Christian H. Hildebrand

Stadtrat Urs Raschle (Mitte, beim Clean-up-Day 2015) will weiter in Sachen Litteringbekämpfung aktiv bleiben. Bild: Christian H. Hildebrand

«Das hohe Mass an Littering in der Stadt Zug ist sehr demotivierend und wird als eine fehlende Wertschätzung der Arbeit der Werkhofmitarbeitenden empfunden.» Dieser Satz aus dem Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Gemeinderates zum Budget 2017 der Stadt Zug lässt aufhorchen und machte auch die Mitglieder der GPK «betroffen».

Seit dem 1. Oktober 2013 ist das Littering-Gesetz im Kanton in Kraft. Wer seinen Abfall einfach liegen lässt und dabei erwischt wird, muss mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken rechnen. Die Stadt Zug hat im Zuge der Einführung dieses Gesetzes eine Fachstelle Littering geschaffen, die sich während dreier Jahre mit der Prävention und der Aufklärung beschäftigte.

Sicherheitsassistenten in Zivil unterwegs

Was also ist passiert, dass der Stadtzuger Werkhof das «hohe Mass an Littering» beklagt? «Wir hatten vor rund einem Monat eine Sitzung mit verschiedenen Partnern, die mit der Stadt in diesem Bereich zusammenarbeiten», sagt Stadtrat Urs Raschle, Vorsteher des Departements Soziales, Umwelt und Sicherheit. Er könne den Frust des Werkhofes gut nachvollziehen. Denn es habe nach wie vor Stellen, an denen sehr viel Abfall einfach liegen gelassen werde. «Dasselbe gilt leider für einige grössere Veranstaltungen», so der Stadtrat. Trotzdem sei die Bilanz, die man über die vergangene Litteringsaison, also die Sommermonate, ziehen könne, nicht schlecht. «Wir hatten die Lage an vielen Orten entlang des Sees gut im Griff. Einzig im Bereich der Männerbadi im Siehbach sahen wir uns vermehrt mit Abfallsündern konfrontiert», sagt Raschle. Gut geklappt habe es auch dank der Repression, sprich den Bussen und dem Einsatz der Sicherheitsassistenten. «Die Sicherheitsassistenten haben eine neue Methode angewendet», erklärt Raschle. Sie seien auch in Zivil unterwegs gewesen und hätten die Lage beobachtet. «So konnten sie direkt eingreifen, wenn sie Leute beim Littering gesehen haben, und auch das Gespräch mit den Abfallsündern suchen», erklärt der Stadtrat. Wie viele Bussen während der letzten Litteringsaison in der Stadt Zug verteilt worden sind, kann die Zuger Polizei nicht sagen. Die Zahlen für das Jahr 2016 liegen laut Mediensprecher Frank Kleiner nicht vor. Im Jahr 2015 seien im ganzen Kanton insgesamt 500 Ord­nungsbussen verteilt worden.

Sommerbar und vermehrte Gespräche

Für Urs Raschle ist klar: «Wir legen auch weiterhin einen Fokus auf das Thema Littering.» Dabei soll es einerseits zu einer Neuorganisation im Bereich der Prävention kommen (siehe Box). Andererseits will Raschle «weiterhin einen 360-Grad-Blick» bei dem Thema haben. «Wir konzentrieren uns nicht nur auf Bussen», erklärt der Stadtrat. Auch Prävention und Sensibilisierung sollen mit verschiedenen Mitteln verstärkt werden. Dabei sehe die Stadt zwei Schwerpunkte. «Zum einen können wir uns vorstellen, mit neuen gastronomischen Angeboten im Bereich des Seeufers die soziale Durchmischung auf diesen Plätzen besser zu gewährleisten», sagt Raschle. Der Stadtrat verweist dabei auf ein Konzept, das in Luzern und Zürich bereits erfolgreich sei und unter dem Namen «Buvette» bekannt ist. «Es handelt sich dabei um eine Art Sommerbar, in der sich Personen verschiedener Altersgruppen aufhalten. Eine Umsetzung an bestehenden Orten ist zu prüfen.» Ziel sei, dass sich auch Personen, die älter seien, länger beispielsweise am Seeufer aufhalten. «So wird die soziale Kontrolle an diesen Orten verstärkt.»

Der zweite Schwerpunkt sei die aufsuchende Jugendarbeit. «Wir möchten, dass vermehrt das Gespräch mit den Jugendlichen direkt vor Ort gesucht wird», erklärt Raschle. Man wolle in diesem Bereich beispielsweise mit der Jugendanimation Zug zusammenarbeiten. Raschle: «Wir führen dazu noch Gespräche.» Grundsätzlich sollen die Massnahmen so rasch wie möglich umgesetzt werden.

«Wir arbeiten im Departement und im Stadtrat daran», sagt Raschle.

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Die Gemeinde Risch übernimmt die Organisation

Im Bereich der Organisation der Littering-Prävention kommt es zu einem Wechsel. Während der letzten drei Jahre führte die Stadt Zug eine Fachstelle Littering. Diese koordinierte die Aktivitäten und Kampagnen unter den Gemeinden und der Stadt Zug. Die Fachstelle werde nun aber nicht mehr weitergeführt, sagt Stadtrat Urs Raschle. Die Arbeit der Fachstelle habe zwar einiges gebracht. «Wir sind aber der Meinung, dass es nun an der Zeit ist, neue Wege zu gehen, und haben die Leitung deshalb abgegeben», so Raschle.

Neu übernimmt die Koordination der Litteringmassnahmen Ruedi Knüsel, Bauvorsteher der Gemeinde Risch. «Ich habe mich bereiterklärt, die neue Begleitgruppe zu leiten, um eine Nachfolgeorganisation zu installieren», sagt Knüsel. Die Begleitgruppe werde jährlich Projekte definieren, die realisiert werden sollen. «Aktuell läuft das Projekt noch auf Sparflamme, bis die neue Organisation steht. Das bedeutet, dass das vorhandene Material möglichst wirksam eingesetzt und aufgebraucht wird», erklärt Knüsel. Wenn alles planmässig verlaufe, werde die Anti-Littering-Kampagne in der zweiten Jahreshälfte 2017 wieder vermehrt spürbar sein. Ziel der neuen Organisation sei ausserdem, dass sich möglichst alle Gemeinden beteiligen. Auch will Ruedi Knüsel Organisationen wie etwa die Zeba in die Arbeit mit einbeziehen. Fest stehe dies aber derzeit noch nicht.

Wie die Aktivitäten der Begleitgruppe finanziert werden sollen, sei ebenfalls noch nicht ganz geklärt. Knüsel: «Das Konzept für das neue Finanzierungsmodell ist vorhanden. Als nächster Schritt werden Gespräche mit allen involvierten Stellen geführt.» Sofern sich ein Konsens finden lasse, werden die entsprechenden Verträge abgeschlossen. Dieser Schritt soll in der ersten Jahreshälfte erfolgen. (st)