Zuger Beitrag wurde für die Jugendfilmtage nominiert

Der junge Filmemacher Balz Auf der Maur aus Oberwil drehte im Rahmen seiner Maturaarbeit einen Dokumentarfilm über ein Urner Berggebiet, das für seine Lebensader, die Bahn ins Tal, kämpft. Einfühlsam, berührend und erstaunlich kompetent.

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Der 20-jährige Filmemacher Balz Auf der Maur aus Oberwil arbeitete zwei Jahre lang an seinem eindrücklichen Dokumentarfilm «Der Draht zum Tal». (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 7. März 2019)

Der 20-jährige Filmemacher Balz Auf der Maur aus Oberwil arbeitete zwei Jahre lang an seinem eindrücklichen Dokumentarfilm «Der Draht zum Tal».
(Bild: Stefan Kaiser, Zug, 7. März 2019)

Eine kleine Bahn stellt für die Bergbevölkerung im Urner Weiler Biel Kinzig die einzige ganzjährige Verbindung zur Talgemeinde Brügg dar. Anders als früher fehlt in den letzten Jahren zunehmend der Schnee. Der Wintertourismus, der bei der Bahn für Umsatz sorgen sollte, bleibt aus. Kontroll- und Unterhaltsarbeiten sind teuer, Rückstellungen gibt es keine, die Bahn schrammt seit Jahren knapp am Konkurs vorbei. Eine Katastrophe für die Bergbevölkerung, die auf die Bahn angewiesen ist.

Eindrücklich zeigt der ehemalige Kantonsschüler Balz Auf der Maur in seinem rund 20-minütigen Dokumentarfilm «Der Draht zum Tal» das Dilemma der Bergleute auf und lässt sie in ihren eigenen Worten erzählen. Der 20-Jährige beobachtete das Geschehen rund um die Bahn während zweier Jahre und widmete seinen Film schliesslich dem in dieser Zeit verstorbenen Gründungsmitglied der Bahn Anton Trachsel, der im Film in schillernden Farben von deren Entstehung und Blütezeit berichtet. Der Dokumentarfilm wurde für die Schweizer Jugendfilmtage Zürich nominiert, die vom 13. bis 17. März stattfinden.

Der Film geht unter die Haut

Der junge Filmschaffende, der sein Hobby zum Beruf machen möchte, beweist in seinem Werk erstaunliche Reife und fachliche Kompetenz. Er zeigt die verschiedenen Charaktere vollkommen natürlich, unverblümt und unsentimental. Gerade deshalb gehen die Bilder und Zitate besonders unter die Haut. Es sind kluge, bescheidene, zufriedene Menschen, die nicht jammern, sondern nüchtern und direkt sagen, wie es ist: «Wir sind auf die Bahn angewiesen.»

Seit rund 15 Jahren verbringt Balz Auf der Maur mit seinen Eltern und Brüdern die Schulferien im kleinen Bergort Biel Kinzig, der ihm und seiner Familie zur zweiten Heimat geworden ist. «Meine beiden Brüder und ich halfen den Bauern ab und zu beim Heuen im Sommer», erzählt er. Dabei lernte er Land und Leute sehr gut kennen und erfuhr, was die Einheimischen bewegte. «Die Bahn stellte immer schon ein zentrales Thema dar.» Als es darum ging, ein Thema für seine Maturaarbeit auszuwählen, entschied sich der Kantonsschüler die Geschichte dieser ihm lieb gewordenen Menschen zu erzählen. Anfänglich seien einige von ihnen der Kamera gegenüber skeptisch gewesen. «Also suchte ich zuerst ohne Kamera mit jedem persönlich das Gespräch.» Schliesslich gewann er die Bewohner des Bergortes für sein Projekt.

Unterstützung durch bekannte Filmschaffende

«Mein Betreuer, der Geschichtslehrer Alexander Brogli, liess mir weitgehend freie Hand, war aber für mich da, wenn ich Hilfe brauchte.» Er vermittelte dem Maturanden den Kontakt zu Regisseur Fredi Murer, dem Schöpfer der Spielfilme «Höhenfeuer» und «Vitus». «Er erzählte mir während eines halben Tages von seiner Arbeit, gab mir Tipps und Inputs, die nicht nur für dieses Projekt wertvoll waren, sondern es auch für künftige Arbeiten sein werden.» Auch der Filmemacher und Künstler Remo Hegglin liess sich über die Schulter blicken und gab dem jungen Künstler wertvolle Hinweise.

Unterstützung in technischer und fachlicher Hinsicht, ebenso wie durch Hilfs- und Handlagerdienste, erhielt Balz Auf der Maur zudem von seiner Familie. «Man trägt immer eine Menge Material herum. Da ist man manchmal froh um ein Paar zusätzliche Hände», erzählt er lachend. Oft aber sei er allein unterwegs gewesen, habe stundenlang bei der Bahnstation auf ein paar gute Bilder gewartet. «Das hatte etwas Meditatives.» Und es lohnte sich. «Aufnahmen vom Verladen einer Kuh und dem Transport von Heuballen habe ich schliesslich für den Film verwenden können.» Er habe viel gelernt während der Dreharbeiten. «Manche Einstellungen aus den Anfängen würde ich heute ganz anders angehen», gesteht er. Von diesen Erkenntnissen werde er für weitere Projekte profitieren.

Nachdem der Dokfilm von Seiten der Schule Bestnoten erhalten hatte, feierte er im letzten Frühling Premiere im Zuger Kino Gotthard. Nun folgt der spannende Wettbewerb in Zürich. «Dies ist vor allem eine gute Gelegenheit, meine Arbeit Fachleuten zu zeigen und zu hören, was sie darüber denken.»