ZUG/BERLIN: «Wire»-App will Internet-Kommunikation aufmischen

Der Markt für Kurznachrichten-Apps und andere Kommunikations-Dienste ist voll. Doch eine Gruppe erfahrener Experten aus dem Geschäft glaubt, mit ihrer neuen Anwendung «Wire» trotzdem punkten zu können. Der Firmensitz von Wire ist in Zug.

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Sollen bald Konkurrenz bekommen: Die Kurznachrichten-Dienste Whatsapp und Facebook. (Bild: Keystone / Ennio Leanza)

Sollen bald Konkurrenz bekommen: Die Kurznachrichten-Dienste Whatsapp und Facebook. (Bild: Keystone / Ennio Leanza)

Eine neue Kommunikations-App aus Europa will WhatsApp und Co Konkurrenz machen. Die Anwendung «Wire» ist für Kurznachrichten, Anrufe sowie das Teilen von Musik, Fotos und Videos gedacht. Sie soll nahtlos auf Smartphones, Tablets und Computern funktionieren, wie das Gründer-Team am Mittwoch ankündigte. Die Firma hat ihren Sitz in Zug und ein Entwicklungszentrum in Berlin.

Die Macher der App hoffen, in dem hart umkämpften Markt für Internet-Kommunikation unter anderem mit einer bequemen Bedienung und guter Übertragungsqualität punkten zu können. Ausserdem soll ein Vorteil sein, dass man schnell zwischen Text, Sprache und Bildern wechseln kann, sagte der Chef und Mitgründer Jonathan Christensen der dpa. «Im Markt ist immer Platz für etwas, das besser ist oder Probleme löst.»

Der Markt für Internet-Kommunikation ist hart umkämpft. Eine zentrale Rolle spielt der Kurznachrichtendienst WhatsApp mit über 600 Millionen Nutzern. Die schon lange angekündigte Anruf-Funktion wurde zwar immer noch nicht umgesetzt, aber WhatsApp kann auf die Infrastruktur des neuen Besitzers Facebook bauen. Auf Apple-Geräten gibt es hauseigene Dienste wie iMessage für Kurznachrichten und FaceTime für Videotelefonie. Ausserdem gibt es noch diverse Messaging-Dienste.

Im Geschäft ist auch noch der Pionier Skype, der heute zu Microsoft gehört. Skype-Mitgründer Janus Friis ist mit seiner Investmentfirma Iconical der wichtigste Geldgeber von «Wire». Die Entwickler und Investoren hätten einen langen Atem und wollten auch ohne einen schnellen Erfolg weitermachen, versicherte Christensen. «Das Ende der Startbahn ist nicht in Sicht.»

Die «Wire»-App läuft sowohl auf iPhones und iPads als auch auf Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android sowie Apple-Computern. Ausserdem ist eine Version für Internet-Browser in Arbeit, wie Christensen sagte. Es können Videos von YouTube sowie Musik von dem Berliner Streaming-Anbieter SoundCloud geteilt werden. Kooperationen mit weiteren Anbietern seien möglich. «Wir experimentieren noch.»

Bei Sprache setzt «Wire» die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein, bei der das Signal auf dem ganzen Weg geschützt ist. Bei Bildern und Videos wird die Kommunikation zwischen Gerät und Servern verschlüsselt.

Das Team hinter «Wire» hat viel Erfahrung in dem Markt. Christensen arbeitete zuvor unter anderem am MSN Messenger bei Microsoft. Technik-Chef Alan Duric war bei einem Anbieter von Internet-Telefonie. Bei der Firma ist auch Koen Vos, der die SILK-Technologie für Gespräche über das Internet erfunden hat.

sda