Zuger Bauern machen sich Gedanken nach Jahrhundertsommer

Eine überdurchschnittliche Obsternte, Grasknappheit und eine eher unterdurchschnittliche Getreideernte: Dies ist das Ergebnis des Jahrhundertsommers 2018. Beim Zuger Bauernverband macht man sich Gedanken um die Zukunft.

Cornelia Bisch
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Das sonnige Sommerwetter bescherte den Zuger Obstbauern eine überreiche Ernte, obwohl die Kulturen auch unter der extremen Trockenheit litten. Beim Gras und Heu waren die Erträge erschreckend gering. (Bild: Manuela Jans-Koch (2. Oktober 2018))

Das sonnige Sommerwetter bescherte den Zuger Obstbauern eine überreiche Ernte, obwohl die Kulturen auch unter der extremen Trockenheit litten. Beim Gras und Heu waren die Erträge erschreckend gering. (Bild: Manuela Jans-Koch (2. Oktober 2018))

Sonnentage in schier endloser Folge, kaum Niederschläge. Während der Jahrhundertsommer den Schweizer Wein- und Obstbauern Rekorderträge bescherte, stellte er die Viehwirtschaft teilweise vor ernste Probleme. Das Graswachstum war stark eingeschränkt. Es herrschte Futterknappheit, das Vieh musste teilweise zusätzlich mit Silogras gefüttert werden, das eigentlich als Reserve für den Winter vorgesehen gewesen wäre.

«Wir aktivierten online Futtermittelbörsen und animierten Bauern, die mehr als genug Futter hatten, dieses an Kollegen in Not abzugeben», erzählt Ueli Staub, Geschäftsführer des Zuger Bauernverbandes. Man habe sich erst einmal selbst helfen und nicht gleich beim Bund jammern wollen. «Im August war eine grosse Verunsicherung spürbar, sodass sogar von Notschlachtungen infolge Futtermangels die Rede war.»

Kurzfristiger Preiseinbruch

Die Folge davon sei ein kurzzeitiger Preiseinbruch auf dem Fleischmarkt gewesen. «Die Situation entspannte sich zwar rasch wieder, und der Preis erholte sich», berichtet Staub. Dies vor allem dank des schliesslich doch noch einsetzenden Regens, der einen Teil der Maisernte rettete und einen weiteren Grasschnitt ermöglichte. «In unserer Region steht es nun nicht so schlecht. Es fehlt lediglich ein Schnitt Gras, nachdem wir eigentlich von zwei fehlenden Schnitten ausgegangen sind.»

Beim Mais hätten einige Landwirte nur etwa zwei Drittel des üblichen Ertrags erzielt, andere hätten weniger Einbussen gehabt.

Winterzeit erfordert sorgfältige Planung

Nun komme es drauf an, wie lange der Winter dauere. «Von gravierenden Notsituationen habe ich in unserer Region nichts gehört», so Staub. «Andere Gebiete der Schweiz hat es sicher härter getroffen.»

Einige Betriebe würden später vielleicht Futter dazukaufen oder die Fütterung der Tiere etwas anpassen müssen. Will heissen: mehr Mais und Silofutter, weniger Heu. «Sicher müssen die Landwirte intensiver planen, wie sie durch den Winter kommen.» Auch die Getreideernte fiel wegen der Trockenheit eher unterdurchschnittlich aus, und die Bewässerung stellte ein Problem dar, weil viele Betriebe nur ungenügend dafür eingerichtet sind.

Für die Obst- und Weinbauern war dieses Jahr ein Fest, obwohl auch die Obstbäume unter der Trockenheit gelitten haben. Die Ernte jedoch fiel ausserordentlich üppig aus, die Qualität der Früchte ist hervorragend. «Aber auch dies ist nicht nur Grund zum Feiern», wirft Staub ein. «Nach dem Frost im Frühling 2017 sowie dem daraus resultierenden, sehr schlechten Ertrag und dem sonnigen Sommer dieses Jahr mit überreicher Ernte besteht die Gefahr, dass die Obstbäume diesen unregelmässigen Rhythmus beibehalten, was natürlich nicht im Interesse der Bauern liegt.»

Projekt zur Wasserthematik

Zurück bleibt ein ungutes Gefühl. «Dieses Jahr stimmt nachdenklich», gesteht Staub. «Wir fragen uns, was künftig auf uns zukommen wird mit dem Klima­wandel.» Sicher habe man früher schon trockene Jahre gehabt, aber der Sommer 2018 stelle doch eine grosse Ausnahme dar.

Als Folge interner Diskussionen nimmt der Bauernverband nun ein Projekt zur Wasserthematik in Angriff. «Wir sind gedanklich noch in den Anfängen. Aber es geht darum, wie man das Wasser im Boden zurückhalten, den Boden fitter machen kann», erklärt Staub. Für die Landwirte stelle sich die Frage, ob sie ihre Betriebe diversifizieren und dadurch mehrere Standbeine aufbauen sollten, oder ob eine Spezialisierung mit der Anschaffung der entsprechenden Einrichtung, beispielsweise einer Bewässerungsanlage, sowie dem Abschluss von entsprechenden Ernteausfall-Versicherungen die geeignete Lösung sei.