Reportage
Abstandsregeln, Kapazitätsgrenzen, Desinfektionsmittel: Volle Zuger Badis trotz Schutzmassnahmen im Coronasommer

Mindestabstand und begrenzte Anzahl der Gäste: Wie das Schutzkonzept in Zuger Badis umgesetzt wird und wie die Besucher reagieren.

Tijana Nikolic
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Seit Anfang Juni dürfen die Zuger Strand- und Seebäder nach den Coronalockerungsschritten wieder Badegäste empfangen. Natürlich alle nur unter der Einhaltung des vom Bund geforderten Schutzkonzepts für Badis, das beispielsweise die Quadratmeter von Rasen- und Wasserfläche pro Person oder eine Überwachung der Personenanzahl in Strandbädern vorgibt. Doch wie wurden die Massnahmen des Schutzkonzepts von den Gästen angenommen und umgesetzt? Zuger Bäder ziehen eine erste Bilanz.

Seebäder Brüggli, Siehbach, Tellenörtli, Trubikon, Seeliken und Strandbad am Chamer Fussweg

Die Stadt Zug appelliert im Schutzkonzept für die Seebäder Brüggli, Siehbach, Tellenörtli, Trubikon, Seeliken und das Strandbad am Chamer Fussweg massgeblich an die Eigenverantwortung der Badegäste. «Die Einhaltung der Massnahmen, wie dem Abstand von 1,5 Metern, funktioniert je nach Besucheraufmarsch manchmal gut und manchmal weniger gut. Die Bademeister sind jedoch in erster Hinsicht für das Retten von Leben zuständig», sagt Thomas Felber, Leiter der Abteilung Sport der Stadt Zug. Die zur Verfügung stehenden Grünflächen seien begrenzt. «Da wir keine Eintrittsgebühren verlangen und entsprechend auch über kein Drehkreuz am Eingang verfügen, führen wir auch keine Besucherstatistik», so Felber.

Badi Seeliken

Badi Seeliken

Bild: Maria Schmid (Zug, 27. Juni 2020)

Ägeribad in Oberägeri

Die verlangte Registrierung aller Besucher im Eingangsbereich des Ägeribads in Oberägeri würde von den Gästen fast vollumfänglich umgesetzt werden. «Die geltenden Abstände werden im Gebäude und in unserer Strandbadanlage nicht immer eingehalten», erklärt Pascal von Däniken, Leiter Technik und Sicherheitsbeauftragter des Ägeribads. So müsse sein Personal die Gäste sporadisch an die Massnahmen erinnern. «Anhand des Desinfektionsmittelverbrauches sehen wir, dass unsere Gäste sich regelmässig die Hände desinfizieren. Ebenfalls stellen wir fest, dass Risikopersonen unserem Bad fernbleiben», so von Däniken. Der Beginn der Sommerferien habe gezeigt, dass viele Zuger, aber auch Touristen aus anderen Ländern ihre Ferienzeit in der Schweiz verbringen. Das Bad sei jedoch nie an seine Kapazitätsgrenze gestossen.

Lido Unterägeri

Auch im Lido Unterägeri mussten keine Gäste am Eingang weggeschickt werden. «Es kann allerdings an stark frequentierten Tagen zu Wartezeiten kommen», sagt Erwin Blattmann, Betriebsleitung Lido Unterägeri. Die Einhaltung der Massnahmen ergebe keine Probleme, die Leute seien sensibilisiert und achteten aufeinander. «Das Personal macht in dieser Saison mehr Rundgänge zur Desinfektion frequentierter Orte und Gegenstände», weiss Blattmann.

Strandbad Walchwil

So sieht es auch in Walchwil aus. «Zu Beginn der Badesaison im Strandbad Walchwil musste sich das Verhalten des Personals und der Besucher im Bezug auf die Kapazität einspielen», sagt Stefan Jäggi, Leiter der Abteilung Infrastruktur und Sicherheit Walchwil. Die Hinweise des Bademeisters seien von den Badegästen korrekt umgesetzt worden und es sei nur sehr selten vorgekommen, dass Gäste sich im Wartebereich aufgehalten oder auf einen Badbesuch verzichtet hätten. Jäggi weiter:

«Die Gäste werden innerhalb des Seebads mittels Absperrungen geführt und auf die BAG-Hygienemassnahmen aufmerksam gemacht»

Lediglich die Personenkapazitätsgrenze sowie die geringere Bestuhlung im Restaurantteil unterscheide sich markant von den vorherigen Saisons.

Strandbad Hünenberg

Im Strandbad Hünenberg werden die Massnahmen ebenfalls weitgehend gut eingehalten, was insbesondere bezüglich der Abstandsregel von 1,5 Metern gelte. Das neu eingeführte, elektronische Zählsystem habe sich bewährt. Die maximale Besucheranzahl beträgt 1000 Personen. «Bisher musste glücklicherweise niemand abgewiesen werden», sagt Urs Felix, Fachperson Sicherheit und Umwelt der Gemeinde Hünenberg. Bei einigen Badegästen sei die Verunsicherung deutlich erkennbar. Diese Leute würden sehr heftig reagieren, wenn ihnen beispielsweise jemand zu nahe komme.

Badi Hünenberg

Badi Hünenberg

Bild: Maria Schmid (Zug, 27. Juni 2020)

«Innerhalb der gelben Bojen ist Stand-up-Paddling nicht zugelassen. Damit die Badeaufsicht ausreichend Überblick hat, mussten wir zur Sicherheit der Schwimmenden das Verbot dafür durchsetzen», verrät Felix. Es sei herausfordernd, diese Regel umzusetzen, während regelmässig Stand-up-Paddler oder Bootsfahrer vom See her kommen und in das Strandbad gelangen wollen. «Ein weiterer Unterschied sei, dass der Umsatz im Gastronomiebetrieb gegenüber den Vorjahren einiges tiefer ist. Hingegen lagen die Eintrittseinnahmen im Juni nur leicht unter den Vorjahreszahlen», stellt Felix fest.

Schwimmbad Rotkreuz

«Bei der Eingangskontrolle, der Liegewiese, dem Toiletten- sowie im Gastrobereich funktionieren die Abstands- und Hygieneregelungen im Schwimmbad Rotkreuz gut. Grundsätzlich auch im Schwimmbecken», sagt Peter Stöckli, Leiter Personal sowie stellvertretender Gemeindeschreiber der Gemeinde Risch. Eine der Herausforderungen des Teams des Schwimmbads sei an Spitzentagen, die Abstandsregeln in den Schwimmbecken und die erlaubte Schwimmeranzahl im Wasser zu kontrollieren. «Zweimal haben wir die obere Zulassungsgrenze bis auf wenige Personen erreicht», so Stöckli. Die Besucherzahl steige seit dem Beginn der Sommerferien spürbar an.

Die Gemeinden Cham und Baar konnten kurzfristig keine Antworten bezüglich der Umsetzung des Schutzkonzepts in ihren Badis liefern. Eines hätten alle Badis allerdings gemeinsam: Die Leute hätten in allen Bädern weiterhin Spass – trotz Corona.