Zuger Crypto International AG erwägt Klage gegen Bundesrat

Der Bundesrat blockiert derzeit Exporte der Zuger Crypto International AG. Deshalb zieht das Cyber-Security-Unternehmen eine Schadenersatz-Klage in Betracht.

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(spe) Die Zuger Crypto International AG kündigte Anfang Juli an, über 80 Mitarbeitende zu entlassen (wir berichteten). Es drohe auch eine Klage gegen den Bundesrat, der die Exporte der Firma blockiert, berichtet der «Tagesanzeiger» am Donnerstag. Demnach hat der aktuelle Besitzer Andreas Linde auf die Frage, ob sein Unternehmen eine Schadenersatzklage anstrebe, geantwortet, dies hänge «auch vom Entscheid des Bundesrats ab, seine Position zu überdenken». Gemäss «Tagesanzeiger» sind auch die angekündigten Massenentlassungen «noch nicht endgültig besiegelt».

Bereits im März hatte die Zuger Crypto AG gemäss «Tagesanzeiger» nebst Anwälten auch die Lobby-Agentur Furrerhugi engagiert, um ihre Interessen durchzusetzen. Dies schien zunächst zu wirken. Wirtschaftsminister Guy Parmelin beantragte am 12. Juni, hängige Ausfuhrgesuche der Crypto International AG und der TCG Legacy AG zu bewilligen. Der Bundesrat entschied aber am 19. Juni, dass die Bundesanwaltschaft den Crypto-Fall aufklären soll und bis zum Abschluss der Untersuchung alle Exportgesuche sistiert werden.

Manipulierte Chiffriergeräte haben Konflikt ausgelöst

Dem Streit liegt die sogenannte «Crypto-Affäre» zugrunde. 2019 wurde bekannt, dass die Zuger Crypto AG in früheren Jahren manipulierte Verschlüsselungsgeräte an mehrere Staaten verkauft haben soll. Die Medien, unter anderem die SFR-«Rundschau», konnten erstmals aufzeigen, dass die ehemalige Crypto AG lange Zeit im Besitz von US-amerikanischen und deutschen Geheimdiensten war. Daraufhin entzog der Bund den Nachfolgefirmen, wozu die Crypto International AG zählt, die Generalausfuhrbewilligung. Gegen die ursprüngliche Firma läuft eine Untersuchung. Die Crypto International AG betonte stets, dass sie nichts mit der Vorgängerfirma verbinde.