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ZUG: Zur «Lehre» bei der Einsiedler Madonna

Die barocke Muttergottesfigur mit Kind in der Loretokapelle gesellte sich vor über 300 Jahren eine Nacht lang zur Schwarzen Madonna von Einsiedeln. Sie schloss ihre «Ausbildung» erfolgreich ab und erhielt ihre Segnung.
Andreas Faessler
Die Gnadenmutter von Zug ist primär der Muttergottes von Loreto nachempfunden. Ihre «Ausbildung» jedoch erhielt sie bei der Madonna von Einsiedeln.

Die Gnadenmutter von Zug ist primär der Muttergottes von Loreto nachempfunden. Ihre «Ausbildung» jedoch erhielt sie bei der Madonna von Einsiedeln.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Als die Zuger sich im ausgehenden 17. Jahrhundert anschickten, die auf dem einstigen «Galgenfeld» bestehende Katharinenkapelle in der Löberen zu erneuern und zu erweitern, schlug der Kaplan zu St. Oswald vor, das Gotteshaus als Loretokapelle zu gestalten – ein Ebenbild des Heiligen Hauses zu Loreto in Italien («Hingeschaut» vom 14. Juni 2017). Selbstredend musste ein angemessenes Gnadenbild in der Kapelle zu stehen kommen. Es wurde der Überlieferung zufolge der Wunsch laut, dass die Madonnenstatue einerseits der Gnadenmutter in Loreto gleicht, andererseits sollte sie aber auch Züge der Madonna von Einsiedeln aufweisen. So soll der ausführende Handwerker – wohl einer aus der Werkstatt Wickards – nach Loreto gereist sein, um die dortige Figur zu betrachten und deren Erscheinungsbild bei der Umsetzung der Zuger Muttergottes zu berücksichtigen.

Der Bildhauer gestaltete das Jesuskind stehend wie im Falle des Gnadenbildes in Loreto – das Kind in Einsiedeln hingegen sitzt auf dem Arm Marias. Er gab ihr ein Zepter in die Hand, wie es auch die Madonna in Einsiedeln trägt, nicht aber diejenige in Loreto. Als die dunkel bemalte Figur vollendet war und die Werkstatt verliess, schickte man sie zur Schwarzen Madonna nach Einsiedeln zur «Ausbildung». Diese Begebenheit ist in der – bei sakralen Barockstatuen üblichen – Aushöhlung auf der Rückseite in Frakturschrift nachzulesen, wenn auch etwas schwer verständlich. Wörtlich steht da:

Dises lauretanische Gnadenbild ist A° 1704 an dem hohen Fest der ohnbefleckhten Empfängnus Mariae der Mutter Gottes von dem hochwürdigsten Fürsten Herzen Mauro von Roll, Abbt des fürstlichen Gottshauses zu Einsidlen consecriert worden, nachdeme solches zu vor die ganze nacht in der heiligen Kapellen auf dem Altar, auch morgens darauf an der Lesung 5. h. Messen gestandten, und das einsidlische Gnadenbild berürt hat, welches A° 1705 den 25. Merz in dise newe Lauretanische Kapellen Solemniter transferirt von der hoch Edell geborenen Frawen Fr. Maria Barbara zur Lauben von Gestellenburg auf ihren Lästen gemacht ausgeziert, und hiehär verehrt worden. – der Obristfeldmacht meister Beat Jacob zur Lauben von Gestel(lenburg) der Zeit Regierenden Landtaman Ehegemahel.

Die vom Ehepaar Zurlauben gestiftete Zuger Muttergottes verbrachte also eine Nacht mit der Madonna von Einsiedeln. Und als «Diplom» für diese erfolgreiche Lehrzeit beim prominenten Vorbild erhielt die Zuger Muttergottes ihre Segnung durch den Abt. Der feierliche Einzug des Gnadenbildes am 25. März 1705 in die Zuger Kapelle wurde von drei Böllerschüssen begleitet. Dies wurde fortan jeweils zum Kirchweihfest am 6. September beibehalten – bis die Behörden die Knallerei untersagten. Dennoch sollen traditionsbewusste Köpfe weiterhin heimlich die Schüsse abgegeben haben und gleich danach untergetaucht sein, um von der herbeigeeilten Polizei nicht erwischt zu werden.

Zu Zeiten hoher Kirchenfeste sowie zur Kirchweih trägt die Zuger Madonna einen Rosenkranz sowie ein prächtiges Kleid mit reicher Bestickung. Dieses wurde – nachdem es marode und zerschlissen geworden war – von den Nonnen auf dem Gubel neu angefertigt.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie online unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut.

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