Zuger Altstadt als Thriller-Kulisse

Martin Nideröst aus Schwyz veröffentlicht seinen ersten Roman-Thriller über eine Zuger Anwaltsfamilie.

Tijana Nikolic
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Mit seinem Erstwerk, dem Schweizer Thriller «Dein zweiter Tod» hat Martin Nideröst aus Brunnen ein 30-jähriges Versprechen eingelöst. Nämlich: Signora Amelia Frilli, eine Freundin aus Florenz mit Jahrgang 1916, die ihm während seines Sprachaufenthaltes viel über ihr Leben als Jüdin erzählt habe, in einem Buch zu verewigen, weil sie so gerne las. «Meine Nonna Frilli ist in meinem Buch als Tante Zia Pierina präsent», sagt der 50-jährige Nideröst. Das Buch erzählt die Geschichte einer Zuger Anwaltsfamilie. Nideröst hat selber 17 Jahre, von 1996 bis 2013, in Zug gelebt, was für ihn das pure Glück gewesen sei. Deshalb wurde die Zuger Altstadt zum Ausgangspunkt seines Romans. «Das ungesunde Streben nach Erfolg lässt den Vater in der Geschichte, Papa Salvatore, zu einem anderen Menschen werden. Er verliert das Verhältnis zur Realität. Mein Buch soll aufzeigen, dass Ruhm und Geld nur bedingt etwas mit Erfolg und Glück zu tun haben», sagt Nideröst.

Weiter soll das Buch aufzeigen, dass man seinen Träumen nachgehen soll. Das beschreibe der Abschnitt «Fensterwanderungen» aus seinem Buch sehr gut. «Fensterwandern heisst, in einer besonderen Stimmung in seiner Wohnung von Fenster zu Fenster zu wandern und durch die sauberen oder schmutzigen Glasscheiben das Treiben auf den Strassen und den Gassen zu beobachten», erklärt der ehemalige Marketingleiter einer Schweizer Weinhandlung. In seiner damaligen Zuger Altstadtwohnung zwischen Oberaltstadtgasse und der Grabenstrasse habe er Stunden am Fenster verbracht, beobachtet und von der Zukunft, der Liebe und seinem Potenzial als Schreiberling geträumt. Zu jener Zeit habe er jedoch alle Träume immer wieder begraben. «Ich dachte mir ständig: Du musst einen normalen Job machen. Du hast keine Zeit für Träumereien. Streng dich an», erinnert sich Nideröst zurück. Heute habe er den Mut, das zu machen, was er will. Es kümmere ihn nicht mehr, was andere denken und er sei keiner Leistungsgesellschaft mehr verpflichtet: «Meine Altstadtwohnung war Inspiration für all jene Kapitel, die beim Protagonisten Luca Rossi in seiner Wohnung spielen.»

Zwischen den Zeilen erfährt man viel über den Autor

«Auf dem Buchcover steht zwar Thriller, aber im Nachhinein ist mein Buch eher eine Hommage an die wahre Liebe und an die sogenannt kleinen Leute unserer Gesellschaft», so Nideröst weiter. Doch was verschlug den gebürtigen Brunner denn eigentlich nach Zug? Nach seinem Coming-out habe er im Talkessel Schwyz nicht nur Unterstützung gespürt. So zog er nach Zug, was immer noch in der Nähe seiner Schwyzer Wurzeln war, aber ihm den nötigen Abstand bot. «Zug war zu jener Zeit offener und neutraler», findet Nideröst, der am liebsten an Strassenrändern in Cafés schreibt. Damals habe er in Zug als Laienschauspieler in einer Theaterproduktion von Thomas Hürlimann mitgespielt und spontan entschieden, dass Zug sein neuer Wohnort werden soll. «Inzwischen habe ich mit meiner alten Heimat Frieden geschlossen und wohne wieder in Brunnen», verrät Nideröst, der mit seinem Lebenspartner seit 20 Jahren zusammen ist und in einer eingetragenen Partnerschaft lebt.

Zwischen den Zeilen gäbe «Dein zweiter Tod» viel über Nideröst preis: «Eigene schöne und weniger schöne Ereignisse aus meinem Leben haben in getarnter Manier ihr Kapitel in meinem Buch gefunden.» Es habe mal eine Zeit gegeben, da konnte er nicht mehr zwischen Beruf und Privatleben unterscheiden. 24 Stunden sei es in seinem Kopf nur noch um das Streben nach mehr Erfolg in seiner bereits hohen Position gegangen. Leidenschaften hätten keinen Platz mehr in seinem Leben gehabt. Er habe Schlafstörungen, Angstattacken, Versagerängste und eine Erschöpfungsdepression bekommen. «Ich bekam ein Burn-out, das mich zu einer radikalen Pause zwang. Ich habe alles abgebrochen, meine Stelle gekündigt und dieses Buch geschrieben. Ich befinde mich jetzt sozusagen in einer Phase der Neuorientierung», so Nideröst, der in seiner Freizeit singt und schauspielert.

Bedauerlicherweise wurde sein Buch zum Zeitpunkt des Lockdowns publiziert: «Das heisst, in den letzten fünf Wochen lief der Verkauf praktisch 100-prozentig über Online-Kanäle. Bei www.buchhaus.ch bin ich im Moment auf Platz 14 der meistgelesenen Schweizer Autoren. Das freut mich sehr.» Für die Zukunft plane er bereits sein zweites Buch unter dem Titel «Der vergessene Tod». «Darin spielt die Thematik Demenz eine ‹böse› Rolle.»