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ZUG/BAAR: Alte Lorze: Weniger Breite für mehr Fische

Die zweite Etappe der Renaturierung der Alten Lorze umfasst den Abschnitt von der Schochenmüli bis zur Steihuserbrugg. Die Artenvielfalt wird nicht in jedem Bereich gefördert - im Gegenteil.
Raphael Biermayr
Die Alte Lorze im Bereich Schochenmühle. (Bild: Stefan Kaiser (28. Februar 2018))

Die Alte Lorze im Bereich Schochenmühle. (Bild: Stefan Kaiser (28. Februar 2018))

Als weitherum bekanntes Ausflugsziel gilt die Alte Lorze in der Schochenmüli nicht. Und sie soll es auch nicht unbedingt werden – trotz der bevorstehenden Renaturierung des Abschnitts bis zur Steihuserbrugg. Die geplanten Massnahmen haben nämlich nicht in erster Linie die Erholung des Menschen, sondern des Gewässers zum Zweck. Daher sollen mit zwei Ausnahmen keine künstlich angelegten Verweilmöglichkeiten geschaffen werden. Im Jargon heisst das, «nicht zu stark möblieren», sagt Urs Kempf, kantonaler Abteilungsleiter Wasserbau und baulicher Gewässerschutz im Tiefbauamt.

Der bestehende Fussweg dem Bach entlang bleibt erhalten, ein kleiner Teil davon wird neu geführt. Verschwinden soll hingegen der Trampelpfad, der vom Restaurant zur alten Lorze parallel zur Schochenmühlestrasse verläuft. Kempf sagt, dass dieser Pfad von privater Seite zwar nach wie vor erwünscht sei, was der Kanton aber nicht unterstütze, da die offiziellen Wege erhalten blieben.

Bach- und Seeforelle sowie Alet und Groppe

Die Arbeiten im Rahmen dieser zweiten von sechs Etappen der Renaturierung der Alten Lorze werden voraussichtlich von Mai bis Ende Juni dauern. Danach soll die Alte Lorze im genannten Bereich über alles gesehen weniger breit sein als heute. Das mutet im Rahmen einer Renaturierung reichlich merkwürdig an. Diese Vorgabe liegt in der Förderung der Fischbestände begründet, erklärt Kempf: «Wenn das Gewässer verbreitert würde, würde es flacher. In grösserer Tiefe haben die Fische aber mehr Verstecke und das Wasser bleibt kühler.»

Das ist ganz im Sinn des Amts für Wald und Wild. Im Projektbericht bezeichnet dieses den Zustand der Alten Lorze als «fischereibiologischer Sicht mässig». Zur Verbesserung sollen nun unter anderem Fischunterstände und Laichplätze geschaffen und sogenannte Störsteine gesetzt werden, um die Strömung abwechslungsreicher zu gestalten. In diesem Bach sind bei Probefischungen im Jahr 2010 vor allem Bach- und Seeforelle sowie Alet und Groppe nachgewiesen worden. Vereinzelt kämen Elritze und Schmerle vor, die Barbe selten.

Irritierende Formulierungen

Zu häufig kommt hingegen manche Pflanzenart entlang des Gewässers vor. Es gibt nämlich eine ganze Reihe von Gewächsen, die eingeschleppt wurden und einheimische Arten verdrängen, sogenannte Neophyten. Fünf sind im Projektbericht aufgeführt, darunter auch der Japanische Staudenknöterich, der als besonders aggressiv in der Ausbreitung gilt. Über die Neophytenbekämpfung ist dem Bericht Irritierendes zu entnehmen. So wird als erste Massnahme das Ausbaggern von befallenem Erdreich vorgeschlagen – das jedoch nahezu nutzlos sei: «Diese Massnahme generiert sehr hohe Kosten, der ökologische Nutzen ist klein und es ist keine Garantie gegeben, dass nicht wieder Neophyten aus dem Oberlauf der Lorze angeschwemmt werden», heisst es wörtlich. Urs Kempf vom Tiefbauamt relativiert. Aushubarbeiten seien ohnehin Teil des Projekts, die Kosten dafür würden «wenige 10 000 Franken» betragen. Das Gesamtbudget für die Abschnittsrenaturierung liege bei 200 000 Franken.

Eine Nachfrage beim Amt für Wald und Wild ergibt, dass keine grossflächigen Ausbaggerungen nötig sein würden. Der zuständige Abteilungsleiter Martin Ziegler erklärt, dass nur wenige sogenannte Rhizome (Wurzelteile) vorhanden seien. Darüber hinaus würden Schwächungsmassnahmen wie Salzwasserbehandlungen zur Ausrottung der Neophyten eingesetzt. Ziegler ist zuversichtlich, dass der Alten Lorze entlang dereinst wieder ausschliesslich heimische Pflanzen zu sehen sein werden.

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

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